aus der Sendung vom Dienstag, 10.11.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Seit dieser Woche wird hier in Waldalgesheim bei Bingen sauberer Strom produziert, nicht auf Dächern, sondern mitten auf einem Feld. 2,5 Megawatt Leistung: Das reicht für rund 700 Haushalte. Auf dem 10 Hektar großen Gelände wurde früher Weizen angebaut. Jetzt überziehen Solarmodule das Ackerland. Möglich wurde dieses Projekt erst, als auch ein Landwirt Strom statt Weizen produzieren wollte. Nimmt man ernst, was die Politik fordert, nämlich den massiven Ausbau der erneuerbare Energien, dann ist dieser Solarpark ein Vorzeigeprojekt. Flächenbesitzer, Kommune und Betreiber haben beispielhaft zusammengearbeitet.
Nicht überall werden Freiflächen-Solarparks so problemlos realisiert. In Föhren bei Trier z.B. liefen Bürger Sturm gegen einen Energiepark, der 2400 Haushalte mit Strom versorgen soll. Naturschützer bangen um Biotope, Anwohner um ihr Naherholungsgebiet. Und viele Bauern sehen nicht ein, dass gutes Ackerland herhalten soll.
Doch das ist oft bestens geeignet für große Energieparks. Und die braucht man als wichtigen Baustein - um die Energiewende wirklich zu packen. Dass aber die Bauern als sogenannte Energiewirte ihre Felder bestellen, scheint dem Bauernverband nicht immer zu passen, trotz aller Ernteüberschüsse.
Auch einige militärische Konversionsflächen wie hier in Sembach wurden bereits zu Energieparks umgewandelt. Und auch immer mehr Dachflächen, wie bei dieser Mainzer Spedition, werden mit Photovoltaik-Anlagen bestückt. Doch das alles reicht eben nicht aus. Und dass durch Freiflächenanlagen wertvoller Boden versiegelt werde, ist auch falsch. Denn nur ein Prozent der Fläche geht verloren. Der Rest wird sogar ökologisch aufgewertet. Und die Pflege besorgen Vierbeiner.
Das alles macht Sinn, denkt auch der zur Opel-Familie gehörende Landwirt Peter Rodde in Ingelheim. Deshalb will er auf 120 Hektar Ackerfläche einen gigantischen Solarpark bauen, der Strom für rund 40 Tausend Menschen liefern könnte. Es wäre einer der größten weltweit. Das Gelände auf dem Westerberg ist bestens geeignet. Eine große Fläche in der Hand einer Familie, kaum einsehbar und unter Naturschutzaspekten unbedenklich. Doch die zuständige Genehmigungsbehörde ist skeptisch. Das stößt bei den Visionären in Ingelheim auf Unverständnis. Behörden und Politik müssten beim Thema Energiewende endlich die gleichen Ziele verfolgen. Wenn wir den Traum von 100 Prozent sauberem Strom verwirklichen wollen, dann werden wir uns an solche Solarparks in unserer Landschaft gewöhnen müssen.
Der Solarpark bei Wörrstadt
Dort werden rund 80.000 moderne Dünnschicht-Module mit einer Gesamtfläche von 55.000 qm Strom erzeugen. Wörrstadt besitzt damit eines der größten Photovoltaik-Kraftwerk im Südwesten Deutschlands. Der Park nimmt etwa 15 Hektar Freifläche auf einer ehemaliger Ackerfläche ein. Das sind rund 20 Fußballfelder. Zwischen den Freiflächen soll sich die Natur ohne Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden erholen können. Später sollen Schafe die Landschaftspflege übernehmen. Die geplante jährliche Stromproduktion beträgt 5,6 Millionen KWh. Das entspricht dem Jahresbedarf von weit über 1500 Haushalten. Die CO2 Einsparung wird über 3500 Tonnen betragen – bei 5000 Kilowatt Leistung. Die Einspeisung erfolgt ins Stromnetz des Energieversorgers EWR.
Bis 2012 will der Betreiber, die Firma juwi, im In- und Ausland viele weitere Photovoltaikanlagen errichten. Juwi ist ein stark wachsendes Unternehmen aus Wörrstadt mit einem angepeilten Jahresumsatz von weltweit 400 Mio. Euro für 2008 und 350 Mitarbeiter. Derzeit betreibt die Firma über 300 Windkraftanlagen mit fast 500 MW Leistung und rund 750 kleinere und größere Photovoltaikanlagen. Dazu gehören Freiflächenparks wie in Wörrstadt aber auch sehr viele Anlagen auf Hallendächern. Im Januar ging bei Mehring eine ähnlich große juwi-Anlage mit rund 50.000 Module Solarmodulen in Betrieb. Im Vergleich dazu unglaubliche 150 Megawatt Leistung soll allerdings in Zukunft das Solarkraftwerk Andasol in Spanien liefern, wenn in einigen Jahren alle drei Ausbaustufen fertig sind.
In ganz in Deutschland stammen bislang nur rund 15 Prozent des Stroms aus regenerativen Energien. Laut einer Studie des Unternehmens könnte Rheinland-Pfalz bis 2030 mit einen Energiemix aus 100 Prozent regenerativ erzeugtem Strom versorgt werden. Noch ist das Land darauf angewiesen, rund 70 Prozent seines Strombedarfs zu importieren. Der Strombedarf in Rheinland-Pfalz beträgt rund 22 Tetrawattstunden. Um einen zu 100 Prozent regenerativen Energiemix im Land zu erreichen, müssten, laut juwi, 18, 2 Prozent des Strombedarfs mit Solarflächen und 40,9 Prozent mit Windkraftanlagen hergestellt werden.
2012 trauen Wirtschaftsexperten der Solarbranche in Deutschland einen Umsatz 8 Milliarden Euro zu. 2006 waren es 4,9 Milliarden Euro Umsatz. Neben juwi in Wörrstadt errichtet auch die Firma City Solar in Bad Kreuznach Solarparks auf Freiflächen. Schott Solar in Mainz ist führend bei der Produktion von so genannten Receivern für solarthermische Kraftwerke. Die wertevollen Bauteile werden weltweit beim Kraftwerksbau eingesetzt.
Letzte Änderung am: 03.11.2008, 11.13 Uhr