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Weiß ist nicht gleich weiß! Weiße Tiere

Sendung vom Dienstag, 16.1.2007 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Strahlend weiß soll es gewesen sein, das Reh, welches Spaziergänger vor wenigen Tagen im Westerwald entdeckt haben wollen. So wie das Reh, welches Ende Oktober im sächsischen Oberlungwitz für Schlagzeilen sorgte. Wochenlang geisterte es durch die Presse. Soll es geschossen werden oder darf es leben, fragten die Gazetten. Prominente boten sogar Patenschaften an.

Aufsehen erregten weiße Tiere schon immer. Sie waren Symbol für das Gute und Göttliche. Den heiligen Geist kennen wir als weiße Taube, Jesus Christus als weißes Unschuldslamm. Auch viele weiße Tiere, wie diese Kühe in Indien, gelten auch heutzutage noch als heilig. Weiße Tiere sind etwas Besonderes und viele von Ihnen sind berühmt geworden. Jeder kennt die Geschichte von Kapitän Ahab und seinen tödlichen Kampf mit dem weißen Wal Moby Dick. Auch das berühmteste Fabelwesen, das Einhorn war schneeweiß.
Meistens halten wir weiße Tiere für Albinos. Aber das ist gar nicht immer so. Albinos sind Tiere, die aufgrund eines Gendefekts nicht nur weiß sind, sondern auch rote Augen haben. Bei den meisten Arten kommt nur fast jedes Zehntausendste als Albino zur Welt, wie zum Beispiel der Albino Gorilla "Schneeflöckchen".

Oder auch der einzige bekannte Albino-Alligator in ganz Europa, im Elbepark bei Dresden. Gerade wegen ihre Defizite:
lichtempfindliche Augen und eine sensible weiße Haut, züchten wir Albino-Mäuse millionenfach als ideale Versuchstiere.

Auch ohne Albino zu sein, eher als Laune der Natur, können weiße Tiere vorkommen, manchmal sogar häufiger als das berühmte schwarze Schaf. Das weiße Fell oder Gefieder ist ganz einfach eine Fehlfarbe, die der Mensch oft auch durch Zucht vermehrt hat. Aber nicht jedes weiße Tier ist auch gewollt. Bei Boxern zum Beispiel bedeutet weißes Fell auch heute noch für fast jeden zweiten Boxer das Todesurteil.
Allerdings kann die weiße Farbe auch eine zusätzliche Überlebenschance sein. Tiere wie etwa die Schneeeule oder der Schneehase haben sich im Laufe der Evolution angepasst und können sich besser tarnen. Fast alle arktischen Tiere sind deshalb weiß. Noch cleverer macht es bei uns ein Tier in Rheinland-Pfalz, das Hermelin. Es wechselt mit Hilfe von Hormonen je nach Jahreszeit die Fellfarbe. Doch Pech für das Hermelin, wenn sich wie in diesem warmen Winter die Umgebung nicht dem kleinen Marder anpasst.

Damwildhirsch Heino ist kein Albino. Seine Art zeigt, so sagen Fachleute, unterschiedlichste Fellfarben. Weiß tritt jedoch sehr selten auf. Heino ist der Chef im Damwild-Rudel des Hochwildparks Rheinland in Kommern bei Mechernich (NRW). Wäre Damwildhirsch "Heino" ein Albino, hätte er rote Augen und einen rosa Nasenschwamm. Die weiße Fellfarbe ist in seinem Fall eine eigenständige Farbvariante. Solche Farbvarianten treten bei nahezu allen Tierarten in rezessiver Vererbung auf. Wissenschaftlich nennt man sie Leuzine.
Interessant ist auch das weiße Rotwildrudel, dass in einem Tierpark bei Bad Segeberg lebt. Beim Rotwild ist die weiße Fellvariante noch weit seltener als beim Damwild und wurde mühevoll durch den Züchter selektiert.
Auch die berühmten Tiger von Siegfried und Roy sind keine Albinos, sondern seltene weiße Fellvarianten.

Forscher haben festgestellt, dass die echten Albinos - mit dem Gendefekt Albinismus - in der Natur inzwischen offenbar häufiger vorkommen. Gerade, wenn sie in der Nähe menschlicher Siedlungen leben.
Das könnte zum einen an den guten Ernährungsmöglichkeiten und einem gewissen Schutz vor Fressfeinden liegen. In der Regel ist die Überlebenschance für Albinos in der freien Natur eher gering.

Unser Gesprächspartner der Wildbiologe Dr. Michael Petrak gilt als ausgewiesener Fachmann für Hirsch- und Rehwild. Außerdem schult er als Leiter der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung in Bonn Jagdaufseher, Wildschadensschätzer, Forstleute und Berufsjäger. Er betreut Projekte im Bereich moderne Reviergestaltung, Hege und Bejagung.
Weiße Albino-Rehe wie im Westerwald bei Montabaur oder im sächsischen Oberlungwitz stellen trotz Gendefekt für ihn keine Gefahr für eine gesunde Rehpopulation dar. Abschießen sei unsinnig. Allerdings
sei das Überleben eines derart auffälligen Tieres ohnehin schwierig, da das Rudel oft Abstand von dem
weißen Tier nimmt.

Jagdreviergestaltung

Kurzinfo

Titel der Reihe:
Jagdreviergestaltung Wildlebensräume planen, entwickeln, erhalten
Veröffentlichung:
März 2006
Bestellnummer:
ISBN: 3440079511

Letzte Änderung am: 08.01.2008, 00.00 Uhr

Sendezeiten

Dienstags, 18.10 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wiederholungen:
Sonntags, 5.00 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Samstags, 18.15 Uhr
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