Sendung vom Dienstag, 22.5.2007 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Täglich sterben Tiere einen sinnlosen Tod - für die Ausbildung von Medizinstudenten an deutschen Universitäten. Ratten werden zum Beispiel aufgeschnitten, damit die Studenten erleben, was ohnehin in jedem Lehrbuch steht: wie die Organe liegen oder wie Muskeln und Nerven funktionieren. Die Studenten von der Tierschutz-AG der Uni Mainz wollen das nicht länger hinnehmen - seit Jahren kämpfen sie gegen sinnlosen "Tierverbrauch" im Studium - jetzt mit einem ersten Erfolg.

Ab nächstem Jahr werden hier fürs Medizinstudium keine Ratten mehr sterben. Die Uni-Leitung ließ sich auch von der Tatsache überzeugen, dass bisher Medizin-Studenten bei der Rattenpräparation sogar fehlen durften, ohne dadurch Nachteile im Studium zu erleiden. Die Abschaffung eines einzigen Versuchs ist nach Ansicht der Tierschützer der Uni Mainz allerdings zu wenig. Sie wollen im Studium ganz auf den sogenannten "Tierverbrauch" verzichten und zeigen Alternativen: Computersimulationen, Lehrfilme, Plastinate.

Dass studieren ohne Tierverbrauch möglich ist, zeigt die Uni Marburg schon seit Mitte der 90er Jahre. Hier werden keine Frösche mehr getötet - stattdessen lernen die Studenten die unterschiedlichen Nerv-Reaktionen mit Hilfe von McFrog - einem interaktiven, auf Lehrfilmen basierendem Computer-Programm. Das macht nicht nur den Tod tausender Frösche überflüssig, sondern fördert auch das selbstständige Experimentieren. Das Beispiel machte Schule: inzwischen können Mediziner an rund der Hälfte aller deutschen Hochschulen tierverbrauchsfrei studieren.

Warum die andere Hälfte noch am Tierverbrauch festhält, lässt sich einerseits der Macht der Gewohnheit erklären. Dr. Corina Gericke vom Verband Ärzte gegen Tierversuche vermutet zum anderen, dies geschehe absichtlich, um die Studenten früh an Tierversuche zu gewöhnen, sie gewissermaßen abzustumpfen, Teil eines Systems werden zu lassen, in dem jährlich Tausende von Tieren sinnlos ihr Leben lassen müssen.
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Letzte Änderung am: 12.09.2008, 13.43 Uhr