aus der Sendung vom Dienstag, 1.12.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Das Grasblümchen, keine Wiesenblume, sondern ein knackig fruchtiger Apfel. Nordhäuser Winterforelle, kein Fisch, sondern eine saftige Birne. Die Früchte haben nicht nur verrückte Namen, lecker sind sie auch. Schon vor Tausenden von Jahren schmeckte die Wild-Mispel den Kelten. An dieser Quitte labte sich Kaiser Konstantin, Goethe liebte die blauen Gänsfüßler und die Sämlings-Walnuss stibitzten wahrscheinlich schon immer die Eichhörnchen.
Er ist der Herr über alle diese historischen und seltenen Obstsorten - Herbert Ritthaler. In seiner Baumschule in Hütschenhausen bei Kaiserslautern verkauft der Gärtnermeister mehr als 380 neue, aber vor allem alte Obstsorten. Viele Sorten kennt man nicht mehr, denn sie sind selten geworden und existieren nur noch vereinzelt in Gärten. Für Supermarktregale eignen sie sich oft nicht und längst wären viele alte Obstsorten ausgestorben, wenn Herbert Ritthaler sich nicht um sie kümmern würde. Wie die typische Pfälzer Apfelsorte „Heimeldinger“, die es im ganzen Land nicht mehr gab.
Mit detektivischem Gespür sucht er mit seinen Freunden nach diesen alten Sorten. Manchmal finden sie nur eine Frucht. Oder Obstbauern bringen ihm ein paar Zweige, die reichen in der Regel schon aus, um die Sorte nachzuziehen. Aus einem Baum können so ganz viele Nachkommen gezogen werden. Auf eine robuste Basis pflanzt Herbert Ritthaler einen Zweig der seltenen Sorte auf, er veredelt sie. Im nächsten Frühjahr ist die Wunde bereits verheilt und der Baum treibt aus. Auf diese Art und Weise hat er schon eine ganze Menge Sorten vervielfältigt.
Längst hat die Baumschule sich Deutschland weit einen Namen gemacht. Mehr als achttausend Bäume werden jährlich verkauft. Neben vielen Sorten kann man auch noch zwischen drei verschiedenen Größen wählen. Etwa einem kleinen zwei bis drei Meter großen Buschbaum, der in einen Kübel passt für Balkon oder Terrasse. Oder einem Halbstamm, der bis zu acht Meter groß wird. Wer ganz viel Platz hat, kauft einen bis zu zwölf Meter hohen Baumriesen. Die Vielfalt ist für Herbert Ritthaler die einzige Möglichkeit, die Artenvielfalt zu erhalten. Der Kunde hilft ihm bei der Verbreitung seiner historischen Sorten. Jetzt ist die richtige Zeit, um die Bäume zu pflanzen. Im Winter haben sie Zeit, ihre Wurzeln auszubreiten und so gestärkt ins Frühjahr zu gehen.
Weitere Informationen:
Baumschule Ritthaler
Dietschweilerstraße 20
66882 Hütschenhausen
Tel: 06372/5880
Fax:61564
Literaturtipp:
Farbatlas alter Obstsorten
Walter Hartmann
Ulmer Verlag, 19,90 Euro
Letzte Änderung am: 02.12.2008, 13.04 Uhr