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In den Gründerjahren, der Anfangszeit der Mainzer Fastnacht, waren die närrischen Vorträge überwiegend leichte "Plaudereien in Prosa". Vorgetragen wurden sie von Einzelpersonen.
Mit der Zeit wurde jedoch die Lokalpolitik als Thema entdeckt. Ein Beispiel: Schon im Jahre 1841 beklagte ein Fastnachter in seiner Rede die Mainzer Straßenzustände.
Als eine Reaktion auf die ansteigenden gesellschaftlichen Missstände mischten sich nach und nach auch national-politische Töne in den Karneval. Die Vorträge wurden deutlich schärfer. Vor allem die Einschränkung der Presse- und Redefreiheit wurde wiederholt angeprangert. Immer häufiger gab es auch Zwiegespräche in der Bütt.
Der politische Vortrag verstand sich dabei stets als "gekonnte Kritik" und war mehr als reines Politisieren. Seine Quellen wurden Geist, Humor und Toleranz seiner Interpreten.
In den Jahren nach 1933 gehörte zu diesen Attributen noch sehr viel Zivilcourage, um dem "Mythos des 20. Jahrhunderts" kritisch zu widerstehen.
Als sich nach 1945 das Leben normalisierte und sich Wohlstand einstellte, kam der so genannte "Kokolores"-Vortrag auf. Er thematisiert das Menschlich-Allzumenschliche und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.
Ein Könner der Kunst fasste das wesentliche Merkmal einer Büttenrede einst folgendermaßen zusammen: "Denen, die ganz oben walten, hier den Spiegel vorzuhalten, ist Sinn und Zweck von uns'rem Streben. Und wenn wir dabei Freude geben und der, dem man 'nen Vorwurf macht, am Ende selbst darüber lacht, seht, des is Meenzer Fassenacht."
Letzte Änderung am: 06.09.2011, 11.10 Uhr