Sendung vom Sonntag, 2.1.2011 | 1.20 Uhr | SWR Fernsehen
Gibt es das goldene Mittel? Einen Tourismus, der den Menschen Mensch und die Natur Natur sein lässt? Wir suchen Antworten im Eifel-Nationalpark. Er wurde vor fünf Jahren gegründet und soll der Natur einen besonderen Schutzraum bieten. Eine Wildnis soll hier an den Ufern dreier Stauseen, im Dreieck zwischen Kall, Monschau-Höfen und Nideggen entstehen. Eine Wildnis, vor der Tourismus und Waldwirtschaft inne halten - das ist zumindest die Vision von Volker Hoffmann, einem passionierten Naturschützer und dem einstigen Initiator des Eifel-Nationalparks.
Heute schüttelt er den Kopf über ein viel zu engmaschiges Wegesystem, den geplanten Brückenbau am Urftstausee, Kettensägeneinsatz und Rotwildjagd. "Der Nationalpark verkommt zum Freizeitpark", fürchtet Hoffmann. In seinem Berufsleben fuhr er als Kapitän über die Weltmeere, der Ruhestand ist allein dem Naturschutz gewidmet. Kann die Nationalpark-Idee überhaupt in einem so eng besiedelten Land wie Deutschland funktionieren? Hoffmann zweifelt inzwischen. Den geplanten Nationalpark Siebengebirge will er "unter diesen Bedingungen auf alle Fälle verhindern". Damit der "Etikettenschwindel" dort nicht von Neuem beginnt.
Wir treffen im Eifel-Nationalpark auf urige Bewohner, widersprüchliche Antworten und auf die vielen besonderen Schönheiten des Nationalparks. Mit dem "Eifelkapitän" geht es zum Beispiel zu den Winterquartieren seltener Echsen und Schlangen. Tag für Tag inspiziert Hoffmann die Steilufer des Urftstausees. Denn "wenn die Echsen noch nicht aus der Winterstarre sind", sagt er, "dürfen die Bagger nicht rollen". Anfang März soll Baubeginn für die umstrittene Radfahrer-Brücke sein, aber die Erschütterung könnten die Tiere in ihrer Winterstarre stören und damit töten, fürchtet Hoffmann.
Wir sind auch dabei, wenn Volker Hoffmann mit einem befreundeten Tierfilmer Ausschau nach Luchs und Uhu halten. Jenen scheuen Neuankömmlingen im Nationalpark, denen er unbedingt zu einem "unbefristeten Bleiberecht" verhelfen will. Nicht dass er gar keinen Tourismus wollte. Im Gegenteil: Der Eifelkapitän reist in die Altenheime der Umgebung und hält Vorträge über seine wunderschöne Heimat. Da trifft er dann auf Menschen, die ihr ganzes Leben lang "malocht" haben und ihre Eifel-Heimat gar nicht richtig kennen. Die packt er dann in seinen Bus mit dem Namen "Fagabundus" und zeigt ihnen seine Eifel. An den Nationalpark-Toren warten schon die rollstuhlgerechten Kutschen.
Letzte Änderung am: 27.02.2009, 23.45 Uhr