Sendung vom Dienstag, 11.9.2007 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Ein Glück auch, weil an der Our, einem Grenzfluss zwischen Rheinland-Pfalz und Luxemburg, Bisamratten 400 von 1000 Muscheln einfach weggefressen haben, so das nur noch die Schalen übrig blieben. Der Bestand an der Our ist deshalb nach wie vor gefährdet. Vor diesem Hintergrund kommt der Fund in der Nister gerade zur rechten Zeit.
Betreut werden die Muscheln von Dr. Karl-Otto Nagel, einem Biologen. Er will das Überleben der Art im Westerwald sichern. Das könnte ihm gelingen, denn die Flussperlmuscheln haben Millionen von sogenannten Glochidien ausgestoßen. Das sind Larven, die Nagel dringend braucht, um die winzige Population an der Nister zu retten.

Um sich wirklich fortpflanzen zu können, brauchen die Larven Wirtsfische wie die Bachforelle und den Lachs. In deren Kiemen setzen sie sich für ein Jahr fest. Danach fallen sie ab und bohren sich in den Bachboden der Nister, um dort weiter heranzuwachsen.
Durch diesen Fund wird die Nister als Gewässer aufgewertet. Er zeigt, dass das Bachforellen - und das Lachsprogramm des Landes Rheinland-Pfalz sich wirklich gelohnt hat und die Investitionen nicht umsonst waren: das Gewässer hat sich so gut erholt, dass nicht nur der Lachs hier leben kann, sondern auch so ein sensibler Indikator für Gewässergüte wie die Flussperlmuschel.

Wer im Gewässer eine Muschel findet, sollte sich den Standort merken und ihn den Behörden melden, denn jede dieser vom Aussterben bedrohten Muscheln zählt. Perlen zu finden ist unwahrscheinlich, denn sie kommen, wenn überhaupt, alle zweitausendste Muschel mal vor und hier gibt es nur 26. Es braucht viele Jahre bis eine Perle entsteht.
Flussperlen waren schon immer eine Seltenheit, denn nach dem sogenannten Perlregal durften nur ausgewiesene Perlfischer die Perlen ernten. Und sie mussten alle an die weltlichen und geistlichen Fürsten abgegeben werden. Auf Perlräuberei standen drakonische Strafen. Es konnte einem dafür die Hand abgehakt werden!

Nach dem Einmarsch der Franzosen 1794 erlosch das Perlregal, und damit begann der Raubbau an den Flussperlmuscheln. Dennoch konnten die Tiere die Verluste ausgleichen. Vom Aussterben bedroht sind sie aber erst durch die Umweltzerstörung des 20. Jahrhunderts, als das Bett und die Ufer der meisten Bäche zerstört wurden und damit ihr Lebensraum. Für die Nister gibt es jetzt neue Hoffnung.
Ansprechpartner: Jörg Schneider
Frankfurt am Main
Letzte Änderung am: 11.09.2007, 00.00 Uhr