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Eine WG für Melanie (25)
Melanie ist mehrfach behindert und kann nicht sprechen. Dennoch wird die 25-Jährige kommendes Jahr zu Hause ausziehen, um in einer Wohngemeinschaft mit behinderten und nichtbehinderten Menschen zu leben. Ungewöhnlich, denn normalerweise bedeutet „ausziehen“ bei schwerbehinderten Menschen „einziehen“ in ein Heim.
Ermöglicht haben das Melanies engagierte Eltern. Sie weigern sich seit 20 Jahren, ihre Tochter in vorgefertigte Strukturen zu geben und kämpfen dafür, behinderten Menschen innovative Lebenswege zu ermöglichen. So ging Melanie nicht in die Sonderschule, sondern in eine Regeleinrichtung. Sie hat inzwischen sogar eine sinnvolle Aufgabe gefunden: Melanie besucht Altenheime und Kindergärten, um die Akzeptanz von Behinderten zu fördern. Damit das alles möglich ist, helfen ihr sechs Assistentinnen nach einem ausgeklügelten System rund um die Uhr.
Der Verein „Gemeinsam Leben – gemeinsam lernen“ ermöglicht behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben. Mit Unterstützung von Herzenssache soll in Ludwigshafen eine inklusive Wohngemeinschaft entstehen. Im Modellprojekt IGLU werden vier behinderte und sechs nichtbehinderte junge Menschen wie in einer WG zusammen leben. Bewohner, die aufgrund ihrer Behinderung Unterstützung brauchen, erhalten persönliche Assistenten, die nicht in der WG leben und aus den Sätzen der Pflegeversicherung finanziert werden.
Alltägliche Arbeiten wie putzen, kochen, einkaufen, werden von den Bewohnern gemeinsam erledigt. Damit alles reibungslos läuft, wird ein Dienstplan erstellt, der die Bedürfnisse aller Bewohner berücksichtigt. Die nichtbehinderten Bewohner übernehmen z.B. Tätigkeiten wie Nachtbereitschaft oder Frühstück richten. Dafür werden ihnen Stunden gutgeschrieben, die z.B. auf die Miete angerechnet werden.
Letzte Änderung am: 03.10.2011, 19.40 Uhr