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Königsklasse statt Zweite Liga

"Wo bist Du?", fragt "Flutlicht" aus Anlass der vorletzten, 20 Jahre zurückliegenden Meisterschaft der Roten Teufel seine Zuschauer. Zwar ist Tom Bartels auf keinem der Videos mit feiernden Fans zu sehen, weiß aber genau, wo er sich 1991 aufgehalten hat: Mittendrin im Müngersdorfer Stadion war der damalige Kölner Sportstudent dabei, als sich der 1. FC Kaiserslautern bei den Geißböcken zum Titel schoss.
Es war nicht der erste und schon gar nicht der letzte Besuch eines Stadions. Als Kommentator der Champions League-Spiele hat der heute 45-jährige Sportjournalist von Real bis Barca, von Inter bis zum FC Liverpool alle europäischen Spitzenteams gesehen. Er ist für die "Sportschau" in den Stadien der Republik im Einsatz, war beim Finale der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz, bei der WM 2010 in Südafrika übernahm er das Halbfinale der deutschen Mannschaft gegen Spanien. Außerdem ist er im Ersten der Chefkommentator bei Skispringen und Schwimmen. Für das SWR Fernsehen moderiert er seit 2008 "Sport im Dritten" und jetzt auch "Flutlicht".
Dabei hätte alles anders kommen können. Zum Beispiel, wenn der gebürtige Niedersachse seinerzeit Profifußballer geworden wäre. An Berufungen in Auswahlmannschaften hat es dem Landesligaspieler nicht gemangelt. Vom heimischen Melle zum Zweitligisten VfL Osnabrück wäre es nicht weit gewesen. "Mit 19, 20 habe ich aber gemerkt, dass es nicht reicht", gesteht Tom Bartels. Denn trotz aller Liebe zum Fußball betätigte er sich auch in anderen Sportarten wie der Leichtathletik oder dem Tennis. Und dann war da noch seine Posaune, die er in der Kirchengemeinde und in der Bigband der Schule blies. Durch das Engagement reiste er schon früh in der "Weltgeschichte" herum – allein viermal nach England.
Heute liegt die Posaune im Keller. Vielleicht ein Sinnbild dafür, dass Tom Bartels laute Töne nicht nötig hat. Mit seiner sachlichen, kompetenten Herangehensweise hat er schon viele überzeugt. Das begann schon während der Praktika bei WDR und – dem damaligen – SDR rund um sein Studium an der Sporthochschule in Köln mit dem Schwerpunkt Publizistik. Sie ebneten ihm den Weg von ersten Nachrichtenfilmen und Berichten aus der Regionalliga in die Welt des großen Sports. Ob bei ARD, zwischenzeitlich bei RTL oder Premiere: Mit Formel 1, Tennis aus Wimbledon, Vierschanzentournee oder Fußball-WM – sein Feld ist die "Königsklasse" geworden.
Autor: Wolf-Günther Gerlach / Webfassung: Andreas Gödtel
Letzte Änderung am: 19.01.2011, 11.44 Uhr