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Im Grünen Die Natur in Rheinland-Pfalz

Fernsehen im SWR

Hummelzucht in Aarbergen Pelzige Brummer helfen beim Bestäuben

aus der Sendung vom Dienstag, 7.4.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Es ist doch ganz einfach, denken viele. Die Obstbäume blühen, die Bienen schwärmen aus und bestäuben sie. Doch früh im Jahr verlässt sich Obstbauer Walter Frieß aus Worms schon längst nicht mehr auf fleißige Bienen. Noch wenige Tage, dann öffnen sich seine Aprikosenblüten und keine Honigbiene weit und breit. Apis mellifera ist es noch zu kalt. Frieß setzt deshalb auf Hummeln.

Die pelzigen Brummer liefert Rüdiger Schwenk. Er züchtet sie in klimatisierten Rotlichträumen. Das größte Tier im Hummelvolk ist die Königin. Jährlich wachsen in seiner Brutkammer rund 1500 Völker heran, bei hoher Luftfeuchtigkeit und knapp über 10 Grad. Ernährt werden seine heimischen Erdhummeln mit dem lateinischen Namen bombus terrestris mit Zuckerwasser als Nektarersatz. Die Tiere bohren die Plastikgefäße von unten an. Dazu gibt es energiereichen Pollen, den Schwenk im Becher serviert. Das teure Hummelfutter bekommt er von Imkern in Südfrankreich. Im Eisfach lagert ein ganzer Sack davon, gesammelt von Bienen. Schon nach wenigen Monaten muss Schwenk nachbestellen. Der Hummelzüchter verschickt seine Völker in solchen Styroporbehältern: künstliche Erdhöhlen mit rund 80 Bewohnern.

Aufgestellt werden sie dann in den Plantagen der Obstbauern. Hummeln haben einen gewaltigen Vorteil, sie fliegen schon bei 9 Grad, die Biene braucht um die 14 Grad. Und die pelzigen Brummer werden immer wichtiger seit Tausende Bienenvölker in Deutschland zu Grunde gehen: an Pestiziden und eingeschleppten Parasiten wie der Varoa-Milbe.

Doch was wird aus den Hummelvölkern, die Jahr für Jahr von Obstbauern in Rheinhessen, in der Pfalz oder am Bodensee freigelassen werden? Immerhin hat Rüdiger Schwenk seine Hummeln mehrere Monate lang aufwendig im Labor vermehrt. Schwenk sagt, wenn die Bedingungen stimmen, können seine Hummeln den Bestand in der Natur auch im nächsten Jahr bereichern. Dann müsse allerdings eine seiner Jungköniginnen auf eine im Freiland geborene Drohne treffen oder eine seiner Drohnen auf eine Jungkönigin, die im Freiland geboren wurde. Drohnen heißen die männlichen Tiere bei den Hummeln.

Zwischen 60 und 90 Euro kostet ein „bombus terrestris Volk“ bei Rüdiger Schwenk. Früher war es etwas mehr, doch Schwenk hat Konkurrenz durch Billiganbieter im Ausland bekommen. Einige Hummelhändler gehen dabei ziemlich skrupellos vor. Schwenk berichtet von Jungköniginnen, die in der Türkei und in Griechenland gefangen und bei uns in Obstbaumplantagen eingesetzt werden. Das könne zur Faunenverfälschung führen, warnt er.

Auch hier in Oppenheim bei der Lehr- und Versuchsanstalt für Landwirtschaft wird über Bestäubungsalternativen nachgedacht: auch über Alternativen zur Hummel. Dieses Freilandregal bietet Brutmöglichkeiten für viele Wildbienenarten: Bestäuber, die man nicht aufwendig im Labor vermehren muss.

Wildbienen könnten die Hummeln aus dem Labor eines Tages ablösen, denn einige Arten fliegen von Natur aus sehr früh im Jahr. Dazu müsste der Obstanbau noch naturverträglicher werden. Damit die kleinen Helfer auch überleben.

Weitere Informationen zum Thema „Hummeln helfen beim Bestäuben“

Anfangs wurden Hummeln in erster Linie zur Bestäubung von Tomaten in Gewächshäusern eingesetzt. Nur sie gelangen an den Pollen der Tomatenblüten. Bienen schaffen das nicht.

Zudem sind sie sehr effektiv und der Gemüsebauer kann im überschaubaren Gewächshaus leicht feststellen, ob die Hummeln an der Blüte waren. Sie hinterlassen nämlich eine gut erkennbare kleine Bissspur an der befruchteten Tomatenblüte. Der Grund: Hummeln beißen sich an der Blüte fest und vibrieren kräftig mit der Brustmuskulatur. Dabei wird der Pollen praktisch herausgeschüttelt. Der Pollen wird aufgefangen und mit Speichel vermengt. Er klebt dann als auffällig dickes Pollenpaket an den Hinterbeinen der Hummel. Manche Tiere sind so schwer beladen, dass sie kaum noch fliegen können. Da sage noch einer nur Bienen sind fleißig. Ein Teil des Pollens bleibt beim Aufwirbeln im dichten Brustpelz der Hummel hängen und bestäubt beim nächsten Anflug eine andere Blüte. Hummelzüchter Rüdiger Schwenk arbeitet am Ortsrand von Aarbergen im Taunus. Gerade im Frühjahr hat er das Wetter immer im Blick. Wird es plötzlich wärmer, muss er seine Völker in 24 Stunden liefern können. Hummelhochsaison ist zwischen März und Juni. Die Hummel wird von Obstbauern so geschätzt, weil sie anders als die Honigbiene kein „Schönwetterflieger“ ist. Hummeln bestäuben etwa 3000-4000 Blüten pro Tag, sodass ein Volk auch bei ungünstigen Wetterbedingungen über 20000 befruchtete Blüten pro Tag hinterlässt.

Rüdiger Schwenk setzt auf unsere heimische Erdhummel „bombus terrestris“. Ihre besonderen Kennzeichen sind: ziemlich pelzig und schwarz-gelb. Den Grundstock seiner Zucht hat er von einem Bieneninstitut übernommen.

Viele Ökologen und andere Bestäubungsexperten befürworten eher den Einsatz von Wildbienen. Werden sie in der Obstbaumplantage gepflegt und nicht durch zu starken Pestizideinsatz dezimiert, können einige Arten bereits sehr früh im Jahr die Befruchtung der Blüten übernehmen. Die Hummel ist zwar extrem effektiv, aber die Völker müssen erst künstlich vermehrt werden, damit die Tiere schon früh im Jahr als Bestäuber eingesetzt werden können. Normalerweise sind nämlich im März und April bei den Hummeln nur die Jungköniginnen unterwegs.

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Obstquelle Frieß

Süßkirschen, Aprikosen, Pfirsiche, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kartoffeln, Zwiebeln, Apfelsaft

Verkauf ab Hof: Mo-Do 16.00-19.00, Fr 13.00-19.00, Sa 9.00-16.00

Kirchhofplatz 5
67551 Worms

Tel:
06241-33988
Fax:
06241-369744
E-Mail:
walterfriess@arcor.de

Ansprechpartner: Inhaber Walter Frieß (Setzt Zuchthummeln als Bestäuber ein)

Letzte Änderung am: 07.04.2009, 13.03 Uhr

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