aus der Sendung vom Dienstag, 7.4.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Frisch geborene Merinolämmer – ins Leben gestartet bei 10 Grad Minus auf einer Weide in der Eifel. Alle haben ihre Geburtsnacht im Januar 2002 heil überstanden. Doch die Tage der Winterlammung auf der Weide sind in Rheinland-Pfalz gezählt.
Tierschützer überwachen die Einhaltung neuer Tierschutzhinweise für die Winterweidehaltung, so wie hier bei Seibersbach im Hunsrück. Danach soll kein Schaf mehr unter Null Grad im Freien lammen.
Hilmar Tilgner – ein promovierter Historiker - dokumentiert seit Jahren das Leben der Schafe am Ortsrand. 2005 schießt er Fotos von toten Mutterschafen und Tieren, die am Ende des Winters abmagert sind. Tote Lämmer schockieren ihn so, dass er die Behörden benachrichtigt. Auch eine Klauenkrankheit wird entdeckt. Der Landwirt und Schäfer muss Strafe zahlen.
Die Schäferei bei Seibersbach ist nicht einzige in Deutschland, die inzwischen gezwungen wurde, die Winterlammung im Freien aufzugeben. Verstöße können schließlich zur Beschlagnahme der gesamten Herde führen.
Wegen der nassen Witterung Anfang März päppelt der Schäfer jetzt so viele Lämmer wie möglich im Stall. Er weiß, sterben wieder Lämmer auf der Weide, gibt es Ärger mit den Veterinärbehörden in Bad Kreuznach. Äußern wollte sich dort allerdings niemand. Im Konflikt mit Tierschützern und Behörden hat der Schäfer nachgegeben.
Wanderschäfer mit weit entfernten Heimathöfen, wie Günther Czerkus in der Eifel, sollen dafür sorgen, dass ihre Mutterschafe im Winter in überdachten Unterständen lammen. Zieht die Herde weiter, muss auch der Stall auf der Weide versetzt werden. Doch viele Schäfer in Rheinland-Pfalz und Hessen wehren sich dagegen.
Auch die Kosten seien viel zu hoch. Dann hören wir lieber ganz auf, sagen viele Schäfer und verweisen auf die zahlreichen Naturschutzflächen, die sie oft ohne großen Futterertrag pflegen. Dass die neuen Tierschutzhinweise für die Schäfer schmerzhaft sind, wird auch von vielen Behördenvertretern in Rheinland-Pfalz und Hessen nicht bestritten. Trotzdem seien sie dringend nötig.
Auch der Biologe, Schäfer und Tierschützer Hans-Werner Bronk aus dem Westerwald ist gegen die Winterlammung im Freien. Seine Fuchsschafe werden nach dem Bocksprung markiert, und, wenn sie hochträchtig sind, in den Stall geschafft – manchmal noch im April. Eine Herde könne im Winter sehr viele Jungtiere verlieren, sagt er. Gerade bei Mehrlingsgeburten sei die Gefahr für die Lämmer groß.
Dennoch rät der Biologe, die Wanderschäfer nicht zu überfordern. Man müsse ihnen die Chance geben sich umzustellen, statt sie mit Anzeigen zu überziehen. Tierschutz und Wanderschafhaltung seien kein Widerspruch an sich.
Trotz aller Proteste der Schäfer: Die Winterweidehaltung wird sich verändern. Nur müssen auch die Wanderschäfer eine Chance bekommen zu überleben, trotz strengerer Tierschutzauflagen.
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Fuchsschafe sind eine alte bodenständige Landschafrasse. Sie waren früher in den deutschen Mittelgebirgen stark verbreitet. Sie sind mittelgroß, haben an ihren braunen Köpfen keine Wolle. Die Lämmer werden dunkelbraun geboren und hellen später auf. Fuchsschafe wurden von den verbreiteten Fleischschafrassen wie Merino- und Schwarzkopfschaf schon zu Beginn des 20. Jahrhundert verdrängt und erst ab den dreißiger Jahren wieder zurückgezüchtet. Hans-Werner und Margit Bronk halten in Kundert im Westerwald rund 50 Tiere. Die Lämmer wurden alle im Stall geboren. So wollen die Bronks Todesfälle durch sehr kalte oder sehr nasse Witterung vermeiden. Die Mutterschafe werden bei den Bronks vor dem Ablammen in den Stall gebracht.
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Während früher die Winterlammung im Freien in Rheinland-Pfalz, den ganzen Winter hindurch praktiziert wurde und bei vielen Schäfern auch noch wird, kann das heute einer Schäferei viel Ärger einbringen. Spätestens, wenn Anzeigen von Anwohnern oder Tierschützern kommen, greifen einige Amtstierärzte inzwischen durch. Meist kommen Anzeigen, wenn tote Tiere auf der Weide liegen bzw. Tiere deutlich sichtbar an Hautkrankheiten oder an der „Moderhinke“, einer Klauenkrankheit, leiden. Auch der Ernährungszustand wird immer wieder kritisiert.
In Rheinland-Pfalz gilt nämlich inzwischen ein Papier der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, kurz TVT, als Leitlinie für den Vollzug des Tierschutzgesetzes, genauer als Mittel zur Sicherstellung eines landeseinheitlichen Verwaltungsvollzugs. Das Papier ist kein Gesetz und keine Verordnung, gilt aber als Entscheidungshilfe für die Amtsveterinäre vor Ort - also bei den Kreisverwaltungen.
Bei einer Lammung unter 0 Grad oder bei anhaltend nasskalter Witterung muss danach für das ablammende Schaf vor der Geburt oder spätestens unmittelbar nach der Geburt ein Witterungsschutz vorhanden sein. Das gilt für alle Sauglämmer bis zu 4. Lebenswoche. Der Schutz soll von drei Seiten geschlossen und mit Stroh eingestreut sein. So sollen Wärmeverluste vermieden werden. Ist ein solcher Schutz auf der Weide nicht vorhanden, bleibt eigentlich nur der Transport in einen Stall.
Zudem muss der Gesundheitszustand der Herde täglich kontrolliert werden. Ablammende Mutterschafe sollen sogar mehrmals täglich, erforderlichenfalls auch nachts kontrolliert werden. Die ausreichende Ernährung der Schafe ist sicherzustellen. Ist die Energie- und Nährstoffversorgung der Tiere unzureichend z.B. bei geschlossener Schneedecke muss zugefüttert werden.
Amtsveterinäre berufen sich in Rheinland-Pfalz und Hessen explizit auf diese Hinweise. Erste Verwarnungen und Ordnungsgelder, nicht nur im Fall bei Seibersbach, wurden bereits verfügt. In Hessen wurden, nachdem ein Schäfer offenbar nicht ausreichend reagierte, sogar Schafe beschlagnahmt.
Nachzulesen sind die „Hinweise für die Wanderschafhaltung in der kalten Jahreszeit“ der Tierärztlichen Vereinigung für die Tierschutz e.V. (TVT) unter dem Thema Tierschutz auf der Internetseite des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums.
Die Vorschriften bedeuten besonders für viele Wanderschäfer eine kostenintensive Umstellung. In Rheinland-Pfalz werden derzeit rund 108.000 Schafe gehalten - in 1344 meist kleinen Betrieben und Kleinsthaltungen.
2007 wurden nach der offiziellen Statistik des Umweltministeriums und der Tierseuchenkasse über 4100 Schafe Opfer der gefürchteten Blauzungenkrankheit. Erfolgreiche Schutzimpfungen haben die Zahl der Krankheitsfälle im vergangenen Jahr deutlich gesenkt und die Seuche eingedämmt.
Im Schlag
10
Kundert, Westerwald
Ansprechpartner: Hans-Werner und Margit Bronk
Zur Schäferei
1
54675
Wallendorf
Ansprechpartner: Günther Czerkus, Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, VDL, Sprecher VDL-Ausschuss Berufsschäfer
55444
Seibersbach
Letzte Änderung am: 06.04.2009, 13.04 Uhr