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Nobelpreise 2011 Der größte Moment im Leben eines Wissenschaftlers

Die Medaille macht nicht reich, aber sie kann einem den Job retten. Und sie verleiht ihrem Besitzer Autorität gegenüber Politikern und Journalisten. Das sagt Theodor W. Hänsch. Der 69-jährige Heidelberger erhielt 2005 den Nobelpreis für Physik.

Er wollte grade zum Flieger, als der Anruf aus Stockholm kam. Kaum hatte Theodor W. Hänsch den Hörer aufgelegt, läutete das Telefon Sturm: "Ich kam nicht mehr zur Besinnung, hatte noch nicht einmal gesehen, wofür der Preis denn überhaupt verliehen worden ist und sollte schon Journalisten antworten." Der Physiker erinnert sich noch gut, wie sich sein Büro mit Fotografen füllte. "Ich kam eigentlich erst zur Ruhe, als ich zwei Stunden später im Flugzeug nach San Francisco saß."

Der Nobelpreis rettete Hänschs deutschen Arbeitsplatz

Theodor Wolfgang Hänsch
Der gebürtige Heidelberger (Jahrgang 1941) ist Physiker und Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching bei München. 2005 wurde Hänsch gemeinsam mit den US-Amerikanern Lewis Hall und Roy J. Glauber mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Der Deutsche gilt als Mitbegründer und maßgeblicher Entwickler der experimentellen Laserphysik und Quantenoptik. Einer seiner prominentesten Schüler dürfte Steve Jobs gewesen sein.

Wobei: Richtig zur Ruhe gekommen ist Hänsch seitdem eigentlich gar nicht mehr. Nach deutschem Recht wäre der 69-Jährige heute eigentlich zwangsläufig Rentner oder er würde in Amerika lehren und forschen. Doch der Nobelpreis hat es Hänsch ermöglicht, hier zu bleiben: "Dank der Max-Planck-Förderstiftung und der Siemens-Stiftung kann ich jetzt ohne Einschränkung bis 2016 in Deutschland weiterarbeiten." Für ihn ist die Forschung Lebensinhalt, er kann sich nicht vorstellen, damit wegen des Erreichens einer willkürlich gesetzten Altersgrenze einfach aufzuhören.

Der Preisträger wird zum Botschafter für sein Arbeitsgebiet

Reich hat Hänsch die Auszeichnung nicht gemacht. "Die Dotierung ist nicht so hoch, wenn man den Preis teilt", sagt der Physiker. Aber er bringt den Gewinner ins Rampenlicht, weil er plötzlich Politikern und Journalisten gegenüber als Botschafter für sein Arbeitsgebiet fungieren kann.
Bei der diesjährigen feierlichen Preisverleihung in Stockholm wird Theodor W. Hänsch wohl nicht eingeladen sein. Aber er besucht regelmäßig ein "Ehemaligen-Treffen" in Lindau. Dort kommen Nobelpreisträger und junge Menschen aus aller Welt zusammen, mit denen er sich austauscht.

Deutsche Nobelpreisträger für Physik

Deutsche Physik-Nobelpreisträger (von l.o. nach r.u.):
Wilhelm Röntgen (1901), Ferdinand Braun (1909), Max von Laue (1914), Werner Heisenberg (1932), Max Born (1954), Rudolf Mößbauer(1961) / Max Planck (1918), AlbertEinstein (1921), Gustav Hertz (1925), Klaus von Klitzing (1985),Theodor W. Hänsch (2005), PeterGrünberg (2007).

Deutsche Unis finden wieder Anschluss an die Spitze

Es gibt schon 24 deutsche Physik-Nobelpreisträger. Wird es auch einen 25. geben? "Wenn wir uns anstrengen und nicht die Zügel schleifen lassen, bestimmt", ist Hänsch überzeugt. Er kritisiert, dass die Politik es "jahrelang sträflich vernachlässigt" habe, die Hochschulen konkurrenzfähig auszustatten. Mit der neuen Exzellenz-Initiative würden aber wieder "Schritte in die richtige Richtung" gemacht.

Andreas Braun

Letzte Änderung am: 04.10.2011, 12.17 Uhr