Sendung vom Dienstag, 6.7.2010 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Rund 1000 verschiedene Arten fleischfressender Pflanzen sind weltweit bekannt. Nur etwa 15 davon kommen bei uns in Deutschland vor. Ihr Lebensraum sind nährstoffarme Standorte – zum Beispiel Moore. Im Verlauf der Evolution haben sich die sogenannten Karnivoren Methoden entwickelt, um an zusätzliche Nährstoffe , vor allem Stickstoff und Nitratverbindungen, heranzukommen. Mit Hilfe von Fallen fangen und verdauen sie Insekten, Spinnen – die größeren Exemplare in den Tropen sogar kleine Nagetiere oder Frösche. Dabei helfen den unterschiedlichen fleischfressenden Pflanzen fünf verschiedene Fallentypen: Klebefallen, Klappfallen, Saugfallen, Fallgrubenfallen und Reusenfallen.
Mit vielen Tricks locken die Pflanzen ihre Beute zu sich – mit bunten Farben, getarnten Kelchen, verlockenden Tautropfen oder betörenden Duftstoffen. Einmal in den „Klauen“ der Karnivoren gefangen, haben die ahnungslosen Opfer keine Überlebenschance mehr. Eine der bekanntesten Karnivoren: die amerikanische Venusfliegenfalle. Mit modrigem Geruch lockt sie Fliegen an. Wenn diese dann die Kontakthärchen berühren, schließt sich das Blatt wie ein Fangeisen. Mit Hilfe eines Verdauungssaftes, wird die Fliege nun regelrecht zersetzt und von der Pflanze aufgesaugt. Nach ca. zwei Wochen öffnet sich das Blatt - übrig bleibt, die unverdauliche Chitinhülle. Ganz anders, die Fangstrategie des Sonnentaus. Hunderte von Tentakeln sind mit klebrigem Fangschleim bestückt, den die Insekten für Tau halten. Eine kurze Berührung, und es gibt kein Entrinnen mehr. Den traurigen Rest besorgen die Verdauungssäfte.
Die meisten „grünen Fleischfresser“ leben in den Tropen, aber auch bei uns kommen sie vor: zum Beispiel im Hangmoor Ortelsbruch im Hunsrück – einer von drei Standorten in Rheinland-Pfalz. Seit mehr als 4000 Jahren wächst dort schon der Sonnentau. Eine andere heimische fleischfressende Pflanze ist das Fettkraut, die beispielsweise im Hochmoor in der Westpfalz vorkommt. Ihre Blätter sind komplett mit einem klebrigen Saft überzogen und lassen ihre Opfer nicht mehr los.
Doch nicht nur über der Erde, auch unter Wasser gibt es die grünen Fleischfresser, beispielsweise den Wasserschlauch, den man in kleinen Teichen auch bei uns finden kann. Ihn erkennt man an seinen unscheinbaren gelben Blüten. Er lockt seine Beute nicht an, sondern verschlingt sie einfach. Berührt zum Beispiel ein kleiner Flohkrebs den Rand der Wasserschlauch-Kapsel, so erzeugt die Pflanze blitzschnell einen Unterdruck, dem die Opfer hilflos ausgeliefert sind. Für die Menschen sind fleischfressende Pflanzen keine Gefahr, auch wenn sie immer wieder die Phantasie bemühen. So spielte in dem Kultfilm „Der kleine Horrorladen“ die blutrünstige, menschenverschlingende Pflanze Audrey die Hauptrolle und sorgte bei so manchem Kinobesucher nachträglich für schlaflose Nächte und Alpträume.
Einer der ersten, der sich mit den Karnivoren beschäftigt hat, war übrigens kein Geringerer als Charles Darwin, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern würde. Ihm zu Ehren gibt es im Botanischen Garten der Universität Mainz einen Darwin-Rundgang, der sich auch mit den „grünen Fleischfressern“ beschäftigt. Ein Besuch lohnt sich und ist garantiert harmlos.
Weitere Informationen:
Fleischfressende Pflanzen können Sie auch im Botanischen Garten der Universität Mainz anschauen. Zur Zeit gibt es hier auch einen Darwin-Rundgang mit vielen Informationen zum Leben und Wirken des Forschers anlässlich seines 200.Geburtstages.
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55128 Mainz
Tel: 06131/3922251
Letzte Änderung am: 05.06.2009, 23.34 Uhr