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Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 25. August 2009 06:16

Mein ganz großer Dank an Report für den Sendebeitrag über die unzureichende Finanzierung der Pflege im Wachkoma. Das Gesetz zur Finanzierung dieser aufwendigen Pflege (§ 37 Abs 2 SGB V) besteht seit 01.04.2009 und wird seitdem in noch keinem Bundesland umgesetzt.

Das ist ein Umstand, der viele Angehörige von Heimbewohnern im Wachkoma in die Sazialhilfeabhängigkeit treibt.

Was ist der Grund für die fehlende Umsetzung des Rechtsanspruchs? Erforderlich sind Rahmenverträge zwischen Spitzenverbänden der Krankenkassen, der Regierungsbezirke und der Pflegeheime, die Voraussetzung für die anschließen erforderlichen Pflegesatzverhandlungen sind. Rahmenverträge aber werden verzögert und gibt es derzeit - so REPORT - noch in keinem Bundesland. Die Krankenkassen sparen dadurch jährlich viel Geld. Leidtragende sind die Angehörigen betroffener Wachkoma-Heimbewohner, eine Personengruppe ohne Lobby.

Das ist ein Skandal, von dem wir hoffen, dass dieser durch die ausgestrahlte Sendung ein Ende findet. Dies war auch das Motiv, das Thema an REPORT heranzutragen (Forum-Beitrag vom 29.06.2009). Ein Vertreter der Barmer Ersatzkassen foderte die Spezialpflegeheime auf, in Verhandlungen zu treten. Wir haben dies - auch ohne Rahmenvertrag - getan und fordern alle Spezialpflegeheime auf, diesem Beispiel zu folgen. Nochmals ein großes Dankeschön an REPORT für diese Unterstützung.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.09.09 13:01.

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Re: Sendebeitrag: "Schicksal Wachkoma"
geschrieben von: HKB Koblenz ()
Datum: 25. August 2009 10:54

Den geschilderten Sachverhalt können wir nur bestätigen! Wir beraten und vertreten bundesweit Pflegeeinrichtungen bei Verhandlungen mit Pflegekassen, Krankenkassen und Sozialhilfeträgern.

Mit Hinweis auf die fehlenden Rahmenverträge sehen sich die Vertreter der Krankenkassen bis heute nicht in der Lage, allgemeine Vereinbarungen zur Übernahme der Kosten für die besondere Behandlungspflege abzuschließen. Wir haben aber auch nicht den Eindruck, dass seitens der Krankenkassen ein besonderes Interesse am Abschluss dieser Verträgen besteht, was uns nicht wirklich wundert...

Aber auch die Pflegekassen und Sozialhilfeträger zeigen sich nicht interessiert und das wundert uns schon ein bißchen! Die Kostenübernahme für die besondere Behandlungspflege durch die Krankenkassen würde nämlich zu niedrigeren Pflegesätzen und einer Entlastung der Sozialhilfekassen führen.

Leidtragende sind die Angehörigen, die bei einer Unterbringung des Patienten in Spezialeinrichtungen für sehr hohe Pflegekosten aufkommen müssen, obwohl sie grundsätzlich einen Anspruch auf anteilige Übernahme der Kosten gegenüber ihrer Krankenkasse haben. Aber auch die zahlreichen Pflegeeinrichtungen, die derzeit Beatmungs- und Wachkomapatienten zu "normalen Heimentgelten" mitversorgen, ohne die besondere medizinische Behandlungspflege vergütet zu bekommen, befinden sich an der Grenze ihrer wirtschaftlichen und personellen Leistungsfähigkeit.

Einen Lichtblick gibt des dennoch:
In Baden-Württemberg besteht zumindest die Möglichkeit, eine sogenannte Einzelvereinbarung für die Kostenübernahme bei Beatmungspatienten abzuschliessen. Hierfür müssen zahlreiche konzeptionelle und personelle Voraussetzungen von der Pflegeeinrichtung erfüllt werden und der besondere Bedarf ist durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen zu bestätigen.

Angehörigen können wir nur raten, sich mit dem Zustand nicht abzufinden, sich gemeinsam mit der Pflegeeinrichtung an die Krankenkassen zu wenden und auf den Abschluss einer Einzelfallvereinbarung zu drängen.

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Reuter ()
Datum: 24. August 2009 22:32

Guten Abend,
als Mitarbeiter eines Intensivpflegedienstes ist mir die Thematik bekannt. Was viele Betroffene nicht wissen ist, dass es auch die Möglichkeit der ambulanten Pflege von Wachkomapatienten im häuslichen Bereich gibt. Die Kosten dafür werden zum größten Teil von den Krankenkassen übernommen und, falls eine Pflegestufe vorhanden ist, je nach Pflegestufe von der Pflegeversicherung. Die Patienten werden von spezialisierten Pflegediensten 24 Stunden gepflegt. Falls eine Differenz bei der Vergütung besteht und sind die Betroffenen nicht in der Lage aus eigenen Mitteln die Zuzahlung zu leisten, ist nachrangig das Sozialamt verpflichtet die Kosten zu übernehmen. Es gilt das Prinzip "Ambulant vor Stationär".
Diese Form der Pflege ist allerdings für die Kostenträger deutlich teurer und wird wohl deswegen gerne verschwiegen. In meinem Berufsalltag erleben wir immer wieder verzweifelte Menschen, die schlecht oder gar nicht informiert sind.

Es gibt in Deutschland immer noch ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Häusliche Krankenpflege.

Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

U. Reuter

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: flensburg111 ()
Datum: 24. August 2009 23:32

Guten Abend,

leider gehöre ich auch zum Kreis der Betroffenen, da meine Frau, vor einigen Monaten schwer erkrankt ist und nun zumindest übergangsweise in Kürze in einer Fachpflege F -Einrichtung aufgenommen werden muss.

Die Informationen sind für mich völlig neu, weder die Sozialdienste der Rehaklinik, noch der SoVD (deren Mitglied ich bin) oder auch der Bundesverband der Hirnpatienten in Not ev (deren Mitglied ich bin) haben auf diesen Sachverhalt hingewiesen. Der Gang zum Sozialamt steht mir noch bevor.

Ich weis zwar noch nicht was ich mit diesen Informationen anfangen kann, bin aber trotzdem sehr dankbar für diesen Beitrag.

Grüße aus Flensburg

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 26. August 2009 13:39

Verehrte Autoren,

als Abgehörige bzw. Betreuer von Heimbewohnern im Wachkoma können Sie Krankenkassen zur individuellen kostenübernahme auffordern. Der Text könnte in etwa so fomuliert werden:

"Mit Einführung des § 37 Abs. 2 Satz 2 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) übernehmen die Krankenkassen die Kostenanteil für den Mehraufwand der medizinischen Behandlungspflege von Wachkoma-Patienten in Spezial-Pflegeeinrichtungen.

Nach § 132a Abs. 2 SGB V haben die Krankenkassen über die Einzelheiten der Versorgung mit häuslicher Krankenpflege mit den Pflegeeinrichtungen Verträge zu schließen („.... ausnahmsweise auch für solche Versicherte in zugelassenen Pflegeeinrichtungen im Sinne des § 43 des Elften Buches, die auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, einen besonders hohen Bedarf an medizinischer Behandlungspflege haben.“ entsprechend § 37 Abs. 2 SGB V).

Da dies bis heute in Bayern nicht geschehen ist, fordere ich Sie entsprechend § 13 Abs. 3 SGB V auf, uns den Mehraufwand der medizinischen Behandlungspflege zu erstatten. Wir gehen davon aus, dass der Eigenanteil des Heimbewohners unter Anrechnung des Pflegezuschusses der Pflegekassen und der Mehraufwands-erstattung der Krankenkassen nach § 37 Abs. 2 Satz 2 SGB V branchenübliche Eigenbeteiligungen in Seniorenheimen nicht übersteigen darf."

Herzliche Grüße aus
Sulzbach-Rosenberg

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: anwalt ()
Datum: 26. August 2009 14:29

Für die Witwe eines verstorbenen Wachkomapatienten führe ich derzeit ein Verfahren vor dem Sozialgericht Berlin, um die Kostenübernahme durchzusetzen. Der Anspruch ist ja bereits gesetzlich normiert. Ich gehe nicht davon aus, daß die verklagte Krankenkasse bei Gericht Gehör finden wird mit dem Argument, die Umsetzungsverträge seien noch nicht geschlossen. Die zuständige Widerspruchsstelle bei der Krankenkasse hatte mir anläßlich eines Telefonates mitgeteilt (2007), es handle sich um einen Präzendensfall, bei dem man in jedem Falle erst nach einer gerichtlichen Entscheidung zahlen würde.

Mein Vorschlag an die Betroffenen: Möglichst schnell durch das Widerspruchsverfahren durch (eventuell auch mit Untätigkeitsklagen), um die Ansprüche dann gerichtlich durchzusetzen.

Meine Berufserfahrung ist - leider -, daß nur Druck etwas bringt.

Dr. Fröhmcke
Rechtsanwalt
Müllheim/Baden

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 26. August 2009 15:01

Lehnen Krankenkassen den Einzelanspruch eines Wachkoma-Angehörigen auf Erstellung der medizinischen Behandlungspflege nach § 37 Abs 2 SGB V ab, reicht lt. Auskunft des Bayerischen Ministeriums für Umwelt und Gesundheit im ersten Schritt ein Widerspruch des Angehörigen.

Die Krankenkasse kann dem Widerspruch statt geben, d.h. zahlen, oder den Widerspruch an einen Widerspruchsausschuss weiter leiten. Der Widerspruchsausschuss trifft dann eine Entscheidung, die beide Seiten (Krankenkasse oder Angehöriger des Wachkoma-Patienten) akzeptieren können, oder gegen den sie beim Sozialgericht klagen können. Soweit die Rechtsmöglichkeiten in Bayern. Ob das Verfahren in andere Bundesländer übertragbar ist, weiß ich nicht.

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: anwalt ()
Datum: 26. August 2009 15:56

es ist in allen Bundesländern so.

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Binder ()
Datum: 26. August 2009 16:44

Betrachtung der Situation von einer anderen Seite
Meine Ehefrau ist ebenfalls betroffen. Bei uns war das Glück im Unglück, dass der Unfall auf dem Weg zur Arbeit geschehen ist. Dadurch ist der Kostenräger eine Berufsgenossenschaft (BG). Somit habe ich nur einen Ansprechpartner, der mich auch noch konstruktiv bei der Pflege und Förderung meiner Frau unterstützt.
Wenn ich in unserer Selbsthilfegruppe immer mitbekomme, um was für einen unsinnignen Kram sich die 'Krankenkassen Fälle' alle kümmern müssen, wird mir echt schlecht. Als wenn unser Schicksal nicht schlimm genug wäre. Die Krankenkassen und alle anderen beteiligten Institutionen legen noch mal so richtig nach, so dass einige Betroffenen offen mit dem Selbstmord- Gedanken spielen. Nicht weil sie mit der Pflege oder der Situation 'Wachkoma' nicht klar kommen, sondern weil das System sie dazu treibt.
Vielleicht ist das ja so gewollt - sonst würde 'Vater- Staat' die schwächsten der Schwachen ja nicht so beuteln lassen - oder?!.
Dieses Wissen um die 'Krankenkassen Patienten' in unserer Situation führt dazu, dass ich mich manchmal direkt dafür schäme, dass es uns vergleichsweise gut geht. Meine Frau fühlt sich wohl, weil ich sie zu Hause Pflegen und Fördern kann.
Die Pflege zu Hause ist sicher nicht in jedem Fall machbar oder sinnvoll, in unserem Fall ist sie jedoch möglich und dank der BG auch durchführbar. Ich kann trotzdem noch arbeiten gehen und habe dadurch einen Ausgleich zu dem, was ich im Bezug auf Pflege und Förderung meiner Frau machen kann. Warum ist so eine konstruktive Form der Betreuung von Wachkoma Patienten nicht auch bei Kassenpatienten möglich?! Am Geld kann es jedenfalls nicht liegen - denn für die Verwaltung und prachtvolle Gebäude ist ja offensichtlich genug da.

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 26. August 2009 18:39

Liebe Freunde,

für mich sind die Einzelschicksale immer wieder erschütternd! Die Situation mit der Berufsgenossenschaft gab es in unserer Spezialeinrichtung Phase F auch. Auch dort wurden die gesamten Kosten wegen eines Berufswegeunfalls übernommen. Auch bei einem regulären Unfall, bei dem der nicht schuldige Fahrer unfallbedingt zum Wachkoma-Patienetn wird, übernimmt die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die gesamten Kosten. Da braucht nicht einmal die Pfelegversicherung Anteile zu übernehmen. Aber das sind leider Ausnahmefälle. Der Regelfall ist die Angeweisenheit der Angehörigen auf einen zusätzlichen Beitrag der Krankenkassen.

Wir haben eine Homepage eingerichtet, auf der es Hinweise gibt, was man auch dann tun kann, wenn keine Berufsgenossenschaft oder Haftpflichtversicherung die Kosten übernimmt:

www.wachkoma-protest.e8e.de

Wir hoffen, diese Homepage hilft vielen Betroffenen weiter.

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 27. August 2009 11:11

Zum Thema Finanzierung durch dritte Versicherungen

Es ist richtig, dass die Finanzierung von Wachkoma-Bewohnern gesichert ist, wenn ein Dritter den Schaden verursacht hat (Haftpflichtversicherung), oder ein Unfall im Rahmen beruflicher Tätigkeiten bzw. Fahrten zur Wachkoma-Erkrankung führte.

In diesem Fall werden die Kosten i.d.R. zu 100% von der Berufsgenossenschaft bzw. der Haftpflichtversicherung übernommen.

Dies sind aber Ausnahmefälle. Ansonsten ist das Finanzierungsmodell der Zuschuss der Pflegekasse, der die Kosten nicht annähernd abdeckt. Aus diesem Grund ist die Umsetzung des § 37 Abs 2 SGB V (Finanzierung der medizinischen Behandlungspflege durch die Krankenkassen) für die Pflege im Wachkoma dringend geboten.

Wer Hilfestellung benötigt, wie er vorzeitig und ohne Rahmenvereinbarung auf Länderebene finanzielle Unterstützung von den Krankenkasen einfordern kann, wird entsprechende Hinweise auf der Protest-Homepage finden: www.wachkoma-protest.e8e.de

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 30. August 2009 15:47

ES BEWEGT SICH ETWAS ! - BRANDAKTUELLE INFORMATION

Liebe Freunde von Angehörigen im Wachkoma,

es wird jetzt am 15. September in München ein Gespräch der Spitzenverbände der bayerischen Krankenkassen mit der Wachkoma-Station in Sulzbach-Rosenberg und dem Bundesvorsitzenden des Verbandes Schädel-Hirnpatienten in Not e.V., Armin Nentwig geben. Inhalt ist die unzureichende Finanzierung der Wachkoma-Pflege in Verbindung mit der bis heute nicht umgesetzten Regelung des § 37 Abs 2 SGB V.

Unser Dank gilt den bayerischen Krankenkassen, die sich jetzt dieser Thematik stellen.

Wir fordern nun die Spezialheime anderer Bundesländer auf, diesem Beispiel zu folgen und ebenfalls zu individuellen Verhandlungen aufzufordern.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.09.09 13:02.

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Eckard Rasehorn ()
Datum: 03. September 2009 21:50

Endlich bewegt sicht etwas!!

Wir, das AWO-Sozialzentrum Hammerschmiede in Augsburg, haben schon seit mehr als einem Jahr Antrag bei den Krankenkassen auf eine vertragliche Regelung der Leistungen der speziellen Krankenpflege für Wachkoma-Bewohner gestellt. Passiert ist in der ganzen Zeit trotz mehrfacher Nachfrage nichts!! Die Bewohner und Angehörigen, die ohnehin schon durch ihr Schicksal gestraft genug sind, müssen weiterhin für Kosten aufkommen, die der Gesetzgeber den Krankenkassen zugewiesen hat. Den Betroffenen wird also auch noch zugemutet, die gerichtliche Auseiandersetzung mit den Kassen zu suchen - eine absolute Zumutung und Überforderung, die schon allein wegen der langen Verfahrenszeit zermürbt!

Insofern kann man Report und Klaus Emmerich nur dankbar sein, hier endlich Druck in den Kessel gebracht zu haben!!

Der ganze Vorgang ist allerdings für die überörtlichen Kostenträger der Sozialhilfe, in Bayern die Bezirke, absolut beschämend. Während diese sonst oft nicht müde werden, die finanziellen Verhältnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu überprüfen, haben sie hier rein gar nichts unternommen! Sie haben ganz andere Möglichkeiten gegenüber den Krankenkassen darauf zu dringen, hier endlich die Finanzierung entsprechend den gesetzlichen Regelungen anzupassen und damit sowohl die Betroffenen wie den Steuerzahler zu entlasten. Das Prinzip der Nachrangigkeit der Sozialhilfe gegenüber allen anderen Leistungsträgern wird ausgerechnet in diesem Bereich nicht verfolgt - was im Grunde schon ein Fall für die Rechnungsprüfer ist.

Wir möchten daher alle Vertreter von Wachkoma-Bewohnern, die Einrichtungen und die Öffentlichkeit auffordern, sich hier weiter dafür zu engagieren und auch bei überörtlichen Trägern der Sozialhilfe Druck zu machen, damit Wachkoma-Bewohner und ihre Angehörigen endlich zu ihrem Recht kommen!!!

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 05. September 2009 16:32

Hallo,

es gibt aufgund der Wachkoma-Erkrankung schlimme Schicksale. Der Beitrag von REPORT ist ja gerade deshalb entstanden, weil trotz wiederholter Anträge auf Kostenerstattung durch die Einrichtungen nichts geschah. Leidtragende sind an erster Stelle die Wachkoma-Patienten und deren Angehörige.

In Bayern gibt es Bewegung durch das Spitzengespräch am 15. September in München. Was in Bayern voran geht, da sollte auch in den anderen Bundesländern Wirklichkeit werden. Nur muss ich da wirklich an die Einrichtungleiter der Spezialeinrichtungen in der ganzen Bundesrepublik appellieren.

- Tut etwas!
- Stellt Anträge auf Kostenerstatung durch die Krankenkassen!
- Berichtet hier im Forum über Eure Erfolge aber auch Probleme, damit andere Betroffene aus Euren Erfahrungen lernen.

Die Einrichtungen sind zwar nicht die primären Empfänger der Leistung. Sie haben aber eine große Verantwortung gegenüber den anvertrauten Bewohnern im Wachkoma und gegenüber deren Angehörigen.

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Re: Schicksal Wachkoma: Warum Angehörige trotz Gesetz nicht zu ihrem Recht kommen
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 18. September 2009 06:08

Gespräche zur Finanzierung laufen jetzt

In einem ersten Kontaktgespräch der Wachkoma-Station des St. Anna Krankenhauses mit den bayerischen Spitzenverbänden der Krankenkassen am 15. September in München konnten wir erste Schritte für Verhandlungen zur Finanzierung der medizinischen Behandlungspflege für Wachkoma-Patienten in Bayern diskutieren.

Ein Dank der Wachkoma-Station und des Bundesvorsitzenden des Verbandes Schädel-Hirnpatienten in Not e.V. Armin Nentwig ergeht an die Krankenkassen, die die Notwendigkeit ergänzender Finanzierungen für Wachkoma-Pflege grundsätzlich anerkennen. Die Wachkoma-Station bot den Krankenkassen an, an der noch ausstehenden Rahmenvereinbarung für die wachkoma-spezifische medizinische Behandlungspflege aktiv mitzuarbeiten, um Regelungen für Spezialeinrichtungen dieser Art zu schaffen.

Unbefriedigend bleibt aus Sicht der Bewohner im Wachkoma und deren Angehörigen die Begrenzung des Mehrpflegeaufwandes auf lediglich medizinische Behandlungspflege. Einerseits hat der Gesetzgeber in der Begründung des § 37 Abs. 2 SGB V betont, dass Bewohner im Wachkoma durch ihre Pflegebedürftigkeit nicht Sozialhilfeempfänger werden sollten (Drucksache 16/3100). Andererseits beschränkte er die Finanzierung per Delegation an den Gemeinsamen Bundesausschuss auf beispielhafte medizinische Pflegeaktivitäten. Diese aber decken den Mehraufwand der Wachkoma-Pflege nicht annähernd ab. Insbesondere aktivierende therapeutische Maßnahmen blieben außen vor.

Viele Wachkoma-Patienten und deren Angehörige werden auch nach Verhandlung des Finanzierungsbeitrags der Krankenkassen auf Sozialhilfe angewiesen sein. Deshalb planen der Verband Schädel-Hirnpatienten in Not e.V. , die Wachkoma-Station und der Förderverein weitere Vorstöße auf politischer Ebene.

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Erste individuelle Verhandlung nach § 37 Abs. 2 SGB V in Bayern
geschrieben von: Klaus Emmerich ()
Datum: 26. Oktober 2009 19:31

Verhandlungsergebnis der Wachkoma-Station in Sulzbach-Rosenberg mit den bayerischen Krankenkassen zur Finanzierung der medizinischen Behandlungspflege nach § 37 Abs. 2 SGB V

Die Spezialeinrichtung Phase F im St. Anna Krankenhaus Sulzbach-Rosenberg hat am 26.10.2009 als erste bayerische Pflegeeinrichtung eine individuelle Vereinbarung zur Finanzierung der medizinischen Behandlungspflege mit den bayerischen Krankenkassen abgeschlossen. Damit finanzieren die Krankenkassen erstmals ab Anfang des Jahres 2010 die Mehraufwendungen der speziellen medizinischen Behandlungspflege.

Wir danken ausdrücklich den Krankenkassen für diese Einigung. Ein erster Teilerfolg ist damit erreicht. Wir bedanken uns auch für die Unterstützung des Bundesvorsitzenden des Verbandes Schädel-Hirnpatienten in Not e.V. Armin Nentwig sowie die Heimleitung und Pflegedienstleitung Heike Kellner und Tatjana Richter.

Bereits in der Vorverhandlung am 15. September in München war erkennbar, dass die Bezuschussung der Krankenkassen jedoch bei weitem nicht ausreicht, um Wachkoma-Patienten und deren Angehörige vor dem Absturz in die Sozialhilfe zu bewahren. Nicht durchsetzbar waren aufgrund der engen Formulierung des § 37 Abs. 2 SGB V ein großer Teil der Mehraufwendungen, die mit der Pflege von Wachkoma-Bewohnern anfallen. Dies sind insbesondere die aktivierenden therapeutischen Maßnahmen unserer Spezialeinrichtung sowie der krankheitsbedingte Mehraufwand in der Grundpflege (z.B. Lagerung oder An-/Auskleiden eines Bewohners mit Tracheostoma).

Jetzt ist aus unserer Sicht der Gesetzgeber gefordert! Schließlich begründete die Bundesregierung ihre Gesetzesänderung in der Drucksache 16/3100 mit dem Ziel, Wachkoma-Patienten und deren Angehörige vor der dem Gang zum Sozialamt zu bewahren. In intensiven Kontakten wird nun der Verband Schädel-Hirnpatienten in Not e.V. versuchen, diese Zielsetzung in Gänze zu erreichen.

Unser Kalkulationsschema auf unserer Homepage www.Wachkoma-Finanzierung383.de insbesondere das Tabellenblatt Anlage 37 Abs. 2 SGB V Zeitaufw wurde von den Krankenkassen als Grundlage für die Ermittlung der Zeiten und Kosten der medizinischen Behandlungspflege akzeptiert. Am Ende wurde jedoch ein einheitlicher Tagessatz für alle Pflegestufen als Mittelwert aus unseren Aufzeichnungen vereinbart.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.10.09 20:04.

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