Sendung vom Freitag, 12.2.2010 | 0.15 Uhr | SWR Fernsehen
Die Geschichte von Karneval und Fastnacht im Nationalsozialismus gehört zu den verdrängten Kapiteln der Vergangenheit. Denn das Verhalten der meisten Karnevalsvereine ab 1933 ist alles andere als ein Ruhmesblatt.
Zivilcourage gegen das neue braune Denken findet man nur selten, dafür aber viele Fälle von eiliger Anpassung und freiwilliger Unterwerfung. Seit dem Machtantritt Hitlers unternehmen die Nationalsozialisten allerhand, um den Karneval ideologisch für ihre Zwecke nutzen zu können. Protest - etwa gegen die vielen judenfeindlichen Maßnahmen - gibt es kaum, Selbstbehauptung erfolgt im Regelfall nur dort, wo es um den Erhalt der organisatorischen Selbstbestimmung des Karnevals geht. Ansonsten biedern sich die Karnevalisten nicht selten an die neuen Herren im Land an, wenn nicht sogar Konsens und gegenseitiges Einvernehmen herrscht.
Die Dokumentation von Frank Gutermuth und Sebastian Kuhn begibt sich auf Spurensuche - in den Karnevalshochburgen Köln und Mainz, in einem Dorf am Rande von Frankfurt, wo es bemerkenswerte Geschichten von leisem Widerstand gibt, und schließlich in Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage und des "echt nationalsozialistischen" Frohsinns. Zeitzeugen und Dokumente erinnern an die wenigen mutigen Heldentaten und die vielen Momente, bei denen das Lachen im Halse stecken bleibt.
Ein Film von Frank Gutermuth und Sebastian Kuhn
Letzte Änderung am: 02.01.2010, 00.18 Uhr