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Weg vom konventionellen Baumwollanbau Die „Ökotextilien“ boomen

aus der Sendung vom Dienstag, 21.4.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Kleidermode – ein schnelllebiger Markt: Immer neue Modelle müssen her - der Materialbedarf ist riesig und frisst enorme Mengen an Rohstoffen. Vieles ist inzwischen aus Synthetik, doch mehr als die Hälfte aller Textilien bestehen aus Naturfasern - überwiegend aus Baumwolle.
Dafür werden jährlich 25 Millionen Tonnen weltweit angebaut. Und der konventionelle Anbau ist in jeder Hinsicht umweltschädlich.Enormer Wasser- und Energieverbrauch, riesige Flächen in Monokulturen, gentechnisch veränderte Pflanzen, die zunehmend die natürlichen verdrängen, und tonnenweiser Pestizidgebrauch schaden der Natur und den Menschen.

Viele der Produktionsländer wie China, Indien und Pakistan liegen in Regionen, in denen Umweltschutz noch keine Rolle spielt. Dagegen wächst das Bewusstsein auf der Käuferseite: Immerhin 85 Prozent der Deutschen sind bereit, für ökologisch hergestellte Kleidung mehr Geld auszugeben.


Der Pionier der Branche ist Hess Natur. Schon seit mehr als 20 Jahren bietet er konsequent Ökomode. Lange waren zeitlose Schnitte und dezente Farben das Erfolgsrezept. Doch dieser Versandhändler geht neue Wege: Seine Ökotextilien präsentiert er inzwischen auf internationalen Modemessen mit Designermode. So bei der New Yorker Modewoche - Dort feierte Hess Natur seinen neuen Designer mit einer Party. Mode wird zum Kunstobjekt und sorgt für neue Kunden.

Trendige Ökomode wie von U2 Sänger Bono ist im Internet schon länger erfolgreich. Dort bietet auch das strenge Ökolabel „Armed Angels“ seine witzigen Klamotten an. Und immer mehr trendige Boutiquen, die bislang nichts mit Ökokleidung im Sinn hatten, verkaufen die T-Shirts. Auf dem Schild wird klar, dass das schicke Teil für ein gutes Gewissen sorgt: Fairer Handel und Bio Baumwolle sind Programm. Aber auch für die Kunden der großen Modeketten gibt es inzwischen Bio-Baumwolle. H & M beispielsweise hat eine eigene Bio-Linie. Meist sind es T-Shirts, die dort so angeboten werden.


Bei C&A ist die Palette des Angebots breiter. Außer schicken Blusen gibt es Hosen, Shirts, Biocotton für Kinder und Unterwäsche. Und alles zu den üblichen Preisen, das verspricht C&A ausdrücklich. Bio-Baumwolle ist wegen geringerer Erträge zwar teurer als konventionelle, aber Material macht bei Mode nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus. So nutzen die Modeketten den Werbeeffekt zu geringfügig erhöhten Kosten. Und: Bio-Baumwolle garantiert lediglich Bio-Anbau ohne Gentechnik und Pestizide. Nicht aber: Umweltschonende und gesundheitlich unbedenkliche Weiterverarbeitung. Dasselbe gilt auch für die Bio-Baumwollsiegel: Organic Exchange und Global Organic.


Neben herstellereigenen Phantasie-Zeichen gibt es das EU-Umweltzeichen Euro-Blume, das allerdings nur selten verwandt wird. Öko-Tex Standard 100 ist nur ein bisschen Öko und FairTrade bietet eher faire Arbeitsbedingungen. Die höchsten Anforderungen haben Naturtextil und kontrolliert biologischer Anbau. Klare Zeichen für die Ökotextilien wären gut, damit saubere Bio-Baumwolle weiter die Branche erobern kann. Aber der Textilmarkt wird nicht mit guter Kennzeichnung, sondern mit schicker Kleidung gewonnen.
Auf der Öko-Modenschau der London Fashion Week 2009 sind die Ökotextilien nicht mehr von herkömmlichen zu unterscheiden. Noch nie war es so einfach, sich sexy und umweltschonend anzuziehen.


Weitere Informationen:

ÖKO-TEST Verlag GmbH

60486 Frankfurt am Main
Kasseler Straße 1a
Tel.: 0 69/ 97777–0
Fax: 069/ 97777–139

E-Mail:
verlag@oekotest.de
Internet:
www.oekotest.de


Literaturtipp:

Saubere Sachen
Wie man grüne Mode findet uns sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt
Autorin: Kirsten Brodde
Verlag: Ludwig
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenzahl: 255
ISBN / 978-3-453-28003-8-3-97423978-3-24649-1 BN 978-3-423-24649-1

Letzte Änderung am: 10.04.2009, 23.31 Uhr

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