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Fernsehen im SWR

Supernasen auf vier Beinen Spürhunde als Nothelfer

Sendung vom Dienstag, 10.11.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Hier irgendwo unter dem Hofpflaster könnte es sein, das Leck im Trinkwassersystem. Arnold Renkel, Techniker beim Südwestrundfunk, muss etwas tun. Seine Vermutung die Leitung für das Feuerlöschwasser ist undicht.
Gewaltige Mengen verschwinden spurlos, die Wasseruhr im Keller dreht sich immer schneller – die Kosten gehen in die Tausende, letzte Hoffnung: Kimbas Nase. Deutschlands einziger Leckortungshund soll es richten, ein Spezialist für Rohrbrüche im Boden, hinter Putz und Kacheln.


Eine Wasserprobe aus der Feuerlöschleitung und Kimba beginnt zu suchen. Risse, Pflasterfugen und Schächte: Der Schweizer Schäferhund riecht, was darunter ist, unterscheidet Geruchsmoleküle. Nur wenige Minuten vergehen und Kimba grenzt diese Stelle direkt am Fundament des SWR-Funkhauses ein. Arnold Renkel ist begeistert. Ein Minibagger bringt Klarheit. Tief im Boden und einbetoniert liegt dieses Versorgungsrohr: Als es frei gestemmt ist, wird klar: Hier ist das Leck. Hier verschwindet das Trinkwasser im Erdreich. Kimba hatte Recht. Hunde sind wahre Supernasen, doch nur Kimba hat gelernt Wasser von Wasser zu unterscheiden und Rohrbrüche anzuzeigen.


Unser Gesprächspartner zum Thema Spürhunde ist Dieter Keller ist, Zollhundelehrwart beim Hauptzollamt Frankfurt Flughafen. In seinem Lehrbezirk sind 36 Spürhunde im Einsatz, davon 32 am Flughafen. Bislang arbeiten in erster Linie Drogen- und Sprengstoffspürhunde am Flughafen, jetzt auch Artenschutz-Spürhunde. Geplant sind auch Bargeldspürhunde. Auch auf dem Flughafen Hahn hat er den Dienst mit den Hunden aufgebaut. Die Polizei hat auch Brandmittelspürhunde im Einsatz. Beim THW und bei der Bergwacht suchen Spürhunde nach Verschütteten.


Die dreijährigen Artenschutz-Spürhunde Uno, ein Labrador und Amy, eine Schäferhündin, sind erst seit dem Anfang August soweit ausgebildet, dass man sie einsetzen kann. Es sind die ersten in Deutschland. Die Hunde müssen jetzt Erfahrung sammeln. Sie lernen dabei immer mehr unterschiedliche Gerüche von Tieren und Pflanzen anzuzeigen. Bislang haben Amy und Uno Elfenbein, Schildkröteneier und viel geschmuggelten Kaviar entdeckt. Der WWF hatte den Einsatz von Artenschutz-Spürhunden am Flughafen seit vielen Jahren gefordert. Die Ausbildung eines Hundes kostet ca. 25000 Euro. Das passiert an der Zollhundeschule in Bayern, eine von zwei Spürhundschulen des deutschen Zolls. Nach etwa 15 Minuten Suche zwischen den Koffern müssen sich die Hunde ausruhen. Auch ohne die Artenschutz-Spürhunde wurden 2007 am Frankfurter Flughafen 112 Tausend Tier- und Pflanzenexemplare bzw. Teile von ihnen entdeckt, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen. Darunter waren 5600 lebende Tiere.


Wunderwerk Hundenase
Auch Leckortungshund Kimba sucht über spezifische Geruchsmoleküle, die nur Hunde unterscheiden können. Sein mögliches Einsatzfeld ist groß, denn Hunderttausende von Abwasser- und Wasserrohren aus den Sechzigern und Siebzigern werden jetzt brüchig. Kimba war bereits als jungen Hund in der Lage Brunnenwasser aus verschiedenen Quellen, Bachwasser und Leitungswasser zu unterscheiden. Bei kleineren Lecks wie etwa in einem Badezimmer hinter Kacheln werden dem Wasser bestimmte Geruchmoleküle zugesetzt, die Kimba dann gezielt sucht. Bei größeren Lecks - wie am Landesfunkhaus des Südwestrundfunk in Mainz - ist das nicht nötig.

Hunde verfügen über rund 200 Millionen Riechzellen, Schäferhunde sogar über rund 220 Millionen Riechzellen. Damit haben Hunde mehr als 40 Mal mehr Riechzellen als wir. Inzwischen wird nicht einmal mehr ausgeschlossen, dass Hunde beim Menschen Krankheiten riechen können. Besonders auf Tumorzellen scheinen Hunde anzusprechen. Es wird davon ausgegangen, dass Spürhunde rund Hunderttausend mal besser riechen als wir. Interessant ist auch ihre Schnüffeltechnik. Hunde müssen einen Schwellenwert an Geruchsmolekülen aufnehmen und atmen deshalb beim Schnüffeln 300-500 mal pro Minute ein. Die feuchte kalte Hundenase dient zur Reinigung, Erwärmung, Befeuchtung und Filterung der Atemluft. So werden die Geruchsmoleküle der Riechschleimhaut zugeführt. Sie ist das wichtigste Sinnesorgan des Hundes. Hunde mit kurzen Schnauzen riechen in der Regel etwas schlechter. Lange Schnauzen gelten als leistungsfähiger. Von der Riechschleimhaut führt der Riechnerv direkt in das so genannte Riechzentrum im Gehirn. Dieser Bereich nimmt im Hundegehirn besonders viel Platz ein.

Letzte Änderung am: 03.11.2008, 11.13 Uhr

Sendezeiten

Dienstags, 18.10 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wiederholungen:
Sonntags, 5.00 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Samstags, 18.15 Uhr
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