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Regenwälder sind die artenreichsten Lebensräume unseres Planeten. Und sie speichern klimawirksames Treibhausgas. Doch die Tropenwälder werden vernichtet: Rund zehn Millionen Hektar waren es allein von Herbst 2009 bis Herbst 2010. Die Konsequenzen sind langfristig dramatisch.

Der erste Besuch im Regenwald ist oft eine Enttäuschung. Das soll ein wertvoller Lebensraum sein? Überall nur grün. Auf den ersten Blick wirken viele Tropenwälder tatsächlich langweilig. Bäume, Bäume, Bäume. Eine grüne Hölle. Oft erreicht nur wenig Licht den kargen Boden. Dutzende Meter hohe, dicht belaubte Bäume versperren den Blick zum Himmel. Nur ab und an ist ein Vogelschrei zu hören, oder ein Insekt fliegt brummend vorbei. Dennoch: In den Regenwäldern verbirgt sich die größte Artenvielfalt des Planeten. Die Zahl der einzelnen Tiere ist zwar nicht so groß, sie verteilen sich auch auf eine große Fläche. Doch die Zahl der Arten ist enorm, kaum ein Tier gleicht im Regenwald dem anderen.
Die genauen Artenzahlen an Tieren und Pflanzen in den Regenwäldern sind bis heute nicht bekannt. Wissenschaftliche Schätzungen gehen von bis zu 30 Millionen Tierarten und 100.000 verschiedenen Pflanzen aus.
Fest steht: Es sind unglaublich viele Arten. Kleine und große Tiere, bizarre Käfer und scheue Gorillas, giftige Schlangen wie unscheinbare Würmer. Alle sind sie für die Evolution des Lebens wichtig. Denn je weniger Arten es gibt, umso heftiger können sich wechselnde Umweltbedingungen auf eine Lebensgemeinschaft auswirken. Erst die Artenvielfalt ermöglicht eine rasche Anpassung an sich verändernde Lebensumstände. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist das Verschwinden der Vielfalt problematisch. Wir zerstören damit die genetischen Schatzkammern des Planeten. Denn die hohe Biodiversität der Regenwälder ist ein wertvolles Gut, das es zu erhalten gilt. Auch, weil viele unserer Nahrungs- und Arzneipflanzen aus den Regenwäldern stammen. Die Wildformen zahlreicher Nutzpflanzen sind nach wie vor für die Züchtung wichtig, weil sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten sind.
Weltweit sind allein 2009 rund 13 Millionen Hektar Wald verschwunden, am meisten in den Tropen. Rund zehn Millionen Hektar Regenwald verschwinden derzeit jährlich. Ein durchschnittlicher Urwaldriese speichert aber in etwa soviel Kohlendioxid wie ein Auto ausstößt, das 50.000 Kilometer fährt. Verschwindet der Wald, wird das Treibhausgas meist schnell wieder freigesetzt. Die Mengen sind gewaltig. Allein der in den tropischen Torfwäldern Indonesiens lagernde Kohlenstoff würde das Zehntausendfache des jährlichen CO2-Ausstoßes der Millionenstadt Berlin ausmachen, wenn diese Wälder gerodet würden.
Und sie werden gerodet: Illegaler Holzeinschlag, riesige Waldbrände, großflächige Rodungen für Plantagen, Weiden oder Ackerflächen verkleinern die Waldfläche Jahr für Jahr weiter. 1950 bedeckten die Regenwälder vermutlich noch rund 16 Millionen Quadratkilometer. 1990 waren noch circa neun Millionen Quadratkilometer übrig, 2010 wahrscheinlich nur noch sechs Millionen. Mit jedem einzelnen Baum verschwindet ein kohlenstoffspeichernder Klimaschützer. Ein Fünftel des weltweiten Ausstoßes von Kohlendioxid stammt aus der Regenwaldvernichtung.
Die Regenwälder liegen in den Tropen entlang des Äquators in einer besonders heißen Zone. Hier wird das Klima der Erde wesentlich gesteuert. Hier liegen die gigantischen Motoren der globalen Wettermaschine. Die Regenwälder haben in diesen Kreisläufen eine wichtige Funktion als Wasserspeicher. Fehlen sie, verändert sich klein- und großräumig das Wetter. Teile Amazoniens etwa sind in den letzten Jahren bereits merklich trockener geworden. Denn wenn der Wald gerodet wird, trocknet der Boden schneller aus. Dann bilden sich weniger Wolken, und es regnet weniger. Wenn diese Entwicklung anhält, könnten dann auch die verbleibenden Waldreste dauerhaft geschädigt werden. Ein Teufelskreis, von dem nicht klar ist, was er global für Auswirkungen haben wird.
Autor: Axel Weiß
Letzte Änderung am: 28.09.2010, 14.34 Uhr