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Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Report Redaktion ()
Datum: 17. September 2007 18:21

Wir freuen uns auf ihren Beitrag zum Thema

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: frigga12 ()
Datum: 17. September 2007 22:22

Ich wollte eigentlich an "Report Mainz Schreiben aber es geht auch so. Ich war nämlich auch ein Heimhind und hatte eine Lehre als Schreiner im " Jugendhilfswerk der Salesianer in Waldwinkel Bei Aschau. Die Lehre dauerte von 01.09.1963 bis 30.06.1966
Ick bekam damals einen Wochenverdienst im 1.Lehrjahr von 2,50DM,im 2. 3,00DM im 3. 4,00DM.
Wir stelltn BZW mussten für das " DRK " (Deutsches rotes Kreuz) Sanitätskisten in Massen fertigen.
Ausserdem bauten wir die Inneneinrichtung von Kloster Benediktbeuren und etliche Privatleute.
Das schlimmste ist das ich heute Erwerbslosenrentner bin und von 876,53E brutto leben muss weil mir die Bfa das erste Lehrjahr nicht anrechnet.
Soviel zum Thema

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Zwergenkoenig-1 ()
Datum: 17. September 2007 23:04

Hallo frigga 12, da hast Du ja noch Glück gehabt. Ich hatte im Heim nie die Chance, überhaupt etwas zu lernen oder Geld zu verdienen. Ich mußte für das Heim arbeiten und bekam nichts. Und auch mit Deiner Rente kannst Du doch immerhin leben, oder? Ich denke, da gibt es eine Menge Heimkinder, denen es noch viel schlechter ging und geht. Gruß Zwergenkoenig-1

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Erschreckend,
geschrieben von: Sachsenwolf ()
Datum: 18. September 2007 05:35

daß es so etwas auch in der Bundesrepublik gab. Bisher wurde immer nur von den Zuständen in Kinderheimen der DDR berichtet. Offenbar gibt es aber auh im Westen noch einiges an Geschichte aufzuarbeiten.
SW

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Re: Erschreckend,
geschrieben von: Zwergenkoenig-1 ()
Datum: 18. September 2007 10:50

Hallo, Ihr da draussen, es ist immer am einfachsten, mit dem ausgestreckten Finger auf andere zu zeigen-- manchmal auch, um vom eigenen Unrecht abzulenken. In der BRD sind in den Heimen grausame Dinge geschehen und die meisten dieser Kinder stehen auch heute noch im Abseits, ganz einfach, weil sie es nicht gelernt haben, in die Mitte zu treten und HIER zu rufen. Sie ducken sich, sie schweigen, weil Schweigen in den Heimen oberstes Gebot war! Das wurde verinnerlicht und bestimmte bei vielen den weiteren Lebensweg. Das heißt auch, unter anderem, das diese Menschen natürlich von selbstbewußteren Mitmenschen gnadenlos ausgenutzt werden konnten, von der Gesellschaft, die sie ja geprägt hatte, verurteilt und mit Schmutz und Hohn beworfen wurden! Würde ? Was ist das ? Die Menschenwürde wurde einem als erstes beim Eintritt in das Heimportal genommen, falls man sie nicht schon früher im Familienumfeld verloren hatte. Hin und wieder gab es welche, die aufmuckten, die als Mensch behandelt werden wollten! Das verging einem aber sehr schnell angesichts der dann folgenden Prügel, Einzelhaft und Arrestzellen, Dann gab es schnell noch den Vermerk in der Akte: UVB ( unverbesserlich) , und damit war dann alles gelaufen. Schöne heile Welt BRD-- das ich nicht lache!!---- Mir fällt auf, das meistens Heime für Jungen benannt werden und auch fast nur Männer zur Sprache kommen! Es gab auch Mädchenheime, und den Mädels ging es nicht besser als den Jungs, nur mal so nebenbei erwähnt. Wenn ich über mein Leben Bilanz ziehen soll, so kann ich nur sagen: GEBOREN, UM EIN NICHTS ZU SEIN-- das wars dann wohl. Grüße an Alle, die mit mir gelitten haben. Zwertgnkoenig-1

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Re: Erschreckend,
geschrieben von: meldie ()
Datum: 18. September 2007 16:10

Ja, es gab auch Mädchenheime. Sogar jede Menge. Und es ist ganz richtig das es dort auch nicht humaner zuging!
Ich weiß wovon ich rede denn ich habe einige Jahre dort verbracht und gearbeitet. Umsonst! Textilfirmen ließen dort nähen und Hotels ihre Wäsche waschen. Wir durften nicht sprechen bei der Arbeit. Nur den Kopf auf die Arbeit gerichtet damit viel geschafft wurde. Jedes zuwider Handeln wurde hart bestaft. Wie z.B. mit ein paar Tagen Klabause. Klabause = Gefängniszelle + Wasser und Brot sonst nichts. Es gab noch viele andere Dinge mit denen man uns gefügig und demütig machte aber die Klabause war für mich die schlimmste Strafe. Nun mögen Menschen die die Erziehungsmethoden in diesen Häusern nicht kennen glauben das Wort Strafe setzt eine Straftat voraus. Dem war aber nicht so. Bestraft wurde man für ganz normale, menschliche Reaktionen wie sprechen oder Lachen.
Es macht mich immer wieder so wahnsinnig traurig und wütend wie man mit uns umgegangen ist und mit diesen Erziehungsmassnahmen unser späteres Leben so negativ beeinflusst hat. Zaunkönig hat es sehr gut gesagt: wir haben nie gewagt in die MITTE zu gehen. Bis zum heutigen Tag nicht. In meinem Fall: fast 50 Jahre später.
meldie

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Re: Erschreckend,
geschrieben von: typotypen ()
Datum: 18. September 2007 18:51

Danke Zwertgnkönig-1, du sprichst mir aus der Seele. Auch ich bin ein Heimkind. Von 1955 bis 1960 war ich in Schelklingen (Kreis Ehingen) und habe für umsonst gearbeitet. Bei mir kamen außer den täglichen Schlägen und Mißhandlungen noch ein Arbeitsunfall dazu mit dem ich am 27.11.2007 mein 50 jähriges Unfall Leiden feiern kann. Ich habe das rechte Bein verloren. Die Rente kassierte das Fürsorgeheim insgesamt rund 5.500,- DM, davon habe ich nichts gesehen. Man wurde damals schlimmer behandelt wie ein Tier. Ein Psychiater von Tübingen bescheinigte mir schwachsinnig zu sein und ein potentioneller Mörder zu werden, wenn ich nicht im Heim verbleiben würde, wo man versuchen könnte, mich einigermaßen auf den rechten Weg zu bringen. Nur wo war der rechte Weg damals. Auch heute noch nach fast 50 Jahren habe ich wöchentlich Alpträume von dieser Zeit und von den vielen Strafduschen im Winter auch nur mit kaltem Wasser, konnte ich bis heute kein Freibad besuchen, weil ich auch im Hochsommer nicht kalt duschen kann. Und nun bin ich Rentner und werde wieder bestraft, dafür dass mir die Zeit von 1955 bis 1960 fehlt. wie lange will sich die Bundesregierung und die Kirchen, die dies verbrochen haben noch verstecken. Es muß was geschehen und das sehr bald, denn sonst erübrigt sich das Thema mit dem Tod der letzten geschundenen Heimkinder.

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Zwergenkoenig-1 ()
Datum: 19. September 2007 13:09

Hallo, hier spricht ZWERGENKOENIG-1--- da habe ich mich wohl verschrieben. Also, ich war doch sehr erfreut, ein Echo zu bekommen! Ich dachte schon, es interessiert mal wieder niemanden. Wir scheinen in der gleichen Altersklasse zu sein, ich war von 1955 bis 1964 in verschiedenen Einrichtungen, allerdings hauptsächlich in Niedersachsen, was in der Behandlung der Kinder aber keinen Unterschied machte. Es war eine recht bewegte Zeit, zumal ich natürlich immer ausgebüchst bin und eigentlich fast die ganzen Jahre in Dunkel- und Einzelhaft innerhalb der verschiedenen Heime verbrachte. Arbeiten auch fast nur im Alleingang, Akkord. Wenn man die geforderte Menge nicht schaffte, gab es nichts zu essen und Prügel und Demütigungen obendrauf. Ich überschreibe das immer mit: Mein geklautes Leben-- ich habe es bis heute nicht wieder bekommen. Naja, bezahlt habe ich indirekt auch noch dafür, denn meine mir zustehende Halbwaisenrente wurde auch noch vom Staat kassiert- als ich mit 21 auf die Strasse gesetzt wurde, stand ich vor dem Nichts. Das alles kann man einfach nicht vergessen und bewältigen, und da ich keine bin, die sich bei anderen ausheult, habe ich das bis heute auch richtig gut verdrängen können. Natürlich auf Kosten meines Umfeldes, denn nach außen hin prallt bei mir so ziemlich alles ab-- wie es drinnen aussieht, geht keinen was an! Meine Devise all die Jahre. Anfangs habe ich ja geweint, wenn es Prügel gab, später habe ich denen den Gefallen nicht mehr getan und galt dann natürlich als verstockt, bockig und uneinsichtig. Wie das halt so war. Ich meine, dieses Unrecht muß an die Öffentlichkeit und die dafür Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Mit Entschuldigungen, die diesen Menschen sehr unglaubwürdig über die Lippen kommen, sollte es nicht getan sein. Je mehr von uns aufstehen und sich in die MITTE stellen, desto eher werden wir gehört und vielleicht tut sich ja mal was. Viele Grüße und Mut--- Zwergenkoenig-1

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: meldie ()
Datum: 19. September 2007 19:00

In meinem ersten Beitrag habe ich mich verschrieben. Ich meinte natürlich Zwergenkönig und nicht Zaunkönig. Entschuldigung!
Ich bin immer sehr aufgeregt wenn ich über diese schlimme Zeit spreche oder schreibe. Ich habe zu lange darüber geschwiegen aus Scham das ich in einem Erziehungsheim war. Als kleines Kind auch in einem Kinderheim in der DDR. Erst vor vier Jahren habe ich angefangen darüber zu reden. Auch in der Öffentlichkeit, mit meinen Kindern und Bekannten. Nun ist es mir egal wenn einer mich, wegen meiner Vergangenheit, nicht mag. Jahrzehntelang habe ich alles dafür getan das es niemand erfährt. Heute ist mir klar das nicht wir uns schämen müssen sondern die Menschen die so grausam zu Kindern und Jugendlichen waren. Seit vier Jahren arbeite ich ( und viele mit mir ) dafür das unsere Geschichte publick wird. Die Welt soll wissen was in der jungen Bundesrepublick mit uns geschehen ist.
meldie

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: scuba1 ()
Datum: 21. September 2007 11:17

Hallo liebe ehemalige Heimkinder

Durch einen Bekannten bin ich auf die letzte Sendung Report aufmerksam gemacht worden.
So war auch ich ein Kind das ca. 2 Jahre im Salvator Kolleg in Klausheide , Nähe Hövelhof gewesen ist.
Es ist mir im laufe der Jahre vieles entfallen von dem was dort in Klausheide abgelaufen ist , jedoch einige Vorkommnisse werde ich mein Leben lang nicht vergessen.
Nie vergessen werde ich einen gewissen Herrn Droste , ziviler Angestellter des Salvator-Kollegs und als Aufsichtsperson in der Halle der Firma HELLA Lippstadt ( Autoscheinwerfer, Blinker usw.)
Wir arbeiteten am Fließband im Akkord für 5,- DM im Monat und das 8 Stunden am Tag.
Gewisser Herr Droste war ein äußerst brutaler Schläger und was er sagte war Gesetz und niemand wagte es ihm zu widersprechen und wehe es hat mal jemand gewagt es zu tun. Er prügelte und trat solange auf den angeblichen Übeltäter ein bis dieser weinend und verkrümmt vor Schmerzen am Boden lag. Ich werde dieses Tier mein Leben lang nicht vergessen und ich bin mittlerweile auch schon 63 Jahre alt.
Aber was sollten wir Jungen auch gegen die Allmacht eines Heims bzw. des Jugendamtes auch ausrichten. Wir hatten nur zu spuren und den Anweisungen der Nonnen,Patres, Brüder oder anderer Erziehern zu folgen und wehe wir waren nicht schnell genug.
Hygiene wurde klein geschrieben, Duschen, einmal die Woche und Wäsche wechseln ebenso.
Ein Arztbesuch nur unter äußersten Schmerzen, kann mich noch gut an meinen Blindarm erinnern, es hieß ich solle mich nicht so anstellen bis ich abends doch noch ins Krankenhaus nach Neuhaus gebracht wurde.
Ein Gastpater aus China ( Name vergessen) war einige Monate als Erzieher in unserer Gruppe, er konnte nichts anderes als die Jungens mit seinem Klumpfuss zu treten und an den Haaren zu ziehen.
Vergessen werde ich auch nicht einen Herrn Stemig, genannt der Lange, nur er hatte Recht ansonsten gab es Prügel.
Nie vergessen werde ich unter anderem den Direktor des Heimes der sich an den Jungen in meinem Alter verging und dann eines Tages verschwunden war weil er abgelöst wurde. Diese Geschichte wurde verschwiegen damit nur kein Schatten auf den Orden der Salvatorianer fallen konnte.
Auch die Nonnen dort waren nicht ohne aber darauf möchte ich hier nicht eingehen, würde den Rahmen des Forums sprengen.
Leider sind viele Verantwortliche aus dieser Zeit schon tot denn ich würde mich heute gerne mit diesen Leuten auseinandersetzen und sie fragen wie sie darüber denken was sie uns Kindern bzw. Jugendliche angetan haben.
Außerdem habe ich vor dieses Heim doch noch einmal aufzusuchen um zu sehen was dort jetzt passiert und was sich geändert hat.

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Zwergenkoenig-1 ()
Datum: 22. Oktober 2007 21:49

Hallo scuba 1 , ich denke nicht, das es gut ist, diese Orte noch einmal aufzusuchen und sprechen würde ich auch nur ungern mit den damaligen Erziehern/Erzieherinnen. Warum ? Na, weil sie doch nur lügen und versuchen, sich heraus zu winden. Neulich sah ich eine Sendung, in welcher zwei Diakone aus Freistatt befragt wurden. Deren Antworten zeigten mir, das sie sich nicht damit auseinander setzen und nicht versuchen, ein bißchen wieder gut zu machen. Nein, sie versuchen schön zu reden und die Schuld auf andere abzuwälzen. Eigentlich wie gehabt--- der Mensch gibt zwar oft vor, sich ändern zu wollen, aber er tut es in den seltensten Fällen.
Ich denke auch, das die Politiker warten, bis sich das Problem ehemalige Heimkinder auf biologische Weise löst, indem die Menschen einfach nach und nach sterben. Sie könnten handeln, sofort-- aber sie wollen nicht. Wenn sie ihre Diäten erhöhen wollen, geht das rucki zucki--- da kann man nur noch staunen!
Ich wünsche allen, die es betrifft, viel Mut und Ausdauer und alles Gute
Zwergenkoenig

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Joker ()
Datum: 06. November 2007 00:34

Vergangenheit und Gegenwart


Hallo Zusammen,

nun lest Hier und Heute, meine Geschichte.
Es beschäftigt mich jeden Tag, deshalb hier in diesen Thread.

(nebenbei erwähnt, rechtschreibefehler können verschenkt werden;-) )


Hi ich bin Günter

Irgendwann mal im Jahre 59 durfte ich das Licht der Welt erblicken wie auch mein Zwillingsbruder, der aber Verstarb bei der Geburt.
Somit reihte ich mich ein in die Großfamilie von Neun Kinder. Durch meinen Stiefvater erlitt ich schwerre psychische Störungen.
Als schwerrerziehbar kam ich in ein Kinderheim.

Kapitel 1

Meine Kindheit


An die ersten Jahre meiner Kindheit kann ich mich nicht erinnern, aber einige Bruchstücke kehren oft wieder.
Durch unachtsamkeit durch Leichtsinnigkeit meiner Eltern kam ich in den Genuß einen ersten Vollsuff zu haben. Was im nachhinein
als Lustig empfunden wurde. So in etwa .. guck mal unser Sohn ist schon ein Mann und ähnliches. Sehr frustrierent für einen Bubi wie mich. Diese Tatsache sollte später mein Leben enorm beeinträchtigen. Ein anderer Tag wiederrum da wurde ich fast halbtot geprügelt, weil ich meine neugekauften Schuhe kaputtgemacht hatte. Als Junge stößt man ja mit dem Fuß mal einen Stein oder. Doch dafür gab es nur Terror. Mein Stiefvater war ein Despot. Um meine Erinnerungen nicht zu hart erscheinen zu lassen, rede ich mir immer ein er
konnte nichts dafür, zumal damals die Erziehungsmethoden anders waren wie heute.
Durch die vielen Mißhandlungen die Ich am eignen Leib erfuhr, wurde die Schule darauf aufmerksam...weil ich ständig in der Schule
fehlte und anfing zu stehlen. Ich selbst fand mein Leben Abenteuerlich, zumal ich gerne rumstrolchte. Zu Hause durfte ich es nicht, da wir da schon im Bett liegen mußten wenn der Despot von der Arbeit kam. Wehe wir waren zu laut oder mucksten uns... da gab es nur
noch übelste Schläge. Selbst wenn meine Mutter sich dazwischen warf wie eine Wölfin, sie mußte auch schwerre Verletzungen hinnehmen. Habe nun erstmal nur den Gipfel erzählt des eisberges der noch kommt. Eines Tages mußte meine Mutter den Koffer packen und ich wurde von einer fremden Frau an einen Ort gebracht, der mir nicht gefiel. Ich kam ins Heim. Wie ich mich da gefühlt habe, könnt Ihr euch denken. ICH WAR VERLASSEN . Mein Heimweh war dermaßen groß, so das ich es in Kauf nahm bei meinen Fluchtversuchen zu Tode zu kommen. Mein Vorteil war damals meine Rumstrolcherei und meine Raffinesse wie man zu Dingen kam.
Über so ein Erlebnis werde ich Euch auch mal berichten als zwischenkapitel.

Nach einiger Zeit im Heim, wo ich auch mißhandlungen erleiden mußte, glaubte eine Erzieherin namens Tante Gretel mich bestrafen zu müßen, nur weil ich noch Bettnässer war. Sie diskritierte mich in alle öffentlichkeit. So das ich zum Gelächter des Heimes wurde.
Daraufhin wurde ich das erstemal Gewalttätig. Ich rieß ein Wackerstein aus dem Boden, wer mir diese Kraft gab ich weiß es nicht, diesen warf ich dieser Erzieherin voll in das Gesicht. In diesem Moment war mir die Welt egal. Ich verletzte diese Person erheblich.
Dieser Wutausbruch wurde mir auch für das spätere Leben zum Verhängnis.
Nach dieser Tat flüchtete ich wiedermal richtung Heimatstadt. Sie suchten mich in der ganzen Umgebung, hundertschaften suchten den Wald ab. Ich sag euch das war ein Abenteuer.Zwei Tage durch die Wildnis wie ein gejagder Wolf, 50 KM gelaufen einbezogen der Ausweichrouten wegen der Polizei. Ich wollte doch nur nach Hause... könnt Ihr mich verstehen?
Irgendwann kam ich nach Hause. Mein Drang zur Mutter gleich in die Wohnung zu gehen wurde durch meine Angst vor dem Stiefvater überdeckt. Deshalb weil ich erst spät Abends nach Hause kam, ging ich um das Mietshaus und grub mich unter dem Balkon unserer Wohnung in die Erde ein und schlief erschöpft ein. Am nächsten Morgen wurde ein Nachbar aufmerksam auf den Erdhügel unter dem Balkon und berichtete meiner Mutter, die mich dort dann fand.
Nichts destotrotz es half nichts, ich wurde wieder rausgerissen aus der Familie. Durch mein damaligen Wutausbruch und die starken Verletzung der Tante Gretel ( man verzeihe mir meine Tat ) wurde ich in eine Psychatrie eingeliefert in Idstein Taunus. Dort sollte ich Untersucht werden. Heraus kam nur ....Mileubedingte Verwahrlosung mit Neurothischer Komponente... wer weiß schon was das hieß!
egal ich versuchte auch diese Zeit zu Überstehen.
Von dort kam ich dann in ein Kinderheim Jugendheim in Frankfurt, wo ich erstrecht zum Tier erzogen worden bin. dort in einer Wohngruppe wurde ich Integriert. Doch es dauerte nicht lange bis ich von einem anderen Heimzögling regelrecht überfallen wurde, gegen seine Kraft konnte ich nichts entgegensetzen außer einer schwerren Eisenkette, die ich Ihm um den Kopf wickelte. Mit voller Wucht traf ich ihn und erflog etwa zwei Meter den Flur entlang. Zitternt vor Angst stand ich da. Selbst nicht bemerkend das ich mir in die Hoise gemacht hatte. Solche auseinandersetzungen erlebte ich tagtäglich ohne das die Erzieher mir halfen. Sie sagten nur zu mir ... wehr dich ...meine Verrohung fing an Gestalt anzunehmen. Durch meine massiven Ausfälle wurde ich nach etwa einem Jahr in ein Heim für schwerrerziehbare Jugendliche nach Börgermoor bei Papenburg verfrachtet ( Emsland). Dort erlebte ich dann die Hölle.


...nun ein weiterer Ausschnitt aus meiner Kindheit.

Eines Tages im Jugendheim Frankfurt.
In dieses Heim wurde ich nach der absolvierung in der Psychatrie Idstein untergebracht.
Doch durch die schwierigkeiten, ich war damals um anerkennung zu erhalten in die Heimeigne Clique geraten, aus der es kein Ausweg gab. Anstatt Schule machte ich lieber Raubzüge.. bis uns eines Tages die Polizei besuchte im Heim.
Die Erzieher sagten, das sie es sich nicht erklären können, das Wir so handeln würden. Ist klar , eine blöse vor der Öffentlichkeit wäre ein schlechtes Licht für diese Heim gewesen. Wir waren eh für das Personal neutorische Lügner!
Das meine Taten verwerflich waren, war mir damals ganz bestimmt nicht bewußt.
So kam es, das Wir beziehungsweise ich als schwerrerziehbar eingestuft wurde, somit wurde ich kurzerhand Abgeschoben ins Emsland.

Als ich dort ankam, sah ich das Klosterartige Gebäude...sah Menschen mit Kostüme in Schwarz und in Weiß, jeder hatte ein Kreuz bei sich..
Naja, was solls ... keiner wollte und konnte nicht verstehen warum ich Heimweh hatte. Ich fühlte mich abgeschoben, verraten und verkauft.
Wir mußten dann nachdem die Schule fertig war , raus ins Moor torfstechen. Eine Arbeit die für Kinder wohl nicht geeignet war.
Die auseinandersetzungen nahmen zu mit den Heimzöglingen, bis an dem Tag wo mir einer mit seinen Arbeitsschuhen meine Genitalien eintrat. Zwei Wochen später hatte ich einen Arzttermin, der beschaute mein bestes Teil, doch das war nur noch matsch.
Ich kam ins örtliche Krankenhaus, dort flickte man mich zusammen. Keiner teilte mir mit, das ich nicht mehr Zeugungsfähig war.
Bewußt wurde mir das erst nach 20 jahren, Leider zu spät. Das war eine neue Tatsache mit der ich Leben mußte. Nach zehn Tage wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen, kam auf meine Wohngruppe `Kajüte `hieß die. Der dort mitlebende Zögling Thorsten Ruge der mir das angetan hatte, lief im Hausfur herum. Ergrinste mich an, sagte wenn ich noch Propleme hätte, könne er es gerne wiederholen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aber eine gebrochene Nase, der Verband war frisch. Die schmerzen die ich hatte wollte ich Ihm heimzahlen , das habe ich dann auch getan. Das grinzen hat mich richtig wütend gemacht, so ging ich dann auf Ihn zu und sage ...versuch es ... dann wirst Du sehen was du von hast. Er war wohl in seiner Gruppenkompetenz verletzt und kam und versuchte nach meiner Oberationswunde zu tretten. Ich wich ihm aus und traf mit meiner Faust voll auf die Bretzel ( nase). Ich hatte noch nie einen Menschen so schreien gehört. Aber es war mir egal, durch den schlag außer gefecht gesetzt , schlug ich nochmals drauf.
Heute sieht er aus wie ein Boxer... denk ich mir.
darauf kam ich in ein Zimmer 3x2 meter groß, in dem ein Extra abgetrennter Raum mit Gittern angebracht war. Ein Betonsockel auf dem man Schlafen sollte, dort verweilte ich 1 Monat lang, als Strafe um mich zu läutern. Ich hatte keine möglichkeit mich zu rechtfertigen. Nach diesen Monat wurde ich auf die schwerrerziehbare Gruppe `Wartburg`verlegt.
der dort tätige Erzieher war ein knallharter Hund. Ich wurde einfach in ein Zimmer gelegt von einem mitzögling der absolut als Gefährlich galt. In der ersten Zeit kam ich nicht aus meinem Zimmer, nur zum Essen. Ich war eh geschockt von der Ungerechtigkeit .
Am Abend als der Erzieher nach Hause ging wurde die Wohngruppe abgeschlossen und nur Nachts einmal kontrolliert.
der Gruppenboss von den Zöglingen hieß damals `` Hui `dieser bestimmte wer in der Nacht gefoltert wird und wer nicht. Weshalb auch immer , er ließ mich als Neuer auf der Gruppe in Ruhe. Doch der andere Neue Junge wurde in der Nacht aus seinem Bett geholt in das Bad geschleppt von mehreren Händen und mit Eiskalten Wasser bei Winderkälte mit offenen Fenster eine Stunde gequält.
Alle mußten dabei sein, wer nicht im Bad war, war das nächste Opfer für Monate. Zum Glück mußte ich nicht mit Handanlegen.

Wir hatten auch öfter Ausgang wenn wir uns dementsprechend benahmen, diesen nutzten wir auch für Raubzüge um unser Taschengeld von 2 mark 50zig aufzubessern. Ich war ja damals noch dreizehn, das war auch der Anlaß das ich mitgenommen wurde bei den Raubzügen von Hui und seine Bande. Es wurde mir erst später bewußt, das ich noch nicht strafmüntig war. Gesagt getan, um ja kein neues Opfer von Hui zu werden, tat ich was man von mir wollte.
Diese Gewalttaten, diese Raubzüge, vermittelten mir ein ganz schlimmes Gefühl, doch meine Angst vor Reppressalien ließ mich diese Tatsache vergeßen.
Ich verweilte bis dahin etwa (nach drei gescheiterten Fluchtversuchen) etwas mehr wie drei Jahre dort. Eines Tages gelang mir die Flucht.
Bei einem Raubzug erbeuteten wir mehr als 1200 DMark. Der Hui sage er teile dies auf, stattdessen gab er es in der Jugenddisco zum Teil aus. Mein Glück war, das er unheimlich betrunken war und seine Freunde schon im Heim waren. Mit einem Taxi fuhren wir in die Nähe des Heimes, betratten über das Moorgelände das Heimarreal und schlichen uns in die Wohngruppe rein.
Komischerweise wurden wir nicht auffällig, oder man wollte es nicht sehen. Ich brachte Hui auf sein Zimmer. Da fiel mir auf das er sein Geldbeutel zwischen Bauch und Hosenbund hatte.Er war mittlererweise nicht mehr fähig irgendein mucks zu machen, Ich nahm das Beutelchen an mich und nutzte die Gunst der Stunde und flüchtete aus dem Heim.
Eine Reise von 600 KM lag vor mir. Ihr könnt mir glauben wie frei ich mich gefühlt habe! Nach etwa 3 wochen erreichte ich Frankfurt.
Den meisten Teil bin ich gelaufen, erst nach Oldenburg, dort zur Autobahn, wo dann die Richtung angezeigt war.
Dort angekommen und etwas reifer, ging ich zwar mit bammel zu meinen Eltern, die sich rießig freuten mich wiederzusehen. Doch mein Stiefvater wollte mich gleich wieder abholen lassen. O Gott was haßte ich diesen Kerl.
Ich floh aus der Elterlichen Wohnung, begab mich auf den Bahndamm der quer durch unsere Wohnsiedlung führte und stellte mich auf die Gleise mit dem Wissen gleich sterben zu müßen.
Meine Mutter wurde von den Nachbarn informiert, das ich da oben stand. Sie kam gleich gerannt und wollte den Damm hochkrabeln, ich sagte geh ich will nicht mehr, sie antwortet was soll ich tun. Geh zu dem Stiefvater und sage ihm, das ich gleich sterbe wenn er nicht zuwilligt das ich wieder nach Hause kommen darf.
Irgendwann nach Stunden kam mein Stiefvater auch an den Bahndamm und versicherte ich darf zu hause bleiben.
Er hatte die Erfahrung mit meinem Bruder gemacht und sich beulen eingefangen, so war er überzeugt worden.
Stellt euch vor ich durfte wieder nach Hause...-. ich hatte wieder meine Mutti zurück...


Erinnerung aus der Kindheit, zeitlich nicht mehr nachvollziehbar!




Anfang in der familie...

Wir waren neun Kinder, davon gab es eine Schwester die genauso schlimm , wenn nicht noch schlimmer Agierte.

Ich bekam Abends um genau 18 Uhr das letzte mal zu trinken, dann mußte ich wegen meinem Stiefvater und meiner leiblichen Schwester jämmerlichen Durst erleiden. Das das kein Mensch durchhält ist klar. Die Küche war abgeschlossen, das Bad auch. Die zweite Toilette dort wurde das Wasser abgestellt vom Waschbecken. Vor lauter Durst mußte ich aus der Toilettenschüssel drinken.
Tja und nächsten Tag war das Malör passiert. Das meine einnässerei Psychischer Natur war, wegen den mißhandlungen meines Stiefvaters, das wollte man nicht in betracht ziehen.
Der Bruder meines Stiefvaters wollte mich mißbrauchen, an einem Wochenende wo ich zu Besuch bei ihm sein durfte. Hätte ich gewußt was mich da erwartet, wäre ich nicht mitgegangen. Eigentlich sollte man seinem Onkel vertrauen können oder?
Pustekuchen, er hatte einen Fernseher mit Videogerät gehabt , dort spielte er Sexfilme ab , ging hinaus kam nur mit der Unterhose begleitet zurück, schob sein Glied vor mich aus der Hose und sagte schau mal wie feucht er ist, er nahm meine Hand und führte Sie zu seiner Kupe und rieb diese darauf. Ich zog die Hand zurück, fiel in einen Schreikrampf und schrie das sage ich meiner Mutter und meinem Stiefvater. Doch zu Hause hatte ich keine Chance mich mitzuteilen, da er log bis die Balken sich biegten.
Als ich endlich was sagen wollte , nahm er mich und steckte mir mit Gewalt diesen Limburger Käse in den Mund und hielt zu. Das ich mich übergeben mußte kann sich jeder Denken oder. Zumal ich damals die Aufnahme von Käse verweigerte. Diese Schwäche nutzte er aus. Als sein Anzug richtig benetzt war von meinen Verdauten, schnappte mich mein Stiefvater und verprügelte mich Mörderich.
schlug meinem Kopf an den heißen Pullerofen, so das ich eine Platzwunde erleiden mußte. Ich mußte dann ohne Abendessen ins Bett.
Am nächsten Tag hatte ich natürlich das Bett wieder nass. Meine Schwester nahm meinen Kopf und tunkte diesen darein, zog es anschließend ab und meinte mich bestrafen zu müßen. Ich wurde in eine Ecke gestellt, das Betttuch wurde mir übergestülpt und ich mußte fast den ganzen Tag darunter verbringen. Soviel zu den obskuren Erziehungsmethoden meiner Familie.
Eigentlich war ich damals dann ja froh ins Heim zu kommen, doch das es da genauso ablief nur um Stufen schlimmer... oh man oh man... Whyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyy!!!!!!
Danach fing dann mein sozialer Abstieg an, ich stahl nur noch, schlug mich rum, da ich glaubte so ist die Welt... nur die Harten kommen in den Garten...!
Wieviel Schmerzen ich körperlich und psychisch erleben mußte ... es bleibt nicht aus, das hier eine Gewaltwelle nach der anderen bei Mir ausbrach. Das lest Ihr dann im nächsten Abschnitt.

Absatz: erster langer Abschnitt (Anfang meiner Heimkarriere)

....Nach einiger Zeit im Heim, wo ich auch mißhandlungen erleiden mußte,
glaubte eine Erzieherin namens Tante Gretel mich bestrafen zu müßen,
nur weil ich noch Bettnässer war. Sie diskritierte mich in alle
öffentlichkeit. So das ich zum Gelächter des Heimes wurde.
Diese Tante Gretel war auch nicht abgeneigt, zöglinge zu mißhandeln.
Als ich als Bettnässer bekannt war, ließ Sie nichts aus mich zu diskriminieren. Ich mußte meine nasse Bettwäsche durch den ganzen Flur bis zur Waschküche des Heimes so tragen, das jeder das Malör sehen konnte. Hinter mir die ganzen Heimzöglinge.
Ihr Ziel war es mich damit zu heilen indem Sie mich der peinlichkeit preisgab. Damit war nicht genug, wenn sie Nachtdienst hatte, weckte Sie mich alle 2 Stunden in der Nacht, wehe es war geschehen. Prügelstrafe war angesagt
Das ich dann hassgefühle entwickelte, ist vollkommen normal. Da passierte halt der Übergriff meinerseits. Sie hatte diese Aktionen schon länger bei mir durchgeführt. Auch andere Zöglinge waren davon betroffen.
Auch gab es dort ältere Zöglinge, die sich sexuell anderen Zöglingen näherten und diese mißbrauchten. Ich hatte mich da erfolgreich verteidigt, da ich ihm eine Holzlatte durch das Gesicht zog. Daraufhin ließ er von mir ab und suchte sich schwächere. Die Erzieher hatten Kentnis davon und unternahmen nichts dagegen. Sie taten dies als normale Doktorspiele ab. Wenn ich die möglichkeit hätte würde ich mich gerne gegen diese Schweinehunde zu wehr setzen im nach hinein.

In kürze mehr von meinem Leben

Günter

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Martin Mitchell ()
Datum: 12. Dezember 2007 10:14

Ein schönes Hallo aus Down Under.

Einige von Euch werden mich schon aus einigen anderen Diskussion-Foren kennen. Ich schreibe zu diesem Thema schon seit über vier Jahren, mit der Aufforderung an alle Verantwortlichen und ihre Rechtsnachfolger für das an ehemaligen Heimkindern begangene Unrecht volle Verantwortung zu nehmen, Rechenschaft abzulegen, und Sühne zu tun. Unsere damaligen Peiniger und ihre Rechtsnachfolger, jedoch tun sich damit immer noch sehr schwer und es wird wohl noch einige Zeit dauern bis eine vollständige und uneingeschränkte Aufarbeitung dieser Periode in der bundesrepublikanischen Geschichte stattfinden wird.

Ich kann sogar stolz darauf sein, zumindest im Hintergrund, anfänglich, an diesem Fernsehprogramm "Drangsaliert und Ausgebeutet - Heimkinder klagen an" ein klein wenig mitgewirkt und beigetragen zu haben. Ich wurde nämlich speziell von der Redaktion von REPORT MAINZ in Australien kontaktiert und um Hinweise für dieses Program gebeten, Hinweise die ich ihnen auch gerne zur Verfügung gestellt habe ohne ein Entgeld dafür zu verlangen (wo mir doch immer wieder von Gegnerseiten vorgeworfen wird, daß ich nur "geldgeil" bin und "eigennützig" handele).

Und nicht nur habe ich schon seit über vier Jahren in verschiendenen Foren zu diesem Thema geschrieben, aber ich betreibe auch weiterhin auf meine eigenen Kosten meine eigene Webseite dazu - ins Leben gerufen am 17. Juni 2003. Meine Webseite, HEIMKINDER-UEBERLEBENDE.ORG benannt, befaßt sich eingehend mit den Überlebenden dieser "Schwarzen Pädagogik" in der Heimerziehung und der "institutionellen Kinderzwangsarbeit“ der Nachkriegszeit die dort betrieben wurde - im "Wirtschaftswunder Westdeutschland" - Bundesrepublik Deutschland, also nicht in der DDR (obwohl in den Jugendeinrichtungen dort ebenfalls viele schlimme Dinge passierten). Desweiteren liefere ich auf meiner Webseite extensive fotographische Beweise für diese damals in Westdeutschland betriebene "Kinderzwangsarbeit".

Die Frage stellt sich meinerseits: (A.) Wann wird die Katholische Kirche in Deutschland bereit sein, sich für das gegen ehemalige Heimkinder in ihren damaligen Einrichtungen in Deutschland begangene Unrecht und die damit verbundene Rechtsstaatswidrigkeit, zu entschuldigen und Sühne zu tun? (B.) Wann wird die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bereit sein, sich für das gegen ehemalige Heimkinder in ihren damaligen Einrichtungen in Deutschland begangene Unrecht und die damit verbundene Rechtsstaatswidrigkeit, zu entschuldigen und Sühne zu tun? (C.) Wann wird das Deutsche Parlament, der Deutsche Bundestag, die verschiedenen Deutschen Landtage - der Deutsche Staat - der ebenso schuldig ist, und an diesen Misshandlungen und Vergehen gegen ehemalige Heimkinder beteilt war und massiv davon profitiert hat - bereit sein sich zu entschuldigen und Sühne zu tun? (D.) Wann wird die Deutsche Industrie, und große sowie auch kleine Wirtschaftsbetriebe und Individuen, in ganz Deutschland ( im "Wirtschaftswunder Westdeutschland" ), die ebenso, in einem großen Ausmaß, über Jahrzehnte hinweg, an diesen Misshandhandlungen und Ausbeutungen ehemaliger Heimkinder beteiligt waren und davon profitiert haben, bereit sein sich zu entschuldigen und Sühne zu tun?

Diese Fragen werden gestellt ( und schon seit den letzten vier Jahren gestellt ! ) von: Martin Mitchell ( Jugendamtsopfer - BRD-Heimerziehungsopfer - Ehemaliges Heimkind - westdeutscher Zwangsarbeiter / forced labourer - Fürsorgehäftling - Jahrgang 1946 - entflohen / ausgewandert nach Australien in 1964 ).

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Rädzan ()
Datum: 12. Dezember 2007 18:23

Hallo liebe Betroffennen,

Ich möchte euch ermutigen weiterzumachen. Geht an die Öffentlichkeit, nennt Namen.

Ich will hoffen dass Report einen Schwerpunkt daraus macht.

Gruß

Rädzan, Kind des Wirtschaftswunderland Westdeutschland Jahrgang 1952

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: rolf ()
Datum: 13. Dezember 2007 09:18

meine geschichte kann man bei martin mitchell nachlesen.
[www.heimkinder-ueberlebende.org]

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Zwergenkoenig-1 ()
Datum: 13. Dezember 2007 17:23

Hey Joker----man -----das muß ich erst mal verdauen ! Das war ja wirklich die Hölle!!!!!!!


Hallo M:_M: Nun lese ich mal etwas mehr von Dir persönlich! Ich kann nur hoffen, das hier nun wirklich mal eine gute Diskussion in Gang kommt! Bisher hatte ich echt das Gefühl, ich bin fast allein im weiten All.
Wenn Plattformen geboten werden, und man sie nicht nutzt-------------wem bringt das was?
Weiß jemand näheres über neue Akttionen des Vereins für ehemalige Heimkinder? ( nicht Im Heim--- mit denen will ich nichts zu tun haben )

Mir ist heute bei einem Telefongespräch etwas eingefallen, das muß ich auch mal los werden: ich hatte in einem der diversen Heime, in denen ich war, ein Zimmer, was wohl mehr eine Besenkammer war. 2 meter mal 2 meter, ohne Fenster, somit auch ohne Frischluft. Jeden Morgen das gleiche Ritual! Ich kam aus dem Zimmer, kriegte links und rechts eine geknallt, wurde angeschrien mit den Worten: wie stinkt das Zimmer denn wieder----- los, ab zur Arbeit ! Ja, wie sollte ich das wohl ändern? lüften konnte ich nicht, wenn ich von der Arbeit kam, wurde ich eingeschlossen----------- ist doch klar, das der Raum dann stinkt. Aber das erzähl denen mal. Gab man Widerworte, kam gleich Prügel hinterher, zumal wir sowieso nicht reden durften.
Welch ein Wahnsinn war das alles.
Grüße aus dem Norden
Zwergenkoenig-1

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Martin Mitchell ()
Datum: 14. Dezember 2007 06:07

rolf schrieb:
-------------------------------------------------------
> meine geschichte kann man bei martin mitchell
> nachlesen.
> [www.heimkinder-ueberlebende.org]
> -ehemaliges-Heimkind-Rolf-Breitfeld-Jg.1948-ueber-
> die-Freiwillige-Erziehungshilfe-und-Fuersorgeerzie
> hung-bzw.-die-damalige-Kinderquaelerei-in-Glueckst
> adt-Schleswig-Holstein.html

Ein schönes Hallo an alle Teilnehmer zu dieser Diskussion, und auch an diese - an alle - die sich vielleicht auch erst später hier einfinden werden.

Ja, der DIREKTE LINK zu Rolfs Geschichte, aber nicht nur zu seiner Geschichte, aber auch zur landesfürsorglichen Geschichte des Landes Schleswig-Holstein der Nachkriegszeit - besonders im Landesfürsorgeheim Glückstadt - ist hier zu finden @ [www.heimkinder-ueberlebende.org] (einfach diesen LINK anklicken). Und diesem Zeitzeugenbericht von Rolf ist ebenfalls, in einem PDF-Dokument eine Diplomarbeit aus dem Jahre 1997, sowie ein Zeitungsartikel, der etwas über Glückstadt zu Nazi-Zeiten schildert, angeschlossen. Alles sehr aufschlußreich !!! Und all diese aufschlußreiche Information zur deutschen Zeitgeschichte, ist nur auf den von aus Australien ausgehenden "Schmuddelseiten" oder auch "Gammelpage" des "hochgradig psychotisch gestörte[n] Kriminelle[n], Martin Mitchell" - womit einige seiner Gegner in Deutschland Herrn Mitchell und seine Webseite HEIMKINDER-UEBERLEBENDE.ORG hoffen herabzuwürdigen zu können - zu finden. Na dann mal viel Glück an die Revisionisten.

Solche Herabwürdigungen der Opfer der damaligen Heimerziehung im "Wirtschaftswunderland Westdeutschland" sind natürlich in diesem SWR.de-Forum nicht möglich, weil sie hier nicht geduldet werden würden. Und dafür danken wir, die Heimerziehungsopfer der alten Bundesländer, diesem Fernsehsender jetzt auch noch mal ganz besonders !

Mit freundlichen Grüßen aus Down Under

Martin Mitchell

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Brigitte ()
Datum: 14. Dezember 2007 15:23

Hallo,

ich recherchiere zum Thema Zwangsadoption in der BRD. Mindestens bis Ende der 70er Jahre wurde jungen Müttern in Heimen die Kinder abgenommen und dem Adoptionssystem zugeführt. Wer hat dieses selbst erlebt oder hat Kenntnis hiervon?

Ich selbst bin eine sogenannte "Herkunftsmutter" und Mitglied der Interessengemeinschaft Humane Adoption. Kontakt unter:

bege@netcologne.de
www.adoptions-forum.com

M.f.G.

Brigitte Bege

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Zwergenkoenig-1 ()
Datum: 15. Dezember 2007 16:12

Hallo Leute-------------------also, so ist keine lebendige Diskussion zu führen! Bis hier ein neuer Artikel Artikel eingestellt wird, vergehen Tage---das frustst. Geht doch mal auf das " Diakonie Forum ", da tut sich etwas mehr. Gruß zwergenkoenig-1

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: ernst rudolf ()
Datum: 23. September 2008 19:36

ich war in den Jahren 67-70 zögling in freistatt haus moorstatt. davor war ich aus einem freieren heim in hasloch in der pfalz abgehauen und hatte mich in frankfurt als stricher und tellerwäscher verdingt, bis die polizei mich aufgriff und nach freistatt brachte.
endstationwar das damals.
auch in freistatt gab es noch unterteilungen und moorstadt war nicht das schlimmste.
ich persönlich fuhr nicht mit den pumploren ins moor weil ich einen schatten auf der lunge hatte.
ich habe in diesen 2,5 jahren nicht von schlägen und misshandlungen mitbekommen. was ich schlimm fand, das die bettnässer morgens ihr laken hochhalten mussten, bis sie nicht mehr konnten. oder wenn nachts krach im schlafsaal war, alle aus dem bett mussten und die laken hochhalten mussten bis die arme schmerzten.
das schlimmste für mich war, alleine zusein, das gefühl von meiner mutter abgeschoben worden zu sein.
heute kann ich meine mutter besser verstehen, den ärger, den ich ihr gemacht habe, war schwer auszuhalten.
kurzum, für mich war die einqweisung der wendepunkt.
ich begann eine lehre in der anstaltsbäckerei und hatte viel freiheit, schule in nienburg. einige andere lehrlinge hauten ab und mussten wieder ins moor fahren.
ich litt weniger unter freistatt, als unter den umständen die mich dorthin brachten.
ich persönlich habe bei vielen erziehern schon auch eine fürsorge erlebt, die sich halt unter dieser strenge und reglementierung
verbarg.
mit meiner entlassung geriet ich beinahe wieder in den sog der vergangenheit, habe aber letztendlich durch die auseindersetzng
mit mir und der vergangenheit mein leben inden griff bekommen.
manchmal legt sich diese vergangenheit wie ein tuch über mich und beschert mir dunkle tage.
aber das hat nicht mit freistatt zu tun, das liegt noch tiefer.

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Blaumeise ()
Datum: 19. März 2010 15:07

Hallo ihr Ehemaligen
grüss dich scuba1

Auch ich möchte mich hier noch einmischen und manchen Personen die sich der Kinder- und Jugenderziehung verschrieben haben bzw. hatten, den Spiegel des Sadismus und der Brutalität vorhalten. Ich fange mit der ersten Station an. Wir schreiben das Jahr 1955. Ich war sieben Jahre alt als ich nach den Tod meiner Mutter in das Waisenhaus "Vinzenwwerk" in Handorf bei Münster/ NRW, geleitet von den Nonnen "Unserer lieben Frau" mit ihren Gehilfen, den Gruppenerzieherinnen abgeschoben wurde. Erzieher gab es nur zwei und das waren die beiden Lehrer der Heimschule, die allerdings auch nicht den Hintern der Buben und die Rücken der Madchen verschonten. Der Stock war immer parat und er tat seine Arbeit so gut, als wäre er eigens für diese Aufgabe gewachsen. Lehrer Keller war der brutalere während Lehrer Dumbrok lediglich den Rohrstock benutzte allerdings war er auch nicht mehr der Jüngste.
Ich wurde ein Bettnässer und blieb es bis zu meinen vierzehnten Lebensjahr. Aber die Methoden, einen Bettnässer das Nässen abzugewöhnen waren ungewöhnlich. Jeder Junge dem dieses Malleur passierte und viele waren dabei, denen passierte es jeden Tag, wozu auch ich gehörte, mussten sich vor dem Frühstück eine Etage tiefer in einer Reihe anstellen und ich möchte noch erwähnen, klein war diese Reihe nie. Eine Nonne, es war die Schwester Maria Bernharde, nahm sich jetzt jeden Jungen einzeln an und verdrosch ihn mit dem Stock. Wieder in die Gruppe angekommen hielten sich die anderen Kinder auf Anweisung der Erzieherin ihre Nasen zu. Ab drei Uhr nachmittags durften wir nichts mehr trinken, egal ob Sommer oder Winter und wenn man doch heimlich Wasser trank, konnte man sicher sein von anderen Kindern verpetzt zu werden. Dann gab es wieder Prügel, diesmal von der Erzieherin. Es gab nur eine Möglichkeit seinen Durst ohne Prügel zu stillen. Richtig, aus den Wasserbecken der Toilette.
Diese Erzieherin, ihr Name ist Diethild Bittner, hatte aber noch mehr schlagende Argumente. Wenn sie Nachtwache hatte, ging sie durch die Schlafräume der Kinder. Sprechverbot war selbstverständlich und geschlafen wurde nur auf der rechten Seite ausser man lag an der Wand, dann zur Wandseite. Nie werde ich es vergessen, es läuft immer noch wie ein Film in mir ab, als ein Bub, nicht einmal zehn Jahre alt der zur Wandseite lag, sich im Schlaf umdrehte und sich dafür eine schallende Ohrfeige einfing. Die Betretenheit in dem Gesicht dieser Frau ist mir heute noch so in Erinnerung als wäre es erst gestern gechehen, denn der Junge wurde nicht einmal wach. Oder sie zog uns Jungen im Schlaf die Decke runter und wehe jemand hatte seine hand zwischen seine Beine. Das gab dann richtig Prügel.
Oft zog mir die Frau Bittner abends im Waschraum vor den anderen Kindern die Hosen runter um zu sehen ob die blauen Flecke auf meine Hintern noch zu sehen waren. War doch nicht nötig, diese Flecken und Striemen waren doch so gut wie immer da.
Manchmal durften wir Kinder im Sommer ins Freibad. Ich durfte auch mit, nur ausziehen und ins Wasser gehen wurde mir von der Frau Bittner verboten und ich wusste nicht warum, bis ich eines abends im Spiegel meinen Rücken sah und mich selber erschrak. Ihre Hände waren als Bluterguss auf meine Rücken verteilt und jetzt wusste ich warum.
Mit elf Jahren kam ich in eine sogenannte Pflegestelle auf einen Bauernhof. Nicht weil diese Leute so kinderlieb waren sondern weil die Tochtes des Hofes mit einem Lehrer der Dorfschule was hatte und dieser nur auf dieser Schule bleiben konnte wenn die Anzahl der Schüler in dieser Klasse stimmte. Ich machte also den Lückenfüller. Geliebt? Nein. Geschlagen? Oft. Beschimpft als stinkende Sau und geschlagen von der Frau des Bauern, die doch eigentlich meine Plfegmutter sein sollte. Sogar von dem Dorfpfarrer bekam ich in der Kirche fürchterliche Prügel, weil ich eine Seite im Gebetbuch nicht schnell genug fand und die auch nicht angesagt wurde, sodass ich bei meinen Nachbarn ins Buch schaute, was dann von diesen Gottesmann als Störung ausgelegt wurde. Einen ansässigen Bauernbub wäre das nicht passiert. Ich war ja nur einer aus dem Waisenhaus.
Von meinen Pflegeeltern, ich nenne sie mal so und vom Jugendamt wurde ich dann wieder, nachdem ich ein paarmal weggelaufen war in das Salvator Kolleg Klausheide, heute Salvatorkolleg Hövelhof, gesteckt und das Martyrium ging weiter.
Dort durchlief die alle Gruppen, bis zu der Schulentlassenen Obergruppe und ich kann nur bestätigen und etwas berichtigen was der Kollege scuba1 in seinen Beitrag trefflich erzählt. Ja scuba1, wir müssen zur gleichen Zeit dagewesen sein, ich nehme an sogar in der gleichen Gruppe. Auch ich weiss von dem Missbrauch des Paters Diognetto der damals der Direktor dieses Heimes war und kenne auch den Herrn Droste zu gut. Dieser war der leibliche bruder von Pater Gerold, dem Prokurator von Klausheide und wirklich ein brutaler Schläger so wie du ihn geschildert hast. Nur eines stimmt nicht ganz scuba1, es gab doch jemand der sich gegen diesen Mann gewehrt hat und ihm in Halle der Firma Hella einen Kinnhaken verpasst hat. Dafür kam dieser dann auch nach einen einwöchigen Zellenarrest in das Erziehungsheim Benninghausen. Dieser jemand war ich. Aber ich muss gestehen, ich habe lediglich aus Angst zugeschlagen weil ich nicht wollte dass diese Aufsichtsperson mit mir macht wie es bei ihm üblich war. Nämlich niederknuppeln und dann mit den Füssen nachtreten. Auch die Entlohnung in der Lampenhalle hatte es in sich. Es waren nicht nur die fünf DM im Monat, es war die Heimeigene Währung. Kleine Kärtchen mit aufgestempelten Ziffern und damit konnte man doch nur in der sogenannten Klümpchebude von Pater Olaf einkaufen. Also eine bessere Vorbereitung für den Knast gab es doch garnicht.
Grüss euch mal alle schön und habt weiter eure berechtigte Wut im Bauch
scuba1, wenn du willst dann mail mich doch mal an, auch alle die es wollen können sich melden, würde mich freuen

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Blaumeise ()
Datum: 19. März 2010 15:33

Hallo ihr Ehemaligen
grüss dich scuba1

Auch ich möchte mich hier noch einmischen und manchen Personen die sich der Kinder- und Jugenderziehung verschrieben haben bzw. hatten, den Spiegel des Sadismus und der Brutalität vorhalten. Ich fange mit der ersten Station an. Wir schreiben das Jahr 1955. Ich war sieben Jahre alt als ich nach den Tod meiner Mutter in das Waisenhaus "Vinzenwwerk" in Handorf bei Münster/ NRW, geleitet von den Nonnen "Unserer lieben Frau" mit ihren Gehilfen, den Gruppenerzieherinnen abgeschoben wurde. Erzieher gab es nur zwei und das waren die beiden Lehrer der Heimschule, die allerdings auch nicht den Hintern der Buben und die Rücken der Madchen verschonten. Der Stock war immer parat und er tat seine Arbeit so gut, als wäre er eigens für diese Aufgabe gewachsen. Lehrer Keller war der brutalere während Lehrer Dumbrok lediglich den Rohrstock benutzte allerdings war er auch nicht mehr der Jüngste.
Ich wurde ein Bettnässer und blieb es bis zu meinen vierzehnten Lebensjahr. Aber die Methoden, einen Bettnässer das Nässen abzugewöhnen waren ungewöhnlich. Jeder Junge dem dieses Malleur passierte und viele waren dabei, denen passierte es jeden Tag, wozu auch ich gehörte mussten sich vor dem Frühstück eine Etage tiefer in einer Reihe anstellen und ich möchte noch erwähnen, klein war diese Reihe nie. Eine Nonne, es war die Schwester Maria Bernharde, nahm sich jetzt jeden Jungen einzeln an und verdrosch ihn mit dem Stock. Wieder in die Gruppe angekommen hielten sich die anderen Kinder auf Anweisung der Erzieherin ihre Nasen zu. Ab drei Uhr nachmittags durften wir nichts mehr trinken, egal ob Sommer oder Winter und wenn man doch heimlich Wasser trank, konnte man sicher sein von anderen Kindern verpetzt zu werden. Dann gab es wieder Prügel, diesmal von der Erzieherin. Es gab nur eine Möglichkeit seinen Durst ohne Prügel zu stillen. Richtig, aus den Wasserbecken der Toilette.
Diese Erzieherin, ihr Name ist Diethild Bittner, hatte aber noch mehr schlagende Argumente. Wenn sie Nachtwache hatte, ging sie durch die Schlafräume der Kinder. Sprechverbot war selbstverständlich und geschlafen wurde nur auf der rechten Seite ausser man lag an der Wand, dann zur Wandseite. Nie werde ich es vergessen, es läuft immer noch wie ein Film in mir ab, als ein Bub, nicht einmal zehn Jahre alt der zur Wandseite lag, sich im Schlaf umdrehte und sich dafür eine schallende Ohrfeige einfing. Die Betretenheit in dem Gesicht dieser Frau ist mir heute noch so in Erinnerung als wäre es erst gestern gechehen, denn der Junge wurde nicht mal wach. Oder sie zog uns Jungen im Schlaf die Decke runter und wehe jemand hatte seine hand zwischen seine Beine. Das gab dann richtig Prügel.
Oft zog mir die Frau Bittner abends im Waschraum vor den anderen Kindern die Hosen runter um zu sehen ob die blauen Flecke auf meine Hintern noch zu sehen waren. War doch nicht nötig, diese Flecken und Striemen waren doch so gut wie immer da.
Manchmal durften wir Kinder im Sommer ins Freibad. Ich durfte auch mit, nur ausziehen und ins Wasser gehen wurde mir von der Frau Bittner verboten und ich wusste nicht warum, bis ich eines abends im Spiegel meinen Rücken sah und mich selber erschrak. Ihre Hände waren als Bluterguss auf meine Rücken verteilt und jetzt wusste ich warum.
Mit elf Jahren kam ich in eine sogenannte Pflegestelle auf einen Bauernhof. Nicht weil diese Leute so kinderlieb waren sondern weil die Tochtes des Hofes mit einem Lehrer der Dorfschule was hatte und dieser nur auf dieser Schule bleiben konnte wenn die Anzahl der Schüler in dieser Klasse stimmte. Ich machte also den Lückenfüller. Geliebt? Nein. Geschlagen? Oft. Beschimpft als stinkende Sau und geschlagen von der Frau des Bauern, die doch eigentlich meine Plfegmutter sein sollte. Sogar von dem Dorfpfarrer bekam ich in der Kirche fürchterliche Prügel, weil ich eine Seite im Gebetbuch nicht schnell genug fand und die auch nicht angesagt wurde, sodass ich bei meinen Nachbarn ins Buch schaute, was dann von diesen Gottesmann als Störung ausgelegt wurde. Einen ansässigen Bauernbub wäre das nicht passiert. Ich war ja nur einer aus dem Waisenhaus.
Von meinen Pflegeeltern, ich nenne sie mal so und vom Jugendamt wurde ich dann wieder, nachdem ich ein paarmal weggelaufen war in das Salvator Kolleg Klausheide, heute Salvatorkolleg Hövelhof, gesteckt und das Martyrium ging weiter.
Dort durchlief die alle Gruppen, bis zu der Schulentlassenen Obergruppe und ich kann nur bestätigen und etwas berichtigen was der Kollege scuba1 in seinen Beitrag trefflich erzählt. Ja scuba1, wir müssen zur gleichen Zeit dagewesen sein, ich nehme an sogar in der gleichen Gruppe. Auch ich weiss von dem Missbrauch des Paters Diognetto der damals der Direktor dieses Heimes war und kenne auch den Herrn Droste zu gut. Dieser war der leibliche bruder von Pater Gerold, dem Prokurator von Klausheide und wirklich ein brutaler Schläger so wie du ihn geschildert hast. Nur eines stimmt nicht ganz scuba1, es gab doch jemand der sich gegen diesen Mann gewehrt und ihm in Halle der Firma Hella einen Kinnhaken verpasst hat. Dafür kam dieser auch nach einer Woche Zellenarrest in das Erziehungsheim Benninghausen. Dieser jemand war ich. Aber ich muss gestehen, ich habe lediglich aus Angst zugeschlagen weil ich nicht wollte dass diese Aufsichtsperson mit mir macht wie es bei ihm üblich war. Nämlich niederknuppeln und dann mit den Füssen nachtreten. Auch die Entlohnung in der Lampenhalle hatte es in sich. Es waren nicht nur die fünf DM im Monat, es war die Heimeigene Währung. Kleine Kärtchen mit aufgestempelten Ziffern und damit konnte man doch nur in der sogenannten Klümpchenbude von Pater Olaf einkaufen und für unsere Rente wird uns diese Zeit auch nicht angerechnet, obwohl wir für die Industrie gearbeitet hatten. Also eine bessere Vorbereitung für den Knast gab es doch garnicht.
Grüss euch mal alle schön und habt weiter eure berechtigte Wut im Bauch
scuba1, wenn du willst dann mail mich doch mal an, auch alle die es wollen können sich melden, würde mich freuen

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Hartwig ()
Datum: 05. April 2010 14:24

In der Zeit von 1960 bis 1963 war ich im Salesianischem Jugendhilfswerk Waldwinkel bei Kraiburg am Inn (Bayern). Das Heim wurde von Ordensbrüdern geführt.
In dieser Zeit machte ich meine Ausbildung zum Dreher. Hierzu musste ich in verschiedenen Bereichen der Werkstatt arbeiten. Wir stellten damals überwiegend Teile und Geräte für die Landwirtschaft her. Häufig auch Isolierarbeiten mit Glaswolle o. a. Isoliermaterial. Die Schmiermittel an den Drehbänken waren immer alt und stanken erheblich. Arbeitsschutzmaßnahmen waren damals kleingeschrieben. Dies zeigte sich auch daran, dass z. B. die in der Schreinerei abgeschnittenen Finger in einer Formalinlösung aufbewahrt wurden. Meine Hände und z. T. auch das Gesicht musste ich oft mit dem damals noch Benzolhaltigen Lösemittel säubern, da Duschen nur einmal pro Woche unter Aufsicht eines Paters erlaubt war. Wir hatten damals eine 45-Stunden-Woche. Zusätzlich immer am Samstag vormittag gemeinsames Lernen.
Wir mussten jeden Tag in die auf dem Heimgelände gelegene Kirche. Am fand Sonntag zusätzlich zur Frühmesse noch eine Abendandacht statt (meist Rosenkranz beten). Zusätzlich vor und nach jeder Mahlzeit beten.
Der Arbeitslohn betrug im 1. Lehrjahr 5.- DM pro Monat!, im 2. Lehrjahr 6.-DM und im 3. Lehrjahr 8.-DM (soweit erinnerlich). Davon wurden jedoch sofort wieder Spenden! eingesammelt, so dass uns nur ein kleiner Teil des Geldes übrig blieb.
Das Essen war täglich fast gleich - jeweils im Wochenrhythmus. Zum Frühstück gab es Graubrot (oft waren darin Fliegen eingebacken) mit in großen Eimern dargebotener roter Marmelade (genannt auch Staucherfett (= Schmiermittel)). Das Mittagessen war in der Regel fleischlos, abgesehen vom "Fleisch" im Endiviensalat (meist Schnecken). Überwiegend Kartoffeln gekocht oder als Gemüse. Die Kartoffeln waren oft schwarz - im Kartoffelkeller stand Zentimeter hoch die schwarze Soße verfaulter Kartoffel (ich wurde darin häufiger eingesperrt, wenn ich mich über das Essen beschwert habe, bzw. wenn ich versucht habe, die Schnecken aus dem Salat zu nehmen und diese nicht einfach mitgegessen habe). Am Samstag gab es jeweils gekochte Lyoner (Kochwurst) oder Leberkäse und am Sonntag meist gekochtes Ochsenfleisch (wobei ich auch das Fett immer mitessen musste).
Wenn ich mit gebeugtem Rücken am Tisch saß, bekam ich oft von der Aufsichtsperson einen Schlag in den Rücken. Insbesondere sogenannte Kopfnüsse mit den Fingerknöcheln waren beliebt. Besonders in Erinnerung ist mir dabei noch ein Pater Namens Kastl, der mir fast immer Kopfnüsse ode andere Schläge verpasste. Einmal wurde ich von einem Pater so mit der Faust ins Gesicht geschlagen, dass ich kurze Zeit bewußtlos war und meine Nase gebrochen war. Ich wurde dann zum Arzt gebracht und bekam einen Gips auf die Nase. Narben am Kopf und der Zustand nach Nasenbeinfraktur sind noch heute erkennbar. Dieser Pater Kastl war auch als ehemaliger Boxer im Heim bekannt.
Die Nacht verbrachten wir in einzelnen barackenähnlichen Häusern. In jeder Baracke hatte auch eine Aufsichtsperson eine abgetrennte Schlafkabine. Von dieser wurde regelmäßig kontrolliert (zumindest bei bestimmten Jungen, auch öfter bei mir), dass unter der Schlafanzughose keine Unterhose anbehalten wurde.
Bereits vor meiner Zeit im Lehrlinsheim war ich vom 9. bis zum 14. Lebensjahr im katholischen Kinderheim Starkheim bei Mühldorf am Inn. Auch hier waren Kopfnüsse und das Schlagen mit dem Rohrstock auf die Finger und insbesondere auf die nackten Oberschenkel (wir hatten damals meist kurze Hosen an) durch unsere Aufsichtsperson (Fräulein Hedwig) sehr häufig - in der Brutalität jedoch nicht vergleichbar mit den Vorgängen im Lehrlingsheim
Auch in der Volksschule in Mühldorf, die ich damals als Heimkind besuchte, war es ebenfalls ausschließlich der Stadtpfarrer, der immer Kopfnüsse verteilte, bzw. mit dem Rohrstock zuschlug, was beim Klassenlehrer nie der Fall war.
Dies sind kurz zusammengefasst meine Erinnerungen an meinen Heimaufenthalt - ich weiß nicht, ob es anderen Kindern und Jugendlichen im Salesianischem Jugendhilfswerk Waldwinkel ähnlich ergangen ist.
Ich hoffe, dass diese Mißhandlungen, der Mißbrauch und die Ausbeutung der Kinder und Jugendlichen durch die Kirchen staatlicherseits untersucht und aufgearbeitet werden und diese Organisationen auch zur Entschädigung der Opfer gezwungen werden, gerade in dem Bewusstsein, dass mein Fall im Verleich zu vielen anderen Fällen sicher nicht der schlimmste war.
Ich finde es lächerlich und heuchlerisch, wenn die Täterorganisationen jetzt Telefonhotlines anbieten, damit sich die Gequälten, Unterdrückten, Mißbrauchten und Ausgebeuteten dort bei den "Tätern" melden können, damit diese dann großzügigerweise für uns "arme Opfer" beten. So wie das Thema jetzt behandelt oder "aufgearbeitet" wird, ist dies eher eine erneute Demüigung und Beleidigung der Opfer.
Dr. med. Günther Hartwig MPH

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Re: Drangsaliert und ausgebeutet: Heimkinder klagen an
geschrieben von: Oldie46 ()
Datum: 26. September 2016 00:18

Zuerst ein ganz freundliches "Hallo" an alle Teilnehmer in diesem Forum!

War ebenso von August 1961 bis Ende Juli 1964 im Salesianischen Jugendhilfswerk Waldwinkel/Aschau bei Kraiburg am Inn. Die von Hartwig geschilderten alltäglichen Praktiken und "Erziehungsmethoden" sind mir bestens bekannt und auch heute noch sehr stark in Erinnerung. Habe damals eine Ausbildung als Schmelz-Schweisser mit Abschluss absolviert - die Ausbilder waren Herr Schlesack und Herr Lorenz. Die gesamten Jahre der Lehrzeit bestanden in der Fertigung von Zubehörteilen für die Landmaschinenfabrik Eicher-Traktoren und Bedarfsartikel für die VAW-Töging Kommentare zu unserem "Wochenlohn" brauche ich ja wohl nicht erwähnen. da dieses andere User schon getan haben! Soweit zum praktischen Teil unseres Aufenthaltes.

Pater Kastl war das typische Synonym für spontane Brutalität; welche nicht nur ich oft genug zu spüren bekamen - man konnte jedes mal von Glück sagen wenn man mit einem blauen Auge und einer blutigen Nase davon kam - als Boxer weiß man eben welche Schläge sehr schmerzhaft sind, aber wenig Spuren hinterlassen. Allerdings bekam ich einmal einen Faustschlag auf die rechte Stirnseite (die Narbe ist heute noch leicht zu sehen) Mit einer Platzwunde ging's ab zu Pater Haller auf die Krankenstation - Pflaster drauf und fertig. Pater Haller hatte abwechselnd auch die Aufsicht während des Silenziums welches täglich von 17 - 18 Uhr statt fand. die Aufsicht. Das SIlenzium war die Zeit in der man seine Schularbeiten zu erledigen hatte und das Berichtsheft zu vervollständigen hatte. Wenn Pater Haller zugehauen hat. erfolgte das mit einer enormen Schnelligkeit und er hatte immer ein leichtes Grinsen im Gesicht. Die von Hartwig erwähnten Kopfnüsse und Schläge in den Rücken gehörten zu unserem Alltag - genauso wie das äußerst "delikates" Essen. Weitere Details zum Thema "Menschenführung" erspare ich mir im Moment. da sie ja bereits von Hartwig ausführlich beschrieben wurden. Die Wunden sind längst verheilt und der Schmerz schon lange vergessen - geblieben sind als "Andenken" eine kleine Narbe am Kopf.

Leider habe ich erst jetzt dieses Forum gefunden und hoffe dass es nicht zu spät ist. Meine Frage ist ob die Möglichkeit besteht mit Ehemaligen Kontakt auf zu nehmen. Es geht ganz speziell um den ehemaligen Laienmitarbeiter Helmut Süss. Er war Aufsichtsperson, Organist und für die Bücherei verantwortlich. Diesem Mann habe ich es zu verdanken dass sich seit einigen Jahren zunehmend ein unerträglicher psychischer Druck in mir aufgestaut hat. Es waren "Dinge" für die ich mich Zeit meines Lebens geschämt habe und nie jemandem erzählten wollte - meine Ehe wäre fast daran zerbrochen. Mehr möchte ich jetzt dazu nicht sagen - wichtig wäre für mich zu erfahren ob anderen Ehemaligen die "speziellen Neigungen" von Herrn Süss bekannt waren!!!!

Hiermit nochmal eine dringende Bitte! Würde nur zu gerne Kontakt zu den Ehemaligen in der Zeit von 1961 - 1964 aufnehmen.

Eine kurze Liste von Ehemaligen welche mir namentlich noch in Erinnerung sind und mit ihnen befeundet war:

Jürgen Humml
Günter Snopek
Manfred Schneider
Martin Schönberg
Georg Baranowsky

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