aus der Sendung vom Dienstag, 11.8.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Hier wohnen die Sonnenscheins - in Neunkhausen im Westerwald: Gabriele und Heinrich. Sie leben ökologisch - mit Bauerngarten und alternativer Energieerzeugung. So wie es sich gehört. Für Sonnenenergie und Erdwärme haben sie sich schon entschieden. Doch das reicht ihnen nicht. Wo er sein Windrad für den Hausstrom herbekommt, weiß Sonnenschein: auch aus dem Westerwald, von der Firma Braun-Windturbinen in Nauroth. Dort steht eine Vorführanlage. Die Firma Braun schickt 3.5 und 5 KW Mini-Windkrafträder in die ganze Welt.
Gabriele und Heinrich Sonnenschein stoßen mit ihrem Projekt auf wenig Gegenliebe. Die Baubehörden hielten das Windrad anfangs nicht einmal für genehmigungsfähig. Die Sache zieht sich seit Monaten hin, denn die Ortsgemeinde und der Verbandsgemeindebürgermeister fürchten einen Dammbruch zu Lasten der Ortsbilder. In ganz Deutschland tun sich Behörden mir den Gartenwindrädern schwer. Deshalb werden Klein-Windkraftanlagen gerne ohne Bauantrag montiert - nach dem Motto: wo kein Kläger, da kein Richter.
Dieses genehmigte Mini-Windrad steht in der Pfalz. Es spart seinem Besitzer rund 1/6 seiner Stromkosten. So eine Anlage kostet plus Mast – je nach Leistung – zwischen 12.000 und 15.000 Euro. Die Wartungskosten sind eher gering. Viele Teile der Braun-Windturbinen werden im Westerwald produziert, so wie die Steuerung. Sie kommt aus Elkenroth: gerade jetzt mitten in der Krise ein wichtiger Auftrag für die Elektronik-Firma Mertens u. Schneider.
Auch im Metallbetrieb Krüger in Mörsbach hängen Arbeitsplätze an den Klein-Windkrafträdern. Hier versteht niemand, warum sich Behörden mit den Windrädern am Eigenheim so schwer tun. Im Ausland seien sie schließlich längst akzeptiert.
Das Windrad-Projekt der Sonnenscheins hat längst nicht alle Hürden genommen, aber es zeichnet sich zumindest eine mögliche Lösung ab. Dieses Schreiben der Behörde sagt aus: Gabriele und Heinrich Sonnenschein könnten vielleicht doch bauen, müssten dann aber alle Risiken tragen. Noch ist dieses Windrad, das einzige auf dem Grundstück der Sonnenscheins in Neunkhausen. Aber eines haben sie schon erreicht. Es wird über moderne Windenergietechnik für Firmen und Eigenheime diskutiert, die bislang kaum bekannt war.
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Dieter Schenk betreibt auf dem Gelände seines Gärtnerei-Betriebes in Frankfurt Niedereschbach, unmittelbar an seinen Gewächshäusern mit Tomatenpflanzen, zwei kleine Turbinen mit 3,5 und 5,0 KW im Netzparallelbetrieb. Auf dem einige hundert Meter entfernten Wohnhaus befinden sich zudem zwei größere Fotovoltaikanlagen. Ingesamt hat der Betrieb einen Jahresbedarf von rund 50.000 KW. Die größere Windenergieanlage liefert monatlich rund 120 KW, die kleine Turbine entsprechend weniger: ca. 70 KW: also zusammen monatlich rund 200 KW und jährlich etwa 2.400 KW. Damit kann Schenk immerhin 5 Prozent des Strombedarfs in seinem Gärtnerei-Betrieb mit Mini-Windkrafträdern decken.
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Geliefert wurden die Klein-Windkraftanlagen von der Firma „Braun – Windturbinen- GmbH“ in Nauroth im Westerwald. Die Klein-Windkraftanlagen werden auch im Westerwald montiert. Mittelständische Betriebe produzieren wichtige Teile, wie etwa die Welle des Rotors und den Schaltkasten, der beispielsweise sicherstellt, das die Anlage bei zuviel Wind nicht zerstört wird (Überlastschutz). Es gibt Anschalt- (z. B. 3 m/s) und zum Schutz der Turbine auch Abschalt-Windgeschwindigkeiten (z.B. 22 m/s). Die Kosten für eine solche Anlage betragen zwischen 9000 und 10.000 Euro, hinzu kommt der Mast. Die Kosten für einen solchen Mast samt Netzanschluss liegen je nach Qualität zwischen 2000 und 4000 Euro. Immerhin muss der Mast knapp 100 Kilogramm tragen.
In Rheinland-Pfalz beträgt der Gesamtanteil der Windenergie an der Deckung des Strombedarfs rund 6,4 Prozent und könnte, so die Ergebnisse einer Studie der Firma juwi in Wörrstadt, auf 41 Prozent im Jahr 2030 gesteigert werden. Für 2020 wird ein Anteil der Windenergie von 25-30 Prozent für realistisch gehalten. Vieles soll über „Repowering“, also weniger über die Vermehrung der Anlagen, als über die Leistungssteigerung an bereits vorhandenen Standorte geleistet werden. Derzeit gibt es in Deutschland über 18.000 Großanlagen, die 26.500 Gigawattstunden. Das sind knapp über 4 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. In Rheinland-Pfalz stehen derzeit rund 1000 Windkraftanlagen. Für das Ziel im Jahr 2030 hält die juwi-Studie 500 große 6 MW Anlagen für ausreichend. Das Problem sind jedoch Bauhöhenbegrenzungen von 100 m, die immer mehr VG und Einzelkommunen erlassen. Der Bundesverband WindEnergie plädiert deshalb für Anlagen auf bewaldeten Bergkuppen (Windkraft im Wald).
Mini-Windkraftanlagen dagegen, sind meist nur um die 16 Meter hoch. Sie sind in Mischgebieten leichter durchzusetzen als in ausgewiesenen Wohngebieten. In Mischgebieten sind 45 Dezibel (ähnlich wie ein großer belaubter Baum, in den der Wind fegt) einzuhalten. Im Wohngebieten liegt die erlaubte Emissionsgrenze noch niedriger. Der durchschnittliche Kilowattpreis der Min-Windräder liegt im Bereich bis 3000 Euro. Große Anlagen lassen sich zu einem Kilowattpreis von unter 1000 Euro betreiben. Allerdings sinkt der Preis in beiden Marktsegmenten.
Die geltenden Abstände zum Nachbarn müssen eingehalten werden, sofern der Nachbar dem Klein-Windkraftanlagenprojekt nicht ausdrücklich zustimmt. In Misch- und Industrieanlagen reicht vielfach die halbe Masthöhe als Abstand zur Grundstücksgrenze, in Wohngebieten muss auf jeden Fall die volle Mastlänge eingehalten werden. Die Schattenwurfzeiten sind ebenfalls begrenzt.
In Großbritannien, Portugal und vielen anderen Ländern werden die kleinen Windkraftanlagen stark gefördert. Ihr Preis sinkt seit einiger Zeit in ganz Europa deutlich, gleichzeitig wächst ihre Leistungsfähigkeit. Viele neue Formen - wie etwa Rotorblätter auf einer vertikalen Rotorwelle - sind entstanden. Eine Liste angebotener Kleinwindkraftanlagen gibt es auf der Internetseite des Windenergieverbandes: www.wind-energie-market.com
Braun-Windturbinen GmbH
Rüdiger Braun u. Manuela Ermert-Braun
Südstrasse 19
57583 Nauroth
Tel: 02747-930585
Fax: 02747-914053
Marienstrasse 19-20
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Letzte Änderung am: 11.08.2009, 14.09 Uhr