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Sie schreitet ihren Ziegen regelrecht voran. Fast so als ob sie sie hypnotisieren wollte. Die Behutsamkeit, mit der Annette Bürkle ihre Tiere behandelt, ist faszinierend.
Die Bäuerin von Loretto mag ohnehin keine lauten Töne. Ihr Hof oben auf einer Anhöhe über Zwiefalten ist ein friedlicher Ort. Ein Ort, an dem Nahrungsmittel mit Sorgfalt und Seele hergestellt werden: Ziegenkäse aus Rohmilch nach französischer Tradition. Brot aus dem Holzofen. Alles nach ökologischen Richtlinien.
Die Geschichte von Loretto beginnt 1671. Die Mönche vom Kloster Zwiefalten lassen auf einer nahen Anhöhe ein Wallfahrtskirchlein erbauen. Vorbild ist eine Kapelle im mittelitalienischen Loreto - damals der bedeutendste Wallfahrtsort in Europa. Mit der Säkularisation endet 1803 die Geschichte der Wallfahrt im schwäbischen Loretto. Die Kapelle wird umgebaut und in den Bauernhof integriert, der nun neu entsteht. Der Hof geht im Laufe der Jahre durch mehrere Hände bis er schließlich 1897 in den Besitz des württembergischen Königshauses gelangt. Von nun an wird Loretto als Außenstelle der psychiatrischen Klinik von Zwiefalten genutzt. Patienten bewirtschaften Hof und Wiesen.
1994 ereignet sich das, was die heutigen Bewohner als "das späte Wunder von Loretto" bezeichnen: Das Land Baden-Württemberg verkauft das Gehöft in private Hände. Der neue Besitzer ist eine Hofgemeinschaft von Gleichgesinnten. Es entstehen der Ziegenhof, die Holzofenbäckerei und eine Gartenwirtschaft. Von nah und fern - aber nur an Wochenenden - kommen Gäste, um gut zu essen, Landluft zu schnuppern und zur Ruhe zu kommen - an einem magischen Ort mit einer besonderen Atmosphäre.
Letzte Änderung am: 05.08.2011, 09.57 Uhr