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An die Bilder vom 11. März 2009 erinnern sich viele. An diesem Tag schockierte der Amoklauf eines 17-jährigen Schülers an der Albertville-Realschule in Winnenden die Menschen in ganz Deutschland. Auch die 15 Jahre alte Larissa: "Der Amoklauf war wie ein Film für mich. Es war so, als wäre das alles gar nicht real passiert. Als ich mitbekommen habe, dass eine Freundin von mir gestorben ist, habe ich das zuerst gar nicht geglaubt. Erst nach der Beerdigung war klar, dass sie tot ist. Tagelang konnte ich nichts essen, ich konnte mich auf nichts konzentrieren. Dann hat mich eine Lehrerin zu einer Psychologin geschickt, die mit mir gesprochen hat. Und nach einer Weile habe ich dann aufgehört, traurige Lieder zu hören."
Vielen Jugendlichen in Winnenden und im Landkreis Rems-Murr geht es ähnlich. Bis heute sind viele Menschen dort traumatisiert und sprachlos. Doch der Sprachlosigkeit folgt der Wunsch etwas zu tun und selbst aktiv zu werden.

Das Trauma bewältigen, die eigene Aktivität der Betroffenen unterstützen und einen Neuanfang an der Albertville-Realschule möglich machen - das waren die Anliegen der Herzenssache. Einerseits brauchten die Schüler einen neuen bzw. neu gestalteten Raum zum Lernen, in dem das Geschehene verarbeitet werden kann, ohne den Alltag der Realschüler zu dominieren. Besonders ein gemeinsamer Bezugsort für die Kinder und Jugendlichen war von entscheidender Wichtigkeit. Herzenssache unterstützte deswegen den Umbau der Albertville-Realschule in Winnenden - speziell den Bau einer neuen, gläsernen Aula als Kommunikationszentrum für Schüler und Lehrer - mit einer Spende von 250.000 Euro. Rechtzeitig zum Start des neuen Schuljahres 2011, am 02. September, wurde der neue Bau der Öffentlichkeit vorgestellt.

Larissa (15) aus Winnenden
Neben einem auch nach außen sichtbaren Neustart für die Albertville-Realschule gilt es aber auch langfristig in den Köpfen junger Menschen etwas zu verändern - Kommunikation und ein Klima der Toleranz und Wertschätzung zu fördern und Werte zu verankern. Gemeinsam mit Jugendlichen wie Larissa, dem Aktionsbündnis der Opfereltern, u.v.a. realisieren der Kreisjugendring Rems-Murr und Herzenssache deshalb ein Projekt, das genau diese Fragen stellt: Wie führt man Jugendliche kommunikativ zusammen, wie können Toleranz, Wertschätzung und Solidarität als Werte vermittelt werden? Und in welcher Werte-Welt wollen die Jugendlichen eigentlich leben? In Workshops sollen junge Menschen über ihre Wertvorstellungen diskutieren, um sie dann in praktischen Trainings zu "erleben". Wie fühlt es sich beispielsweise an, im Rollstuhl zu sitzen oder auf der Straße zu leben? Wie erlebe ich den Alltag in einer Bahnhofsmission oder Aidshilfe? Habe ich Mitgefühl und Zivilcourage, mich für meine Mitmenschen einzusetzen? Das Projekt Lebenslinien widmet sich diesen Fragen und sucht gemeinsam mit Jugendlichen Antworten - unterstützt von Herzenssache.

Winnenden-Schüler besuchen Assisi
Das Ziel des Projektes: Jugendliche sollen zu "Wertekommunikatoren" ausgebildet werden, "Wertekommunikatoren", die aktiv und solidarisch mit anderen Jugendlichen ihre Alltags- und Schulwelt gestalten. Es soll ein Netzwerk der Wertekommunikatoren entstehen, das über Winnenden und die Region hinauswirkt. Das Projekt wird vom Friedensinstitut Tübingen wissenschaftlich begleitet.
Letzte Änderung am: 19.11.2009, 13.22 Uhr