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ARD eröffnet Korrespondentenbüro in Teheran Berichte aus dem Alltag des Landes

Die ARD eröffnet erstmals ein festes Hörfunk-Korrespondentenbüro in Teheran. SWR-Reporter Reinhard Baumgarten soll die Situation im Iran über längere Zeit beobachten und kontinuierlich für die ARD-Sender berichten. SWR-Chefredakteur Arthur Landwehr hat über seine Erwartungen mit Pascal Fournier von SWR cont.ra gesprochen.

Arthur Landwehr, Sie sind als Hörfunk-Chefredakteur zuständig für die Auslandskorrespondenten des SWR: Wird das jetzt grundlegend anders mit dem festen Büro in Teheran? Gibt’s künftig eine völlig ungehinderte Berichterstattung aus Iran?
Unser Korrespondent Reinhard Baumgarten, der als erster direkt von dort berichten wird, wird natürlich auch weiter ein Visum brauchen. Und auch da kann es immer wieder sein, dass er ein neues Visum beantragen muss und dass es lange dauern wird, bis es kommt. Aber die Zusammenarbeit mit den iranischen Behörden jetzt in der Vorbereitung dieses Studios lief prima und ich bin sehr optimistisch, dass es in Zukunft gut laufen wird.

Korrespondent soll Geschichten aus dem Alltag erzählen

Beim Iran denkt man an das Atomprogramm des Landes, an die Unterdrückung der Opposition bei den jüngsten Wahlen, an die israelfeindliche Grundausrichtung der Politik. Welche weiteren Themen könnten denn in Zukunft mit einer verstärkten Berichterstattung aus Teheran im Mittelpunkt stehen?

Die genannten Themen werden natürlich auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Großen Wert lege ich darauf, dass jemand vor Ort ist und mitbekommt, wie diese Themen im Land gesehen werden. Es geht darum, ein vollständigeres Bild zu bekommen, nicht nur die Berichterstattung von einer Seite. Aber die große Politik ist natürlich nicht alles. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, ein Land besser zu verstehen, indem man die Menschen kennenlernt. Und dafür muss man vor Ort sein, muss sich für längere Zeit dort aufhalten. Man muss mit Menschen sprechen, muss reisen - und das wird Reinhard Baumgarten tun. Das heißt: Er wird Alltagsgeschichten erzählen, und wir werden aus seiner Arbeit heraus vieles über den Iran jenseits der Politik erfahren.

Transparente Informationen sind wichtig

Was denken Sie, mit welchen Beschränkungen und möglichen Schikanen muss unser Korrespondent rechnen? Er kann sicher nicht einfach nach Lust und Laune durch den Iran reisen.

Was wir bisher erlebt haben, etwa bei Reisen von Istanbul aus, war sehr gemischt. Wir hatten Zeiten, da ging alles sehr einfach. Unsere Korrespondenten konnten sich frei im Iran bewegen, konnten mit den Menschen sprechen. Natürlich ist ein Korrespondent dennoch sehr vorsichtig, er will seine Gesprächspartner ja nicht in Gefahr bringen und muss da sehr verantwortungsvoll handeln. Wir haben aber auch Zeiten erlebt, in denen sich Korrespondenten nicht frei bewegen konnten, beispielsweise bei einigen der regierungsfeindlichen Demonstrationen in jüngster Zeit: Da hatten unsere Reporter quasi Hausarrest. Sie durften das Hotelzimmer für eine gewisse Zeit nicht verlassen, konnten von dort aus aber berichten. Und dann gab es auch Zeiten, in denen sie ausgewiesen wurden. Man muss flexibel und transparent mit solchen Situationen umgehen, das ist mir sehr wichtig. Unsere Hörer müssen wissen, unter welchen Bedingungen Informationen zustande kommen: Sind sie verlässlich oder kommen sie aus zweiter Hand. So werden wir berichten, und ich bin mir sicher, dass wir dann auch ein vollständigeres Bild bekommen über das, was im Iran passiert.

Freie Berichterstattung ist zugesagt

Sie haben vorhin erwähnt, dass die Kooperation mit den iranischen Behörden ganz gut geklappt hat. Andererseits: Man kann ja nicht einfach hinfliegen und sagen, wir mieten ein paar Räume an und eröffnen ein Büro. Wie langwierig und wie kompliziert waren die Vorbereitungen?
Die Vorarbeit hat eigentlich schon vor vielen Jahren begonnen. Aber die entscheidende Wende kam, als sich der Intendant des SWR, Peter Boudgoust, direkt eingeschaltet hat und in Gesprächen mit der iranischen Führung auf ein Korrespondentenbüro gedrängt hat. Dabei hat er auch immer deutlich gemacht, dass wir dieses Büro wollen, aber nur dann, wenn wir frei berichten können, wenn es keine Bedingungen gibt. Darauf hat sich der Iran eingelassen und hat dann letztendlich die Genehmigung erteilt.
Mussten Sie Zugeständnisse machen, um die Erlaubnis zu bekommen?

Nein, keine! Es gibt nichts, was wir unterschrieben oder abgesprochen hätten, sondern wir haben die Erlaubnis bekommen! Der Rest wird sich im Alltag ergeben. Wie ich schon sagte: Es wird Zeiten geben, in denen es leicht ist, und es wird Zeiten geben, in denen es schwieriger sein wird. Damit werden wir flexibel umgehen.

Sicherheit hat oberste Priorität

Bei all dem gibt es jedoch einige Dinge, die ganz oben auf der Prioritätenliste stehen: Das ist die Sicherheit unserer Kolleginnen und Kollegen, das ist eine transparente Berichterstattung und das ist der Schutz unserer Informanten. Wir werden immer dafür sorgen, dass wir so viel Informationen wie möglich bekommen, aber wir werden niemanden damit in Gefahr bringen!
Ist denn die Eröffnung des Büros im Iran selbst auch ein Thema?
Ich denke schon. Beim Besuch einer iranischen Delegation in Deutschland vor gut einem Jahr wurde über das geplante Korrespondentenbüro gesprochen. Er war in den iranischen Fernsehnachrichten und wurde auch auf den Webseiten des iranischen Fernsehens sehr ausführlich dokumentiert.

Arthur Landwehr. online-Bearbeitung Wilhelm Karst

Letzte Änderung am: 13.10.2011, 14.56 Uhr