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Fernsehen im SWR

Junger Dokumentarfilm 2009 Suza - Leben auf der Kippe

Über das Leben einer 21-jährigen Hiphop-Sängerin

Sendung vom Montag, 2.11.2009 | 23.00 Uhr | SWR Fernsehen

"Was mich glücklich macht?" Susanna überlegt, "Mein Freund Micha, ... und meine Musik...". Wenn die 21-jährige Susanna als HipHop-Sängerin selbstbewusst im Tonstudio steht oder im Jugendhaus auftritt, nennt sie sich "M.C. Suza".

Für Suza ist die Musik wichtiger Fixpunkt in ihrem Leben

Ihre Rap-Texte handeln von ihrem Alltag und den Erlebnissen aus ihrer Kindheit. Suza ist in Kinderheimen aufgewachsen. Sie kennt ihren Vater nicht, zu ihrer Mutter hat sie ein gespaltenes Verhältnis und kaum Kontakt – sie sitzt in "Gotteszell", einem Frauengefängnis in Schwäbisch Gmünd. "Sie war eine sehr erfolgreiche Drogendealerin", erzählt Suza. "Ich liebe meine Mutter, ich kann nur nichts mit ihr anfangen".

 

Wichtiger Fixpunkt im Leben

Die Rap-Musik und die Gemeinschaft unter den Jugendlichen sind für Suza zu einem wichtigen Fixpunkt in ihrem Leben geworden. "Musik ist für mich Familie, weil ich in der Musik die Möglichkeit hab’, Aussagen zu schaffen, so dass es für die Masse – auch wenn’s ne kleine Masse ist – annehmbar ist und sie sich damit identifizieren kann," meint sie selbstbewusst. Ihr Freund Michael, mit dem sie in einer kleinen Wohnung in Stuttgart lebt, kann allerdings nicht viel mit ihrer Rap-Musik anfangen. Über ihn sagt sie: "Das ist mein Schatz, mein Arschloch, mein Held. Der hat ’nen Knall. Egal, ich lieb’ den Typ, das ist ein Wichser! Das ist alles, was ich brauch’." Die meiste Zeit verbringt Suza im Studio. Dort nimmt sie die Songs zu ihrem ersten Album auf. In ihrem Lied "HassLiebe" besingt sie ihre Beziehung: "Ich spüre dich, ich fühle dich, bemühe mich und prügle mich/ verführe und berühre dich und lass dich spüren wie’s für mich ist/ denn ich geb’ dir deine Zeit und lass dir deine Triebe/ ich will nur, dass sie ewig bleibt, unsere Hassliebe."

 

Neue Aufgabe

Suza ist ein Energiebündel und hat große Willenskraft. Lange hat sie sich treiben lassen. Nun will sie ihr Leben selbst gestalten, will sich in die Gesellschaft integrieren. Sie findet einen Job in einer Hotelküche. Die Arbeit gibt ihr wie die Musik Sicherheit und Halt. In den Besitzern des Hotels, dem Ehepaar Arno und Anuschka Haak, findet sie für einige Zeit ihre Ersatzeltern. "Warum die Arbeit für mich Familie ist? - Familie ist das, was einem eine Chance im Leben gibt. Meine Familie hat es in dem Sinne nicht getan, aber die Arbeit. Arno und Anuschka." So scheint ihr Leben endlich eine positive Wende zu nehmen.

 

Unsichere Bahnen

Was bleibt, ist Suzas Zerrissenheit, ihre große Sehnsucht nach der eigenen Familie. Fehlende Geborgenheit und Sicherheit haben aus ihr eine junge Frau gemacht, deren Leben noch immer in unsicheren Bahnen verläuft. Während der Dreharbeiten wird ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen. Eigentlich will Suza keinen Kontakt mehr mit ihr, aber andererseits hängt sie an ihr. Soll sie sich trotz aller Vorsätze wieder mit ihr treffen? Wie geht es mit Michael, ihrem Freund, weiter? Die Probleme mit ihm werden immer größer. Eine Trennung ist unvermeidbar. Suza wächst alles über den Kopf, sie geht nicht mehr zur Arbeit. Als sie sich drei Monate lang nicht im Hotel meldet, verliert sie ihren Job. Teils desillusioniert, teils provozierend textet sie in ihrem Song "Untergang": "Du wirst als Beifahrer auf die schiefe Bahn gelenkt / so ist es eben und da kannst du nichts unternehmen / denn der Sinn des Lebens ist und bleibt nur unterzugehen".

 

Noch eine Chance

Suza beschließt, ihrer Mutter, die einzige Bezugsperson in ihrem Leben, noch eine Chance zu geben. Voller Hoffnung auf Verständnis und ein halbwegs normales Familienleben nimmt Suza wieder Kontakt zu ihr auf. Doch die Mutter flüchtet kurze Zeit nach der Entlassung wieder in die Drogensucht. Suza wird klar, dass es in der Beziehung zu ihrer Mutter kein ‚Happy End’ geben wird. Sie erkennt schließlich auch, dass sie sich selbst weiterentwickeln muss, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. "Was heißt das, sich selbst zu akzeptieren?", fragt sich Suza und beantwortet sich die Frage gleich selbst. Es bedeutet für sie, sich "in jeder Hinsicht anzunehmen, in seiner Art und Weise, in seinem Denken, in seiner Meinung, in seinem Standpunkt, sich selber immer vertreten zu wollen." Die Kraft dazu schöpft sie aus ihrer Musik.

Ein Film von Simon Assmann

Letzte Änderung am: 09.09.2011, 07.53 Uhr

Junger Dokumentarfilm 2009

Sendezeit ab 14. November JUNGER DOKUMENTARFILM

Montags 23.30 Uhr
SWR Fernsehen

Sendezeit Dokumentarfilm

Montags, ab 23:30 Uhr
und
Donnerstag auf Freitag ab 00:15 Uhr
SWR Fernsehen