aus der Sendung vom Dienstag, 10.11.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Ohren wie ein Hase, Schweinerüssel und Känguruschwanz. Er hat von allem etwas. Deshalb hat Zoologe Thomas Wilms Erdferkel Elvis zum Lieblingstier erkoren. Schließlich hat sein Job als Säugetierkurator im Frankfurter Zoo auch von allem etwas. Wilms Auftrag: möglichst artgerechte Gehege auf nur 13 Hektar mitten in der Bankenmetropole. Das ist Sisyphusarbeit, denn der Nachholbedarf ist groß. Investitionen wurden lange aufgeschoben. Den Robben geht es inzwischen besser, doch die Bären fristen immer noch ihr unwürdiges Dasein in der Betonkulisse aus den Siebzigern. Der Kurator will das ändern. Das neue Bärengehege wird seine große Bewährungsprobe.
Mitarbeiterführung, Ausschreibungen für Zäune und immer wieder Absprachen mit anderen Tiergärten. Da bleibt für den 38-jährigen selten Zeit um in Erinnerungen zu schwelgen. Thomas Wilms wächst in Ludwigshafen auf. Schon als kleiner Junge liebt er Tiere, hält Meerschweinchen und Kaninchen. Nach dem Abitur studiert er Biologie in Kaiserslautern. Wissenschaftliche Reisen führen Wilms nach Nordafrika und in die Staaten am Golf. Er erforscht arabische Oryx-Antilopen, beobachtet Wüstenhasen und gräbt nach Dornschwanzagamen. Diese Reptilien haben ihn nach seiner Diplomarbeit auch als Zoologe im „Reptilium Landau“ nicht losgelassen.
Sein morgendlicher Zoo-Rundgang: In der Futterküche herrscht Hochbetrieb. Echynops sind tropische Igel aus Madagaskar. Ihr Nachwuchs wird nach Holland gehen. Und das ist Oskar, ein junges Zweifingerfaultier, das viel Pflege braucht und dem Kurator immer mal wieder Sorgen macht. Die Zoobesucher sollen erfahren, wie bedroht viele Arten sind. Darauf legt der Säugetier-Kurator aus der Pfalz wert. Wie sein Chef, der neue Zoodirektor Prof. Manfred Niekisch, unterstützt auch Thomas Wilms das neue Image als Artenschutzzoo. Bildungsarbeit und Naturschutz sollen besser vernetzt werden. Die Besucher sollen beispielsweise mehr über die Auswilderung der Löwenkopfäffchen in Brasilien erfahren.
Viele seiner Ideen kann der neue Säugetierkurator aus der Pfalz erst verwirklichen, wenn die Arbeiten am Vorzeigeprojekt des Frankfurter Zoos beendet sind. Hinter dem Tigergehege wird mit Hochdruck an der Außenanlage des „Borgori-Waldes“ gebaut. Auf 5000 Quadratmeter-Fläche sollen ab Frühjahr Gorillas, Orang-Utans und Bonobos klettern. Jeder Baum muss genau geplant werden, damit die Affen nicht ausbüxen. 10 Meter hoch sollen die Affen klettern können. Der neue „Borgori-Wald“ ist ein Wegweiser in die Zukunft des Frankfurter Zoos.
Insgesamt leben im Frankfurter Zoo 4800 Tiere. Rund 560 Arten müssen versorgt werden. Die Haltung von Elefantenhaltung wurde eingestellt. Der Zoo ist ein Zuschussbetrieb ohne Möglichkeit zur Ausdehnung. Die Stadt Frankfurt gibt jedes Jahr einen Millionenbetrag dazu. Es fehlen günstige Besucherparkplätze, es gibt Gehegemängel, die beseitigt werden müssen und Verbesserungsbedarf beim Gastronomieangebot des Zoos. Dennoch: Mit dem neuen Affenhaus „Borgori-Wald“ ist der Frankfurter Zoo auf dem richtigen Weg.
Der neue Säugetierkurator im Team von Zoodirektor Prof. Manfred Niekisch war zuvor Zoologischer Leiter des Reptiliums in Landau. Schon in Landau war der 38-Jährige für 15 Mitarbeiter und 50 Terrarien mit über 600 Amphibien und Reptilien zuständig . Thomas Wilms ist Fachmann für Dornschwanzagamen. Von dieser Art sind rund 360 Arten bekannt. Viele sind bedroht und streng geschützt. Der Biologe hat nicht nur in den Golfstaaten geforscht. Für das Museum König in Bonn war er auch in der Sahara unterwegs. 1998 schrieb Wilms seine Diplomarbeit über Dornschwanzagamen - heute ein Standartwerk. Sogar eine neue Unterart aus dem Jemen entdeckte er, ausgestopft in einem Museum in Saudi-Arabien. Der Klimawandel können sie in ihren Lebensräumen gefährden. Zuhause in Bad Dürkheim hält der neue Kurator Schlangen und Reptilien. Außerdem hat er sich als Mitarbeiter des Naturkundemuseums Karlsruhe mit der Ausbreitung der inzwischen zahlreichen eingeschleppten Ochsenfrösche rund um Karlsruhe und Germersheim beschäftigt.
Das Affenhaus „Borgori-Wald“ – Highlight im Frankfurter Zoo
Die Investitionssumme beträgt über 14 Millionen Euro, ab dem Frühjahr stehen den Menschenaffen im Frankfurter Zoo auch rund 5000 Quadratmeter Außengehege zur Verfügung. Nach dem Tod von Silberrücken „Matze“ soll jetzt der 10jährige Viatu aus Basel den Gorilla-Harem übernehmen. In diesem Jahr feierte der Frankfurter Zoo sein 150-jähriges Jubiläum. Der Frankfurter Zoo ist einer von 50 Zoos im Deutschen Zooverband.
Weltweit gibt es rund 10.000 Vogelarten, etwa 4300 Säugetierarten und rund 6300 Amphibienarten. Nur ein Bruchteil kann in Zoologischen Gärten gehalten werden. Die weltweit besonders zahlreichen Marder-, Fledermaus- und Flughundarten fehlen in den Zoos fast vollständig. Die Gesamtzahl der Arten auf unserem Planeten schwankt zwischen 1,5 Millionen (Standartzahl) und 50 Millionen Spezies. Damit wird deutlich: Zoos können nicht die Funktion einer „Arche Noah“ übernehmen Vorbild für die Idee des „Frankfurter Artenschutzzoo“ sind einzelne US-Zoos. Manche unterhalten bis zu 100 Projekte zum Schutz und zur Erforschung der wildlebenden Artgenossen ihrer Zootiere. Das Bundesamt für Naturschutz in Bonn fordert auch mehr Engagement deutscher Zoos in den Herkunftsländern der Tiere. Prof. Niekisch, der neue Direktor im Frankfurter Zoo, will deshalb auch die Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt stärken. Die ZGF betreut 70 Projekte in rund 30 Ländern. Bei der Bildungsarbeit im Zoo soll stärker auf die Bedrohung er Tiere in ihren Herkunftsregionen hingewiesen werden. Geglückte Auswilderungsprojekte gibt es beispielsweise bei Löwenäffchen und Bartgeiern.
Zoologischer Garten Frankfurt
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt
Tel: Allg. Auskünfte: 069-21233735 oder Kartenbestellungen: 069-21234434
Öffnungszeiten: Winter 9.00 – 17.00 Uhr. Sommer 9.00 - 19.00 Uhr.
Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.v.
Alfred-Brehm-Platz 16
60316 Frankfurt
Tel.: 069-9434460
„Reptilium Landau“
Werner-Heisenberg-Strasse 1
76829 Landau
Tel: 06341-5100-0
Fax: 06341-510012
Öffnungszeiten: 10.00 - 18.00 Uhr
Letzte Änderung am: 03.11.2008, 11.13 Uhr