Sendung vom Montag, 4.10.2010 | 23.30 Uhr | SWR Fernsehen
Eine Muslima bewirbt sich erfolgreich am Stuttgarter Staatstheater als türkische Laiendarstellerin. Der Regisseur holt bewußt den Alltag und die Konflikte der Schauspielerinnen auf die Bühne. Das bringt Aysels Weltbild ins Wanken.

Aysel Kilic während der Proben. Sie hat viel Spaß dabei.
Aysel, eine gläubige Muslima, bewirbt sich erfolgreich als Laiendarstellerin bei dem renommierten Theaterregisseur Volker Lösch. Am Stuttgarter Staatstheater inszeniert Lösch die antike Tragödie "Medea". Es ist eine moderne Inszenierung, die Aysels Weltbild schon bald auf eine harte Probe stellt. Aysel beginnt zu kämpfen: gegen Klischees, gegen die "Sittenlosigkeit" am Theater und nicht zuletzt auch gegen sich selbst.
Eine neue Welt
Für Aysel bedeutet die Theaterarbeit den Eintritt in eine ihr völlig fremde Welt. Die gläubige Muslima, die seit vielen Jahren ein Kopftuch trägt, hat mit 16 Jahren geheiratet. Ihr Glaube, ihre Familie, die drei Kinder – das machte lange Zeit ihr Leben aus. Ein behütetes Leben in der schwäbischen Provinz. Doch die Kinder sind nun schon groß und Aysel will neue Erfahrungen machen, neue Menschen kennen lernen.
Das Weltbild gerät ins Wanken
Regisseur Volker Lösch ist für seine provokanten Inszenierungen bekannt. Er nutzt die Freiheit des Theaters, um in die noch immer verschlossene Welt der türkischen Frauen vorzudringen. Lösch fordert sie auf, offen über ihre familiären Konflikte und erlebte Unfreiheit zu sprechen. Er protokolliert die Gespräche und bringt sie in sein Stück ein. So wird Aysel mit tragischen Lebensläufen anderer türkischer Frauen konfrontiert. Vor allem aber die Inszenierung selbst bringt ihr Weltbild ins Wanken. Sie beschäftigt die Frage: Was darf man im Theater sagen und zeigen, was lässt man lieber im privaten Raum? Als gläubige Muslima und einzige Kopftuchträgerin in der Gruppe sieht sie durch die Bühnenarbeit ihren Lebensstil und ihre Kultur in Frage gestellt. Leidenschaftlich verteidigt sie ihre Werte und muss sich schließlich entscheiden, ob sie weiter macht oder aber die Theaterarbeit ganz niederlegt.
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Ein Film von Thomas Lauterbach
Letzte Änderung am: 27.08.2010, 23.29 Uhr