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Komponisten in ihren Städten
Der 'Musikalische Reiseführer' geht auf Erkundungsreise durch deutsche Städte und sucht musikalische Orte auf, Orte an denen bedeutende Komponisten gelebt oder gewirkt haben. Musikalische Entdeckungsreisen.

Das Erste zeigt an Christi Himmelfahrt (13. Mai) und Pfingstmontag (24. Mai) zwei Folgen der vom SWR Fernsehen betreuten Dokumentationsreihe.
Der Film erzählt Mozarts große Liebe zu Mannheim nach - ohne Anspruch auf Vollständigkeit, indem er die Orte und Personen wieder zum Leben erweckt, die für Mozart wichtig waren. Gesprächspartner dafür sind weltberühmte Mozartkenner wie die Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, die ihre Leidenschaft für das musikalische Genie aus Salzburg bekunden.
Viermal war Wolfgang Amadeus Mozart in der kurpfälzischen Residenzstadt Mannheim, insgesamt waren es 176 Tage. Hier hörte er zum ersten Mal das beste Orchester seiner Zeit und schloß enge Freundschaften mit den Ausnahmemusikern der berühmten „Mannheimer Schule“. Und vor allem begegnete er seiner ersten großen – und unglücklichen – Liebe: der damals 16jährigen Sängerin Aloysia Weber. Ihre Schwester Konstanze wurde später seine Frau. Mannheim war also weit mehr als nur eine Episode in Mozarts Leben - aber auch mehr als eine Episode in seinem Werk. Zwar entstanden hier keine seiner großen Opern und Sinfonien, aber – nicht zuletzt wohl Aloysias wegen - einige der schönsten Konzertarien, sein berühmtes Flötenkonzert und viele Sonaten für Klavier und Violine. In keiner Stadt hatte Mozart sich bis dahin so wohl und in seinem musikalischen Genie so verstanden gefühlt wie in Mannheim. Das beweist ein Brief an seinen Vater, in dem er schreibt: „Mit einem Wort: wie ich Mannheim liebe, so liebt auch Mannheim mich.“
Aber wo ist Mozart heute in Mannheim? Was ist davon geblieben? Wie setzen sich junge Menschen heute mit ihm und seiner Musik auseinander? Das ist die zweite Spurensuche dieses Films. Wir suchen in der Musikhochschule des Landes, beim hochbegabten Nachwuchs in der Städtischen Musikschule und bei ganz normalen Kindern der „Mozartschule“. Wir sprechen mit der legendären Primaballerina bei John Cranko und heutigen Professorin an der Akademie des Tanzes, Birgit Keil, die eine Choreographie zu einer Mannheimer Liebesarie von Mozart für diesen Film schaffen ließ. Und wir fragen, ob Hiphop und Klassik sich versöhnen lassen. Nicht zuletzt zeigen wir, wie Mannheim sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer Stadt mit vielen Kulturen entwickelt hat und zeigen, dass es nicht immer ein „Zusammenprall der Kulturen“ sein muss, wenn junge Türken sich mit Mozart und seiner Musik befassen…
Bad Ems an der Lahn, ein malerisches Städtchen, eingebettet in die Hügelketten des Naturparks Nassau. Im 19. Jahrhundert gehörte es zu den beliebtesten Badeorten der gehobenen Gesellschaft. Könige, Kaiser und Zaren sowie (Geld-) Adel und bedeutende Künstler aus ganz Europa trafen sich hier zur Kur und Sommerfrische. Goethe, Wagner, Meyerbeer, Dostojewski, Gogol und Turgenjew – die Liste berühmter Gäste ist lang. Hier wurden Klatsch und Tratsch ausgetauscht, über Kunst und Literatur debattiert und natürlich Kontakte gepflegt und Geschäfte gemacht.
Zu den illustren Gästen des Bades gehört von 1858 bis 1870 auch ein Franzose deutscher Herkunft: Jacques Offenbach. Mit seiner Theater-Truppe „Bouffes Parisiens“ tritt er – wie allgemein üblich – im Sommer in verschiedenen, bevorzugt in Kur-Städten auf. Bad Ems scheint ihn aber besonders anzuziehen: Für zwölf Jahre wird er – und meist auch seine Truppe – zum Stammgast an der Lahn. Offenbachs Publikum ist hier dasselbe wie in Paris, vielleicht sogar noch etwas „ausgesuchter“. Stücke, die hier ankommen, werden auch woanders Erfolg haben. So kommt es, dass acht Einakter im Marmorsaal uraufgeführt werden. Fernab von Frau und Familie, die ihn nach Ems nicht begleiten, kann er hier seinen amourösen Abenteuern nachgehen und die Zeit zum Komponieren nuten. Große Teile des „Orpheus in der Unterwelt“ und der „Schönen Helena“ entstehen während der Aufenthalte an der Lahn.
Der Film zeigt, welche Beziehung Offenbach zum Ort und zur Region hatte. Die Werke, die er in Ems geschrieben und uraufgeführt hat und seine Wirkungsstätten – auch im Bezug und in Einordnung zum Gesamtwerk – sind Thema der Dokumentation. Gleichzeitig spielt auch Bad Ems eine wichtige Rolle, nicht nur der musikinteressierte Zuschauer soll Lust bekommen, sich diese Region einmal anzusehen und auf Offenbachs Spuren zu wandeln. Optisch und thematisch wird die Dokumentation Gegenwart und Vergangenheit miteinander verweben, sei es durch Bilder vom Heute, die das Damals illustrieren, oder die immer wieder thematisierte Frage, inwiefern das Damals heute noch gilt und nach wie vor Interesse weckt.
Letzte Änderung am: 06.04.2010, 12.03 Uhr
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