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Fastnachtsorden Detailgetreu und handgemacht

Stolz schmücken sich viele Fastnachter gleich mit einem Dutzend davon: Fastnachtsorden. Oft sind es richtige kleine Kunstwerke, mit denen Narren für ihr fastnachtliches Engagement ausgezeichnet werden. Aber was hat es damit eigentlich auf sich und wie wird so ein Orden gemacht? Petra Wagner-Behrend kennt die Antworten. Seit 30 Jahren entwirft, produziert und vertreibt sie handgefertigte Fastnachtsorden.

SWR.de: Wann kam Ihnen die Idee, Fastnachtsorden herzustellen?

Petra Wagner-Behrendt: Die Idee kam mir 1982 und ich habe mich damals direkt selbständig gemacht. Unseren Betrieb gibt es also seit genau 30 Jahren. Ich habe aber vorher schon in dem Metier gearbeitet und außerdem Grafikdesign studiert. Zudem war ich selbst in der Mainzer Fastnacht aktiv und habe früher im MCV-Ballett getanzt.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie in der Zeit vor den närrischen Tagen?

Wir sind fast ein reiner Familienbetrieb. Meine Schwiegertochter arbeitet hier, mein Sohn zeitweise ebenfalls. Zudem haben wir eine Halbtagskraft und drei bis vier Aushilfskräfte. In anderen Jahren hatten wir aber auch schon zehn Aushilfen in der Werkstatt sitzen, aber heute bekommen wir einige Produktionen direkt fertig ins Haus geliefert. Früher haben wir nur die Rohgüsse bekommen und den ganzen Rest selbst gemacht. Aber egal, wo die Produktionen herkommen, es ist immer alles Handarbeit. Es gibt keine Maschine, die zum Beispiel auf Knopfdruck Farbe hineinlaufen lässt. Die Entwicklung einer solchen Maschine wäre so teuer, dass man keinen Fastnachtsorden mehr bezahlen könnte.

Was stellen Sie alles Närrisches her?

Am bekanntesten sind natürlich unsere Orden. Im Schnitt produzieren wir zwischen 18.000 und 22.000 davon pro Jahr. Außer Orden stellen wir aber auch noch Pins her, aufwendigere Präsidentenketten für Sitzungspräsidenten, Zeremonien- und Marschallstäbe oder auch Sonderanfertigungen. Oftmals wird ein langjähriges Vereinsmitglied zum 11-jährigen oder 22-jährigen Jubiläum geehrt und dann lassen wir uns etwas Besonders einfallen. Aber wir arbeiten nicht für die 5. Jahreszeit. Die Bronzefigur "Fraa Bohnebeitel", die in Mainz-Mombach vor der Ortsverwaltung steht, stammt beispielsweise auch aus unserem Hause.

Fastnachtsorden werden meist an die Aktiven einer Saalfastnacht vergeben. Ihren Ursprung haben sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie gelten als Persiflage auf das Militär und den Adel. Statt dem deutschen Adler findet man zum Beispiel oft eine närrische Eule darauf.

Fertigen Sie nur für Mainzer Kunden Fastnachtsorden?

Nein, unsere Kunden kommen zwar hauptsächlich aus dem Rhein-Main-Gebiet, aber wir haben auch schon nach Bayern oder nach Kiel geliefert. Eine Präsidentenkette haben wir sogar schon einmal für einen Verein in Chicago gemacht. Dieser stand in Kontakt mit einem Fastnachtsverein in Lörzweiler und die Lörzweiler haben die Kette als Geschenk anfertigen lassen.

Werden die Motive von den Vereinen vorgegeben oder machen Sie selbst Design-Vorschläge?

Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Es gibt Vereine, die uns ihr Motto mitteilen und dann heißt es: "Lasst euch 'mal etwas einfallen". Dann gibt es andere Vereine, die kommen direkt mit einem Entwurf zu uns. In diesen Fällen arbeiten wir dann mit dem Entwerfer zusammen und beraten in Sachen Umsetzung. Denn nicht alles, was man auf Papier zeichnen kann, kann man auch in Metall umsetzen.


Welche Arten von Fastnachtsorden gibt es?

Der bekannteste ist der Kampagneorden – im Kölner Raum wird er auch Sessionsorden genannt. Den gibt es jeweils für die aktuelle Fastnachtskampagne. Auf diesem steht auch immer nur die aktuelle Jahreszahl. Die Verbandsorden wiederum werden von Verbänden wie zum Beispiel vom "Bund Deutscher Karneval verliehen". Die Vereine müssen einen Antrag beim Verband stellen, wenn sie jemanden aus ihren Reihen, beispielsweise anlässlich 25-jähriger Aktivität, auszeichnen wollen. Verdienstorden werden für Mitglieder ausgelobt, die sich in irgendeiner Form besonders verdient gemacht habe. Gerade bei den Garden, bei denen es ja sehr um die militärische Persiflage geht, ist das oft der Fall. Verdienstorden gibt es zum Beispiel ersten Grades oder mit Eichenlaub oder Lorbeerkranz. Die werden aber eher selten verliehen.

Was hat es mit der Sonderanfertigung für den Rosenmontagsumzug auf sich?

Die Idee dazu hatte mein Sohn Julius, der einmal etwas Außergewöhnliches herstellen wollte. Er schrieb die Mainzer Karnevalsvereine an und fragte, ob er deren Logos auf einem einzigen Orden platzieren dürfe. Und er hat es tatsächlich geschafft, dass 33 Vereine zugesagt haben und jetzt auf diesem besonderen Orden vereint sind – so wie beim Rosenmontagszug auch. Die Idee hatte er zwar schon im vergangenen Jahr, aber wir dachten uns, wir heben sie für den 111. Rosenmontagszug in diesem Jahr auf.

Kann man Orden eigentlich auch erwerben? Oder muss man sie verliehen bekommen?

In der Regel werden Orden verliehen. Die Vereine zeichnen ihre Aktiven und ihre Mitglieder mit den Orden für ihre Verdienste im Rahmen der Fastnacht aus. Unseren Jubiläums-Orden, beziehungsweise das Objekt am Band, denn es ist kein Orden im eigentlichen Sinne, kann man aber auch käuflich erwerben – als eine Art Erinnerungsstück.

Haben Sie einen Lieblingsfastnachtsorden?

Das ist schwer zu sagen. Ein Orden, den wir für die Mainzer Prinzengarde gefertigt haben, bestand aus 24 Teilen. Das war eine besondere Herausforderung. Oder den Trommler, den wir vor vielen Jahren für den Gonsenheimer Carneval-Verein gemacht haben: Wenn man dessen Arm bewegt hat, spielte er das Lied "So ein Tag, so wunderschön wie heute". Letztes Jahr haben wir für den Mainzer Carneval Club die Jupitersäule, die am Ministerium steht, als Fastnachtsorden hergestellt. Das war eine technische Herausforderung, es so hinzubekommen, das man sofort erkennt, was es ist. Denn wir legen sehr viel Wert auf Details. Aber wir haben schon so viele Dinge produziert und manchmal sind die einfachsten Orden die schönsten.

Die Fragen stellte Manuela Hübner

Letzte Änderung am: 27.01.2012, 11.36 Uhr

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