Sendung vom Dienstag, 22.5.2007 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Die Natur erhalten und dabei verdienen - das ist das Ziel verantwortungsbewusster Anleger. Anleger wie Wolfgang Weigelt. Bei ihm kommt nur Bio auf Tisch - aus dem Ökomarkt Kräuterhexl in Landau. Die Inhaber eröffnen bald einen neuen Laden. Dort wird Wolfgang Weigelt nicht nur Kunde, sondern auch Anteilseigner sein. Jürgen Lang ist einer der Geschäftsführer des Kräuterhexls und der neuen Biomarkt GmbH. Ab 2000 Euro gibt er Genusscheine heraus und garantiert seinen Investoren drei Prozent Zinsen pro Jahr. Ist der neue Laden erfolgreich, bekommen die Anteilseigner einen Bonus obendrauf.
So eine Investition nennt sich "Direktbeteiligung". Eine Direktbeteiligung ist auch in Bad Kreuznach geplant - Bürger sollen hier Anteile am Solarpark der Firma City Solar erwerben können. Der Vorteil der Direktbeteiligung: Die Geldanlage ist persönlicher. Ihr Nachteil: Die Anlage ist unter Umständen riskant. Macht der neue Supermarkt pleite, ist das angelegte Geld weg. Und: Die Anteile können nicht jederzeit verkauft werden, zum Beispiel an der Börse.

Eine weitere Form, in ökologisch ausgerichtete Unternehmen zu investieren, sind Aktien: Mit Aktien können sich Anleger zum Beispiel an Solarunternehmen beteiligen. Ihr Geschäft boomte in den letzten Jahren. Seit 2000 stieg der Anteil der Solarenergie an der gesamten Stromversorgung um das Zwölffache. Auch Aktien von Windkraftunternehmen erzielten satte Gewinne.
Diese Nachrichten machen grüne Anlagen attraktiv: Allein 2006 hat sich die Nachfrage verfünffacht. Ein weiterer Auslöser ist die Diskussion um die Folgen des Klimawandels. Über 4000 Firmen weltweit berücksichtigen mittlerweile ethisch-ökologische Aspekte und - verdienen daran.

Zum Beispiel die Unternehmen des Dow Jones Nachhaltigkeitsindexes. Sein Wert stieg in den letzten fünf Jahren um fast 8 Prozent. Zu den Firmen gehören überraschenderweise Daimler-Chrysler und RWE. Sie produzieren zwar ökologischer als andere in ihrer Branche, aber ihre Produkte sind nicht gerade umweltfreundlich. RWE zum Beispiel setzt zum Teil auf Atomkraft und will neue Braunkohlekraftwerke bauen.
Konsequenter ist die Auswahl der Unternehmen, die im NAI, dem Naturaktienindex gelistet sind. Sie müssen strenge ökologische Kriterien erfüllen: So dürfen die deutsche Solarworld AG oder der Halbleiterhersteller Aixtron nur Produkte anbieten, die helfen, ökologische und soziale Probleme zu lösen. Dagegen sind Unternehmen, die Atomenergie oder Rüstungsprodukte herstellen für den NAI tabu. Die konsequente Haltung rechnet sich: In den vergangenen drei Jahren stieg der deutschen Aktienindex DAX um rund 200 Prozent - der NAI legte dagegen noch 50 Prozent obendrauf.

In manchen "grünen" Branchen könnte in Zukunft aber weniger verdient werden. Deshalb sollten Anleger ihr Risiko streuen. Fonds sind eine Möglichkeit:
Zum Beispiel der Fonds "Green effects". Seine Anteile werden nur in Firmen des Naturaktienindexes investiert. "Green effects" gilt als die konsequenteste Form der ökologischen Anlage - mit einem Zuwachs von 5,3 Prozent pro Jahr. Analysten kritisieren am Green effects, dass das Fondsvermögen nicht breit genug angelegt sei. Sie empfehlen eher den auch kapitalstärkeren Fonds ÖkoVision. Er ist in den letzten 5 Jahren um 50 Prozent gewachsen.
Der Weltaktienindex - der MSCI World - hat dagegen im Vergleich ein Plus von nur rund 20 Prozent erzielt. Ob Fonds, Aktie oder Genussschein - Grüne Anlagen sind nichts für das schnelle Geld. Sie brauchen Zeit, um zu wachsen, damit sich die Investition für alle auszahlt.
Sustainable Business Institute at the European Business School e.V.
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Letzte Änderung am: 12.09.2008, 13.43 Uhr