
Impressionen von den Bauarbeiten am Cinema Jenin - mit Unterstützung von Herzenssache!
Im Juli 2007 fallen Schüsse in einem Flüchtlingslager in Jenin. Die israelische Armee erschießt einen 11-jährigen Flüchtlingsjungen. Sein Vater, Ismael Khateeb, entscheidet sich trotz seines Schmerzes, seiner Wut und Trauer die Organe seines getöteten Sohnes zu spenden – u.a. auch für kranke israelische Kinder. Ismael Khateeb setzt damit ein Zeichen des Friedens – unfassbar und übermenschlich.
Die berührende Geschichte dieser Geste der Nächstenliebe hat der Tübinger Filmemacher und mehrfache Grimme-Preisträger Marcus Vetter in seinem Kinofilm "Das Herz von Jenin" erzählt. Der mit dem Deutschen Filmpreis 2010 und dem Cinema for Peace Award 2009 ausgezeichnete Film, der inzwischen bereits auf DVD erhältlich ist, dokumentiert, dass inmitten des seit Jahrzehnten andauernden Konfliktes zwischen Palästinensern und Israelis Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe möglich sind.
Das Flüchtlingslager in Jenin ist bis heute ein Ort, an dem besonders Jugendliche ohne berufliche Perspektive leben. Sie wachsen auf in einem Klima aus Vorurteilen, Hass und Gewalt. Doch inzwischen gibt es dort ein Jugendkulturzentrum, das von Isamel Khateeb – dem Vater des getöteten Jungen – geleitet und Marcus Vetter unterstützt wird. Sie bieten dort verschiedene Aktivitäten an, darunter auch Workshops für Film und Schauspiel. Aus diesen Aktivitäten entstand die Idee, das sogenannte "Cinema Jenin" - eines der größten und bedeutendsten Kinos in Palästina, das seit Jahren geschlossen war - wieder zu beleben und dort Seminare für Kinder und Jugendliche anzubieten, die weit über Palästina hinaus für Frieden werben. Inzwischen gehören zu dem Projekt nicht nur das Kino selbst, sondern auch ein Gästehaus, ein Freiluftkino und eine Caféteria. Neben Filmvorstellungen und Seminaren finden in diesem neuen Jugendkulturzentrum auch Theatervorstellungen, Konzerte und Ausstellungen statt. Außerdem gehört seit Februar 2011 auch ein neues Ausbildungsprogramm zum "Cinema Jenin", in dem Jugendliche an neue Technologien, beispielsweise Solartechnologie, herangeführt werden sollen.
Der Verein "Cinema Jenin" besteht aus einer Reihe engagierter Filmemacher, darunter auch der Grimme-Preisträger Marcus Vetter und Ismael Khateeb, der Vater des erschossenen Jungen. Der Verein erweckte 2010 das "Cinema Jenin" zu neuem Leben und etablierte damit ein Friedensprojekt in Palästina, das weit über die Grenzen der Region wirkt. Das ursprüngliche Cinema Jenin wurde in den 1960er-Jahren erbaut und galt als eines der größten und bedeutendsten Kinos in Palästina. Es musste seinen Betrieb mit dem Ausbruch der ersten Intifada im Jahr 1987 einstellen. Zusammen mit Jugendlichen aus der Region wurde das Filmhaus renoviert und am 5. August 2010 feierlich wiedereröffnet – ein Ort der Begegnung, Jugendarbeit und Gewaltprävention. Zu dem renovierten Kino ist inzwischen auch ein Open Air-Bereich mit Freiluftkino hinzugekommen. Ziel des Vereins ist aber weiterhin auch die örtliche Filmindustrie zu unterstützen, weshalb der Bau von kleineren Produktionsstudios für die Zukunft geplant ist.
Das "Cinema Jenin" soll ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche sich mit den Themen Frieden, Vorurteile, Begegnung zwischen verfeindeten Völkern beschäftigen. Durch das gemeinsame Tun lernen sie sich kennen und bauen Vorurteile ab. Frieden ist das Hauptthema in den Film- und Theaterprojekten, in denen Kurse für Kurzfilm, Animation, künstlerische Gestaltung von landestypischen Mosaiken und Masken-Theater-Workshops stattfinden.

Die Herzenssache in Palästina - in Form von landestypischen Mosaiken!
Herzenssache beteiligte sich am Wiederaufbau des Kinos, unterstützt die Ausrichtung von Film- und Theaterworkshops und finanziert insbesondere eine Städtetour der palästinensischen Jugendlichen mit ihren filmischen Arbeiten durch Deutschland auf der sie auch nach Mannheim und Tübingen kommen. Herzenssache stellt eine Vernetzung dieses Projektes mit anderen Gewaltpräventions- und Werteprogrammen, wie z.B. dem Projekt "Lebenslinien – Wertekommunikation für Kinder und Jugendliche" des Kreisjugendrings Rems-Murr in Winnenden her.

Quelle: Herzenssache
Letzte Änderung am: 19.05.2010, 15.30 Uhr
Im Rahmen des Bernhard Wicki Filmpreises wird erstmals ein undotierter Sonderpreis vergeben: an das Projekt Cinema Jenin, das Marcus Vetter mit Unterstützung von Herzenssache initiiert und mit einem gleichnamigen MFG-geförderten Dokumentarfilm begleitet hat.

"Cinema Jenin" wurde von Dr. Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und Bundesaußenminister a.D., geehrt. Die Geschichte des Cinema Jenin begann im Jahre 2005 mit einer außergewöhnlichen Tat: Ismael Khatib, dessen Sohn irrtümlich von israelischen Soldaten erschossen wurde, spendete die Organe seines Sohnes und rettete so das Leben von fünf palästinensischen und israelischen Kindern. Diese Geschichte erzählen die Filmemacher Leon Geller und Marcus Vetter in ihrem Dokumentarfilm "Das Herz von Jenin", der von der MFG Filmförderung unterstützt und mehrfach ausgezeichnet wurde.
Während der Dreharbeiten entstand die Idee, das Cinema Jenin in den besetzten Gebieten Israels wieder aufzubauen. Das einzige Kino in Jenin wurde mit Beginn der ersten Intifada im Jahr 1987 geschlossen und seitdem nicht wieder eröffnet. Nach zweijährigen Renovierungsarbeiten, der Förderung durch Herzenssache und vielen Informationsveranstaltungen, für die zahlreiche Politiker und Prominente gewonnen werden konnten, öffnete das Kino tatsächlich im August 2010 wieder seine Pforten – und setzt damit ein großes Zeichen für Frieden und Menschlichkeit.
Der "Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke – Der Friedenspreis des Deutschen Films" würdigt künstlerische Arbeiten, die Brücken schlagen, wo andere Gräben aufreißen. Er soll wegweisend für junge Künstler sein, sich mehr an Filmen, die sich durch Inhalte und filmische Kraft auszeichnen, zu orientieren, als an Effekten und Marketing.

Die Herzenssache in Palästina - in Form von landestypischen Mosaiken!
Letzte Änderung am: 19.05.2010, 15.30 Uhr