Fahr mal hin vom Donnerstag, 25.2.2010 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg

Büsingen am Hochrhein
700 Meter Luftlinie sind es, die Büsingen von seinem Mutterland Deutschland trennen. Büsingen ist Deutschlands einzige Exklave, aus Schweizer Sicht ist der Ort eine Enklave.
Seit 1967 hat der Ort mit gerade mal 1500 Einwohnern sogar seinen eigenen Staatsvertrag. Der macht das Leben in dem kleinen Ort einfacher, wenn man das im Zusammenhang mit Büsingen sagen kann. Denn hier gilt das Prinzip: „Doppelt hält besser“. Denn Büsingen hat zwei Postleitzahlen, zwei Telefonnummern, und lebt auch sonst in einer rechtlichen Situation zwischen den Ländern. So ist Bauen, Sterben oder Heiraten, Sache der deutschen Behörden, und wird gemäß der deutschen Gesetzgebung gehandelt. Dinge wie Drogenmissbrauch oder auch lebensmittelrechtliche Fragen werden nach schweizer Maßstäben bewertet. Je nach Gesetzesübertretung sind mal deutsche, mal schweizer Polizeibeamten zuständig. Büsingen hat auch ein eigenes Nummernschild.
Der Grund für Büsingens Sonderstatus liegt über 300 Jahre zurück. Damals wurde Büsingen in einen Konfessionsstreit verwickelt. Der Ort gehörte zum katholischen Österreich, war aber zum Protestantismus übergetreten. Der für Schaffhausen zuständige Vogt, Eberhard Im Thurn wurde zwar, wie seine Untertanen protestantisch, sympathisierte aber weiter mit den katholischen Habsburgern. Das wurde ihm am 10. April 1693 zum Verhängnis.
Eberhard wurde von seinen eigenen Verwandten entführt, die wegen einer Erbstreitigkeit noch eine offene Rechnung mit ihm hatten. Sie nutzten die Stimmung gegen Eberhard und brachten ihn nach Schaffhausen, wo er dann aber wegen seiner Pro-Katholischen Äußerungen vor Gericht gestellt und verurteilt wurde. Er entging nur knapp dem Todesurteil und erhielt: Lebenslänglich.
Darüber haben sich die Österreicher maßlos geärgert. Sie setzten die evangelischen Schaffhausener so lange unter Druck, bis die Eberhard nach 9 Jahren Haft freigelassen haben. Auch Jahrzehnte danach hatte Österreich den Schaffhausern nicht verziehen. In der Urkunde des Reiather Jurisdikationskauf wurde Büsingen explizit ausgeklammert. Büsingen sollte niemals zu Schaffhausen gehören. Die Legende aber, dass es im Vertrag eine Bemerkung steht, wonach Büsingen „zum ewigen Ärgernis Schaffhausens“ nie zur Schweiz gehören solle, stimmt nicht. Die Geschichte lässt sich aber so interpretieren: Neben politischen Interessen, wollte sich Österreich für die Entführung Eberhards tatsächlich revanchieren.
1924, `25 und `31 waren es die Büsinger die erneut den Anschluss an die Schweiz suchten – nun war es aber Schaffhausen das diese Mal wenig Interesse zeigte. Eine letzte Chance zeichnete sich 1956 ab. Die Verhandlungen mit Deutschland liefen zunächst viel versprechend, doch dann schaltete sich der Landkreis Konstanz ein und bestand nicht nur auf den Verbleib Büsingens bei Deutschland, sondern forderte auch noch einen Landkorridor zur Exklave, worauf die Schweiz die Verhandlungen abbrach.
Büsingen liegt am Hochrhein, nahe Schaffhausen und unweit von Diessenhofen entfernt. Es bieten sich in alle Richtungen wunderbare Möglichkeiten zu Besichtigungen und Ausflügen.
Letzte Änderung am: 26.05.2008, 00.37 Uhr