Seite vorlesen:
Nach einem Einsatz in Afghanistan kehrt Soldat David in den heimatlichen Schwarzwald zurück. Er will sein Leben mit Freundin Kerstin, Familie und Freunden dort wieder aufnehmen, wo er es verlassen hat und würde den Einsatz am liebsten als erfolgreich überstandenes Abenteuer abhaken. Doch die Begegnung mit Bedrohung und Gewalt haben David verändert. Die Verstörung, die er zu unterdrücken versucht, bricht sich Bahn in der zwischen Spiel und Gewalt oszillierenden Beziehung zu seinem kleinen Halbbruder.
Bennis Bewunderung zieht David an, er verbringt immer mehr Zeit mit dem Jungen und bringt ihm bei, seine Ängste zu bekämpfen - mit Strategien und Werten, die er aus dem Einsatz mitgebracht hat. Als David es immer weniger schafft, seine traumatischen Erfahrungen zu verdrängen, brechen nicht nur seine Alltagsbeziehungen zusammen, es eskaliert auch sein Verhältnis zu Benni.
Und plötzlich kommt Afghanistan mitten in den Schwarzwald! Die Geschichte des Bundeswehrsoldaten David, der traumatisiert aus Afghanistan zurückkehrt, nachdem er dort einen Jungen erschossen hat, gewinnt derzeit leider immer mehr an Aktualität. Die dargestellten Symptome der PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) sind von der Autorin genau recherchiert und von Hanno Koffler sehr überzeugend gespielt. Mittlerweile wird heiß diskutiert, ob der Einsatz nicht ehrlicher als „Krieg“ zu bezeichnen wäre. Und ob unser Land vorbereitet ist auf Soldaten, die mit dieser Sorte Kriegstrauma umgehen müssen. Der Film vermeidet vordergründige Wertungen der politischen und militärischen Umstände, sondern bleibt ganz nah an dem Erleben der Figuren. Und das macht ihn stärker als jeder erhobene Zeigefinger.
| David | Hanno Koffler |
| Kerstin | Petra Schmidt-Schaller |
| Benni | Jona Ruggaber |
| Inge | Margarita Broich |
| Rainer | Wolfram Koch |
| Felix | Maxim Mehmet |
| Feldwebel Kleiber | Bruno Cathomas |
| Frau Poloczek | Christina Große |
| Regie | Brigitte Maria Bertele |
| Drehbuch | Johanna Stuttmann |
| Kamera | Mathias Prause |
| Schnitt | Stephan Krumbiegel |
| Musik | Christian Biegai |
| Szenenbild | Stephanie Brenner |
| Kostümbild | Monika Gebauer |
| Produktion | Boris Michalski, Didi Danquart |
| Redaktion | Stefanie Groß |
Eine Produktion der noirfilm filmproduktion in Kooperation mit dem SWR.
Mit Unterstützung der MFG Baden-Württemberg Filmförderung
| Drehzeit | Herbst 2007 |
| Drehort | Calw, Bad Liebenzell |
| Länge | 92 Minuten |
| Format | 16 mm |
Brigitte Maria Bertele und Johanna Stuttmann wurde für „Nacht vor Augen“ der First Steps Award 2008 verliehen. Johanna Stuttmann erhielt für „Nacht vor Augen“ den baden-württembergischen Drehbuchpreis 2007 und den Studio Hamburg Nachwuchspreis 2009 für das beste Drehbuch, Brigitte Maria Bertele wurde mit dem DEFA Förderpreis 2008 ausgezeichnet, außerdem wurde dem Film der Preis der deutschen Filmkritik für das beste Spielfilmdebüt 2008 verliehen.
Letzte Änderung am: 13.11.2009, 10.04 Uhr