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Fernsehen im SWR

Osternest und Hühnerei Vogelnachwuchs im Frühling

Sendung vom Dienstag, 7.4.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Aus der harten Schale müssen sich alle Küken heraus kämpfen. Nach vielen Stunden haben sie es dann endlich geschafft - die süßen, kuscheligen, putzigen Federbälle. Aber nicht alle Küken sehen nach der Geburt flauschig aus. Manche sind splitternackt, haben nur wenig Flaum und ähneln eher einem Alien.

Und das hat seinen Grund: Die Küken mit Federn kommen direkt auf dem Boden in einem Nest zur Welt. Es sind so genannte „Nestflüchter“, wie z. b. Rebhühner. Nestflüchter leben gefährlich, deshalb hat die Natur es so eingerichtet, dass die Piepmätze von Geburt an sehen, hören, laufen und fressen können. Küken auf dem Boden auszubrüten war in der Evolution die erste Aufzuchts strategie der Vögel. Bis heute machen es die Haushühner ganz genauso. Neben den Hühnern gehören auch die Enten zu den Nestflüchtern. Direkt nach der Geburt können sie schwimmen, denn die Mutter hat ihre Federn mit einem Drüsensekret eingeölt, so ist es wasserdicht. Genauso wie die Federn von Gänseküken. Leuchtend Gelb sind die Jungen von weißen Zuchtgänsen; Wildfarben gescheckt dagegen, die Küken von Wildgänsen, wie der Nilgans.

Alle Nestflüchterküken, auch die der Schwäne, sammeln vom ersten Tag an mehr Erfahrung über Futter, Lebensraum und Gefahren, als die zweite Gruppe:

Die so genannten „Nesthocker“ kommen in Sträuchern, Bäumen oder Höhlen zur Welt. Dazu gehören die meisten Vogelarten. Die Stubenhocker, wie die Meisen, sind zuerst nackt, blind und hilflos. Sie können eigentlich nur ihren Schnabel aufsperren: für die Eltern das Signal zur Futterübergabe. Täglich, wochenlang fressen Nesthocker manchmal soviel wie sie selbst wiegen. Auch die Störche. So holen sie die Nestflüchterküken in ihrer Entwicklung schnell ein.

Küken großer Vogelarten, wie Wanderfalken, brauchen etwa 4 Monate, bis sie flügge sind. Dann werden sie von ihren Eltern aber noch wochenlang zusätzlich versorgt, wie alle Nesthocker. Das bedeutet Stress, auch bei den Schleiereulen. Doch ob Nestflüchter- oder Nesthocker: Am Ende müssen sie alle aus dem Nest und sind stark genug, sich selbst durchzuschlagen. Das ist kein Kinderspiel, wenn man gerade erst ein paar Wochen alt ist!

Weitere Informationen zum Thema „Ostern, Eier, Küken und Nest“

Das Ei gehörte zu den ersten Nahrungsmitteln des Menschen. Es gilt als Symbol, das schon in grauer Vorzeit generell für Leben, Fruchtbarkeit und Hoffnung steht. Auch der Hase ist ein Fruchtbarkeitssymbol. Er wird häufig der griechischen Liebesgöttin Aphrodite, aber auch der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostara als heiliges Tier zugeordnet. Ob das kulturgeschichtliche Hintergrund für unseren
Osterhasen ist, bleibt ungeklärt. Sicher weiß niemand, warum der Hase mit dem Hühnerei verbunden wurde. Das Ei jedenfalls wird aus christlicher Sicht als Auferstehungssymbol gedeutet. Ostern fällt in die Zeit des aufbrechenden Lebens. Eier galten früher als „flüssiges Fleisch“ und dürften in der Fastenzeit nicht gegessen werden, deshalb war das Hartkochen eine Art Konservierung der anfallenden Eier. Erste Belege eines Hasen, der mit Eiern verbunden wird , reichen zurück bis weit ins 17. Jahrhundert. Wahrscheinlich ist die Verbindung Hase und Ei im Bereich Oberrhein, Elsass, Pfalz in evangelischen Haushalten entstanden. Schon früh wurden dort Hasen abgebildet, die Eier bemalen und sogar verstecken.

Während Hühner Bodenbrüter sind, bauen Krähen und Kolkraben große Nester aus kleinen Ästen, die gut geschützt Kolonien in den Gipfeln hoher Bäume liegen. Rabenvögel und nicht nur Elstern sammeln gerne kleine silbern glitzernde Gegenstände und schmücken damit ihr Nest.
Amseln sind Freibrüter. Das Weibchen baut ein Nest aus Zweigen auf einer stabilen Unterlage. Der Nistplatz liegt meist gut versteckt und von oben geschützt in dichten Hecken und niedrigen Gehölzen. Die Nester befinden sich ein bis zwei Meter über dem Erdboden. Das Amselweibchen kleidet die Nestmulde zuerst mit feuchter Erde, Schlamm oder Lehm aus. So entsteht eine harte Schicht, die mit Zweigen, Halmen und Moos gepolstert wird. 12 bis 19 Tage verbringen die Jungen im Nest und werden noch 2 bis 3 Wochen weiter gefüttert. Rebhühner bauen Bodennester und legen 10 bis 25 Eier. Die Jungen sind Nestflüchter und schon nach 5 Wochen selbstständig. Droht den Küken Gefahr, flattern sie in alle Richtungen davon, Die Alten ducken sich an den Boden. Turmfalken brüten bevorzugt in Spalten und Höhlen, an Felsen und hohen Gebäuden. Sie bauen keine Nester und polstern den Nistplatz kaum. Als Kulturfolger brüten sie gerne in Gebäudenischen, zum Beispiel an Kirchtürmen. Die Paare brüten bei hohem Nahrungsangebot oft relativ dicht beieinander. Nach einer Brutzeit von 26 bis 27 Tagen schlüpfen die Jungen. In den ersten Tagen bleibt das Weibchen im Nest und wärmt die Jungen. Danach sorgen beide Elternteile für die Jungen. Nach vier Wochen verlassen die Jungen den Nistplatz.

Das Zaunkönig-Männchen baut gleich mehrere Nester in seinem Brutrevier. Alte Nester werden wieder ausgebessert und erneut besetzt. Die Nester sind kugelförmig mit seitlichem Eingang („Backofennest“). Sie befinden sich in dichtem Buschwerk, an alten Gemäuern, Stallungen und unter altem Holz. Sind die Nester fertig, lockt das Männchen mit seinem Balzgesang ein Weibchen an. Dieses wählt dann eines der Nester als Brutnest aus. Die anderen Nester werden als Spielnester bezeichnet. Der Zaunkönig versucht möglichst viele Weibchen zur Paarung und zur Brut zu gewinnen. In einem guten Revier kann ein Männchen 10 Nester bauen und bis zu 5 Weibchen anlocken. Das Weibchen polstert das ausgewählte Nest und brütet allein. Es versorgt auch die Jungen in der Nestlingszeit etwa 15 bis 19 Tage lang weitgehend allein. Nach dem Ausfliegen übernimmt dann das Männchen die Betreuung und füttert die Jungen. Der Nachwuchs schläft oft noch lange gemeinsam in einem der Spielnester.

Der Hausrotschwanz ist ein Halbhöhlenbrüter. Die Nistplätze bleiben über Jahre gleich. Das Weibchen polstert die Nester, die meist in Felsspalten und Gebäudenischen gebaut werden, mit Halmen, Moos, Federn und Haaren. Kohlmeisen bauen napfförmige Nester in Baum- und Gebäudespalten. Locker gebaut, bestehen sie meist aus Halmen, Flechten und Moos. Ähnliche Baumaterialien nutzt auch der Buchfink.
Beim Vogelnachwuchs unterscheidet man die die meist blinden und nackten Nesthocker, die schon nach dem Schlupf gefiederten Nestflüchter, wie etwa Rebhühner, Enten und Kraniche und die ebenfalls schon am Anfang gefiederten Platzhocker.

Naturhistorisches Museum Mainz

Vogelausstellung mit zahlreichen Beispielen und Informationen über "Nester, Eier und Küken"

Reichsklarastraße 10
55116 Mainz

Tel:
06131-122580
E-Mail:
naturhistorisches.museum@stadt.mainz.de

Ansprechpartner: Biologe Dr. Carsten Renker

Letzte Änderung am: 10.03.2009, 11.34 Uhr

Sendezeiten

Dienstags, 18.10 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wiederholungen:
Sonntags, 5.00 Uhr
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Samstags, 18.15 Uhr
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