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Winterburg: Vom Bautrupp zum Traumjob Jugendbegegnungsstätte für jedermann

Jugendlicher mit Metallschneider

Martin hat seinen Beruf gefunden

Martin hat seine Berufung gefunden

Als Martin 2003 in das Landheim nach Winterburg kam, war er 13 Jahre alt. Martin war unausgeglichen und aggressiv, ließ niemanden an sich heran. Die Nachmittage verbrachte er mit Freunden im lokalen Jugendtreff. Einer der Betreuer fand einen Draht zu ihm und erkannte sein Potenzial. Er motivierte Martin, an einem Möbelbauprojekt teilzunehmen. Unter fachmännischer Anleitung baute er im Team mit anderen Jugendlichen Stühle und Tische für andere Jugendgruppen.

Hier fiel er durch seine besondere Geschicklichkeit auf – keiner bohrte die Zapflöcher so gut wie er in die Tischbeine. "Lange wusste ich damals nicht, was ich einmal im Leben machen sollte", sagt er heute rückblickend, "aber die Bautrupps in Winterburg haben mich geprägt." Auch später kam er immer wieder nach Winterburg, um freiwillig zu helfen, wenn es etwas zu renovieren gab. Als die Heizungsanlage erneuert wurde, fand er schließlich seine endgültige Berufung: Er wurde Heizungsbauer. Mittlerweile hat der heute 22-Jährige eine Stelle in Mainz gefunden. Und er engagiert sich noch immer in Winterburg – als Vorstandsmitglied und Mentor gibt er heute sein Wissen und seine Erfahrungen an Jüngere weiter.

Gerüst an Fachwerkbau

Renovierungsarbeiten in Eigenleistung

Praxisprojekte fördern Berufsorientierung und Sozialkompetenz

Das Landheim Winterburg im Soonwald ist eine Jugendbegegnungsstätte für jedermann – Jugendgruppen, kirchliche Gruppen, Sport- und Musikvereine, Theatergruppen oder Schulklassen. Das Haus gehört einem gemeinnützigen Verein, der es 1959 renovierungsbedürftig erwarb und seitdem unterhält. Der Verein deckt die laufenden Kosten aus der Vermietung und den Mitgliedsbeiträgen. Anders als andere, von Kreisen oder Städten getragene und öffentlich finanzierte Landheime, ist das Landheim Winterburg unabhängig von der Stadt Mainz und dem Land Rheinland-Pfalz. Um diese Unabhängigkeit zu ermöglichen, war es von Anfang an üblich, dass Jugendgruppen selbst mit anfassten, um das Haus für die Allgemeinheit bewohnbar zu machen. Seit 1960 investieren Jugendliche Ferien und Freizeit für die Sanierung "ihres" Landheimes. So entstanden die ersten sogenannten "Bautrupp-Wochen".

Angebot berufsfördernder Maßnahmen

Dieses Erfolgsmodell gibt es auch heute noch. Nun soll es zu berufsfördernden Maßnahmen ausgeweitet werden. Unter fachlicher Anleitung können Jugendliche dann ein Berufspraktikum absolvieren, für das sie ein Zeugnis erhalten. Das Angebot richtet sich auch bewusst an Mädchen. Der Einsatz zum Wohl der Allgemeinheit fördert dabei die Sozialkompetenz. Gleichzeitig gibt es Theorie-Stunden, die das praktische Arbeiten untermauern. Dafür benötigt der Verein aber einen Gruppenraum, der im Dachgeschoss entstehen könnte.

Brandschutzauflagen müssen erfüllt werden

Die notwendigen Arbeiten für den Dachausbau sollten, wie im Landheim üblich, wieder weitgehend in Eigenleistung von den Jugendlichen selbst erbracht werden, sicherheitsrelevante Baumaßnahmen von Handwerkern. Das größte Problem bestand zusätzlich darin, dass dem Verein nun auch noch der generelle Entzug der Genehmigung als Jugendheim drohte, da neue Brandschutzauflagen erfüllt werden mussten. Für die Maßnahmen fehlte dem Verein das Geld, und diese Arbeiten mussten zudem von einer Fachfirma ausgeführt und offiziell abgenommen werden. Damit drohten über 50 Jahre Erfolgsgeschichte für Generationen von Jugendlichen zu enden. Herzenssache unterstützte den engagierten Verein mit einem Zuschuss zu den Baumaterialien und zu den Facharbeiten und half dabei, das überregional beliebte Haus zu erhalten und Jugendlichen hier eine Berufsorientierung zu bieten.