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Fernsehen im SWR

Junger Dokumentarfilm 2008 Die Reise des Kaffees

Sendung vom Montag, 20.10.2008 | 23.15 Uhr | SWR Fernsehen

Ein Arbeiter schmeißt Kaffeebohnen hoch

Ein Arbeiter schmeißt Kaffeebohnen hoch

»Ich glaube nicht, dass der normale Konsument jemals verstehen wird, was da wirklich in der Tiefe dieses ganzen Geschäfts passiert«, sagt der Hamburger Kaffee-Händler Wolfgang Heinricy. Kaffee ist nach Öl das zweitwichtigste Handelsgut der Welt, 25 Millionen Menschen arbeiten in diesem Markt. Der globale Wettbewerb macht das Geschäft noch härter. Hinzu kommen Faktoren wie Wetterkapriolen, Ernteausfälle, Spekulanten und Rohstoffpreise. Doch wer profitiert vom Auf und Ab
der Kaffeepreise? Und was weiß der Kaffeegenießer in Deutschland von den Mühen, unter denen der Kaffeebauer in Brasilien die Bohnen erntet? Welche Menschen verbergen sich hinter Zahlen und Marktdaten? Martin Jabs hat die wichtigsten Stationen in der Kette des Kaffeeanbaus, seiner Verarbeitung und Vermarktung aufgesucht und sich auf eine 20.000 Kilometer lange Spurensuche begeben. Er hat Menschen beobachtet und begleitet, die uns die tägliche Tasse Kaffee sichern.


Seine filmische Reise beginnt in Berlin, bei Claudio und Marie Fragasso. Das junge Paar hat ein eigenes Café aufgemacht, die »Bar Fragasso«. Die Räume haben sie in Eigenarbeit renoviert, Tassen und Teller teilweise auf dem Flohmarkt gekauft. Claudio, der gelernte Metallbauer,
und Marie, die Designerin, wollen vom Kaffee leben, auch wenn es am Anfang noch schwer fällt. »Wir teilen die Leidenschaft für Kaffee«, sagt Claudio. Sie haben sich für die italienische Marke »Passalacqua« aus Neapel entschieden. Auf die gelben Packungen mit dem typischen Passalacqua-Indianer sind sie bei Recherchen im Internet gestoßen. »Ob das Café letztendlich laufen wird,« sagt Claudio, »kann man niemandem versprechen.«


Ihr Kaffee kommt aus Brasilien, wo täglich Tausende von roten Kaffeekirschen gepflückt werden. Lúcia ist eine der Tagelöhnerinnen. Sie bringt ihren 15-jährigen Die Reise des Kaffees Ein Film von Martin Jabs Sohn mit. Es geht nicht anders, Schule hin, Schule her. »Man muss an Gott glauben. Nur er kann uns die Dinge geben. Gott ist gerecht,« sagt sie. Ist der Lohn auch gerecht? »Wir leben von ihm. Er muss gerecht sein. Es gibt hier nichts anderes, wir müssen mit diesem Lohn leben.« Lúcia arbeitet für den alten Getúlio. Der Chef der kleinen Farm ist 73 Jahre alt und hat die meiste Zeit des Lebens selbst in der Plantage gearbeitet, nur so konnte er seine Familie ernähren. »Ich weiß alles über Kaffee«, sagt er. Aber Wissen allein reicht nicht mehr. Die Existenz seiner Familie hängt ab vom aktuellen Kaffeepreis in einem undurchschaubaren Markt. »Die größten Schwierigkeiten macht uns das Wetter«, sagt Gétulios Sohn Olavo. »Eine Trockenheit, ein Frost kann die Ernte beschädigen. Auch die Preiskrise kann ziemlich gefährlich werden. Das Gefährlichste ist, wenn der Preis unten ist und wir das Produkt verkaufen müssen.«


An der Börse in São Paulo bestimmen Angebot und Nachfrage, Warentermingeschäfte und »Volatiltät« darüber, ob ein Bauer hungert oder nicht. »Es ist ein aggressiver Markt«, sagt ein Sprecher, während am Hafen Containerschiffe von gigantischen Ausmaßen mit Abertonnen von Kaffeebohnen gefüllt werden. Ihr Ziel: Europa. In Neapel treffen Martin Jabs und sein Team Biagio Passalacqua. Er ist der Patriarch, Chef der Rösterei, 85 Jahre alt. Getúlios Bohnen treffen ein und werden hier mit anderen Bohnen gemischt, bevor es zur Röstung geht. Biagio
prüft den Prozess sehr genau, seit mehr als 50 Jahren. Damals schon entstand das Logo von »Passalacqua« mit dem kleinen Indianer. Es hat sich bis heute nicht verändert. Wir finden das Logo wieder, bei Claudio und Marie, die Passalacquas Kaffee nach Berlin ordern. Den kleinen
Sohn Mattheo auf dem Schoß, sagen sie: »Wir wollen den besten Espresso der Gegend anbieten.«

Ein Film von Martin Jabs

Letzte Änderung am: 04.09.2008, 15.57 Uhr

Junger Dokumentarfilm 2008

Sendezeit ab 14. November JUNGER DOKUMENTARFILM

Montags 23.30 Uhr
SWR Fernsehen

Sendezeit Dokumentarfilm

Montags, ab 23:30 Uhr
und
Donnerstag auf Freitag ab 00:15 Uhr
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