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Das Online-Special zum Dokumentarfilm "Hunger" ist mit dem "Medienpreis Entwicklungspolitik" des BMZ ausgezeichnet worden. [mehr zu: Auszeichnung für "Hunger"]

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Karin Steinberger und Marcus Vetter Robert Geisendörfer Preis Medienpreis für "Hunger"

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Biokraftstoffe Grüne Energie um jeden Preis

In Brasilien werden zunehmend Zuckerrohr und Soja angebaut, um daraus Energie und Kraftstoffe zu gewinnen. Ein gutes Geschäft für Energiekonzerne, aber ein Problem für den Regenwald und diejenigen, die Hunger leiden.

Silbernes Röhrengewirr einer tschechischen Bioethanolanlage

Biokraftstoffe wie Alkohol leisten dasselbe wie Erdöl und Erdgas - sie liefern Strom, Wärme und sie füllen die Tanks unserer Autos. Der entscheidende Vorteil: Die Pflanzen, aus denen Biokraftstoffe gewonnen werden, wachsen immer wieder nach. Außerdem verursacht ihre Nutzung wesentlich weniger CO2 als der Verbrauch von Erdöl oder Erdgas. Deshalb werden Biokraftstoffe oft als grüne Zukunftstechnologie angepriesen. Weltweit werden bereits eine Reihe von Pflanzen angebaut, die ausschließlich der Energiegewinnung dienen. In Deutschland sind das Energiepflanzen wie Mais, Raps oder Sonnenblumen. Sie dienen den deutschen Landwirten als zweites Standbein neben der Lebensmittelproduktion.

In Brasilien geht diese Entwicklung bereits weiter. 2008 wurde dort mehr Alkohol als Benzin getankt. Alkohol, auch Ethanol genannt, wird aus Zucker gewonnen. In Brasilien wurden 2009 knapp 25 Mrd. Liter dieses Kraftstoffs hergestellt. Diese große Menge erfordert entsprechend viel Anbaufläche. Und genau hier liegt ein großes Problem: Die Zuckerrohrplantagen fressen sich bereits tief ins brasilianische Hinterland. Genauso wie Ölpalmenwälder und Sojafelder.

Bioenergie im Aufwind

Und diese Entwicklung steht erst an ihrem Anfang. Die brasilianische Regierung plant die Anbauflächen zu verzehnfachen. Denn Biokraftstoffe sind bereits jetzt ein profitables Geschäft. Noch mehr Gewinn versprechen die regenerativen Energien, wenn die Preise für fossile Energieträger weiter steigen. Die Schattenseite dieser vermeintlichen Erfolgsgeschichte: Die großflächigen Monokulturen sind weniger ökologisch verträglich, als es zunächst scheint. Außerdem tritt der Anbau von Energiepflanzen in harte Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion.

Was ist Biokraftstoff?

Tragen Sie bitte die Dachzeile ein Biodiesel

Woraus wird es gewonnen? In Deutschland werden vor allem Raps oder Sonnenblumen zu Biodiesel verarbeitet. Es kann aber auch aus anderen Pflanzenölen wie Palm- und Sojaöl sowie aus Altspeise- und Tierfetten gewonnen werden.

Wie wird es verwendet? Biodiesel ist der bei uns bekannteste und am Weitesten verbreitete biogene Kraftstoff. Es wird meist als Treibstoff verwendet, indem es fossilem Diesel beigemischt wird. An den Dieselmotor angepasst, trug Biodiesel 2008 mit ca. 2,7 Mio. Tonnen bzw. 4,5 % zum Treibstoffverbrauch in Deutschland bei.

Tragen Sie bitte die Dachzeile ein Methan aus Biogas

Woraus wird es gewonnen? Der Ausgangsstoff für Bio-Methan ist Biogas, das in Deutschland heute vorwiegend in landwirtschaftlichen Anlagen hauptsächlich durch die Vergärung von Gülle, Energiepflanzen und organischen Reststoffen gewonnen wird.

Wie wird es verwendet? Von den knapp 56 Millionen Kraftfahrzeugen in Deutschland fahren bislang nur rund 36.000 mit Erdgas. Sie könnten dies auch ohne technischen Aufwand mit Biomethan, jedoch gibt es momentan noch keine öffentlichen Tankstellen für Biomethan. In Schweden und der Schweiz wird Bio-Methan hingegen schon seit längerer Zeit begrenzt in Bussen und Lastkraftwagen eingesetzt.

Tragen Sie bitte die Dachzeile ein

Woraus wird es gewonnen? Ethanol wird durch Vergärung von in Pflanzen enthaltenen Zuckern gewonnen. Dabei kommen in Deutschland vor allem Weizen, Roggen und Zuckerrüben in Betracht. In den USA wird Ethanol vor allem aus Mais hergestellt, Brasilien setzt auf die Vergärung von Zucker aus Zuckerrohr.

Wie wird es verwendet? Ethanol kann Ottokraftstoffe, also Benzin und Superkraftstoffe, ersetzen. Meist wird es fossilen Kraftstoffen beigemischt. In Deutschland wurden 2008 626.000 Tonnen Ethanol getankt, also deutlich mehr als 2007 (460.000 t). Enthält ein Kraftstoffgemisch mehr als 30 % Ethanol, so muss der Fahrzeugmotor modifiziert werden, damit er den Treibstoff verarbeiten kann.

Tragen Sie bitte die Dachzeile ein Biomass to Liquid (BtL)

Woraus wird es gewonnen? Der große Vorteil von "Biomass to Liquid (BtL)"-Kraftstoffen besteht darin, dass verschiedene Rohstoffe genutzt werden können: Das Spektrum reicht von Stroh, Bioabfällen und Restholz bis hin zu Energiepflanzen. Während für herkömmliche Biokraftstoffe oftmals nur Teile der Pflanze - meist die Saat - als Rohstoff dient, kann bei der Herstellung von BtL-Kraftstoffen die gesamte Pflanze genutzt werden.

Wie wird es verwendet? Synthetische Kraftstoffe aus Biomasse stehen noch in der Entwicklung. Am Markt ist diese Technologie noch nicht verfügbar. "Biomass to Liquid" bezeichnet eine Prozesskette, die Biomasse über die Vergasung in Gas und anschließend in flüssige Kohlenwasserstoffe umwandelt.

Anbau von Energiepflanzen belastet die Umwelt

Biokraftstoffe besitzen vordergründig eine annähernd neutrale CO2-Bilanz: Die Pflanzen nehmen während des Wachstums genau die Menge Kohlendioxid auf, die sie bei ihrer Verbrennung wieder freigeben. Es wird somit, im Gegensatz zur Nutzung von Kohle und Öl, kein neues Kohlenstoffdioxid ausgestoßen. Jedoch trügt diese Gleichung. Erstens werden für die Bearbeitung der Felder, Aussaat und Ernte Maschinen eingesetzt, die Energie verbrauchen. Auch bei der Herstellung von Düngern und Pestiziden wird CO2 frei. Zweitens, und das ist das schlimmere, führt der Anbau von Zuckerrohr, Ölpalmen und Sojapflanzen in Brasilien letztlich zu einer großflächigen Rodung des Regenwaldes. Rinderzüchter verlassen etwa ihre Weideflächen im Süden, da diese nun dem Anbau von Energiepflanzen dienen. Sie suchen sich im Norden des Landes neues Weideland, meist Savanne oder Regenwaldgebiet, das rücksichtlos gerodet oder, noch schlimmer, niedergebrannt wird. Einer vermeintlich grünen Technologie wie den Biokraftstoffen wird somit die "grüne Lunge" dieser Welt, der Regenwald, geopfert.

Das Gleichgewicht der nur vordergründig ausgeglichenen CO2-Bilanz der grünen Treibstoffe gerät dadurch in extreme Schieflage. Angenommen, die Anbaufläche nimmt wie geplant noch weiter zu, dann werden zwangsläufig viele weitere Hektar Regenwaldgebiet den Biokraftstoffen zum Opfer fallen. Gleichzeitig schaden die monokulturellen Plantagen den Böden. Das Land wird auf Dauer gesehen unfruchtbar oder trocknet aus. Ökologisch sind Biokraftstoffe also äußerst kritisch zu betrachten. Doch das ist nur das eine Problem.

Tank oder Teller?

Wenn Menschen Pflanzen verwenden, um aus ihnen Energie zu gewinnen, dann bedeutet das ein geringeres Angebot an Lebensmitteln. Von Befürwortern der grünen Energie wird das gern bestritten. Hunger sei vor allem ein Armutsproblem, heißt es in einer Broschüre der deutschen "Agentur für Erneuerbare Energien", die vom Bundesumweltministerium unterstützt wird. Hunger habe mit Verteilungsgerechtigkeit zu tun und bedeutet nicht, dass grundsätzlich zu wenig Nahrungsmittel produziert würden. Das mag aktuell noch zutreffen. Tatsächlich produzieren beispielsweise die europäischen Landwirte einen Nahrungsmittelüberschuss. Lebensmittel verkommen oder werden zu Dumpingpreisen nach Afrika exportiert.

Jedoch sprechen mehrere Faktoren dafür, dass sich die "Tank oder Teller"-Frage zuspitzen wird. Die Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten extrem zunehmen. Laut Experten der Vereinten Nationen leben in wenigen Jahren mehr als sieben Milliarden Menschen auf dieser Erde, im Jahr 2050 soll die Bevölkerung etwa 9,2 Milliarden Menschen betragen. Allein hierdurch wird der Bedarf an Anbaufläche für Nahrungsmittel stark ansteigen.

Kind vor leerer Schüssel

Hinzu kommt, dass jährlich rund 0,2 Prozent der weltweiten Anbaufläche durch den Bau von Straßen oder Gebäuden, durch Bodenerosion oder Umweltveränderungen verloren gehen. Wenn parallel dazu die Nachfrage nach Biokraftstoffen weiter ansteigt, führt dies zwangsläufig zu einem härteren Kampf um Anbauflächen. Es wird dann vor allem eine Frage des Preises sein, ob Äcker und Felder einem vollen Tank oder einem gefüllten Magen dienen sollen. Für viele Arme wird die Antwort über Leben und Tod entscheiden.

Biokraftstoffe als Ergänzung?

Biokraftstoffe können dennoch mithelfen, den Energiehunger der Menschen zu stillen, in begrenztem Maß. Die dezentrale Biogasgewinnung aus ökologischen Abfällen wie Gülle und Pflanzenresten ist ein Beispiel für einen sinnvollen Umgang mit dieser Energiequelle. Der großfläche Anbau von Energiepflanzen birgt dagegen mehr Probleme, als er zu lösen vermag. Biokraftstoffe stellen dann keinen Gewinn für die Umwelt und den Menschen dar. Sie nutzen dann nur den investierenden Energiekonzernen.

Autor: Stephan Braig

Kommentare zu diesem Artikel:

Mais und More

(RABA) 05.11.2010 , 19:02

Es stimmt, die Äcker werden durch den Mais für Biogas ausgemergelt!- Die Gülle die zur Dünung draufkommt ist nicht allein, oft folgen Prozeßwasser aus Kartoffelfabriken und manchmal noch Reststoffe aus Biogasanlagen -prozessen. Wasser?- Nitrat=Nitrit! Getreideflächen haben wir in Deutschland inzwischen nachweislich zu wenig! -Macht nix?!-irgend wer hat genug nur eben nicht alle! Ich wäre gerne ein Südseebewohner dann würde mich das alles nicht so entsetzen, was wir tun damit andere Hungern. Atomkraft nein danke? Lösungen,Losungen Lösungslotterien......

Letzte Änderung am: 01.10.2010, 10.36 Uhr