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Semesterbeginn an den Unis Zusammenrücken, bitte!

An den Unis wird es eng: Durch den Wegfall der Wehrpflicht und doppelte Abiturjahrgänge drängen jetzt viel mehr Erstsemester als sonst an die Hochschulen. Im Südwesten hat die Politik bisher kaum Vorbereitungen getroffen. Die Devise heißt: Abwarten.

Den Professor sieht man nur auf der Leinwand per Videoübertragung, das Mittagessen in der Mensa gibt's dafür schon vormittags um halb elf, zum Schlafen geht's ins Hotelzimmer - wird so der Alltag der neuen Studienanfänger aussehen? Gut möglich. Denn aktuelle Prognosen gehen von bis zu 500.000 Erstsemestern aus, das sind so viele wie noch nie. In Bayern und Niedersachsen haben zum ersten Mal zwei Jahrgänge ihr Abitur abgelegt - der Jahrgang, der neun Jahre auf dem Gymnasium verbracht hat, und die Schüler mit auf acht Jahre verkürzter Gymnasialzeit ("G 8"). Dazu kommt, dass rund 60.000 junge Männer von der Aussetzung der Wehrpflicht profitieren. Nur wenige haben sich bisher für den Bundesfreiwilligendienst entschieden.

Ein Medizin-Studienplatz? Das wird schwer ...

In Bund und Ländern war man bisher von nur etwa 455.000 Studienanfängern ausgegangen. Die Hochschulrektorenkonferenz rechnet deshalb damit, dass es etwa 50.000 Studienplätze zu wenig gibt. Das hat Folgen: "Die Zugangshürden sind in beliebten Fächern in diesem Jahr noch einmal deutlich verschärft worden", sagt die SWR-Bildungsexpertin Anja Braun. In Baden-Württemberg gab es rund 30 Prozent mehr Bewerber für zulassungsbeschränkte Fächer, auch Rheinland-Pfalz gab es eine gestiegene Anfrage. In beliebten Unistädten wie Freiburg oder Tübingen macht sich das besonders bemerkbar.

Vorlesung per Liveübertragung

Das Land Baden-Württemberg hatte 2.000 zusätzliche Studienplätze genehmigt, ein Sonderfonds soll im Notfall die Finanzierung zusätzlicher Lehrkräfte und die Anmietung von Räumen abdecken. Das Karlsruher Institut für Technologie kündigte an, beispielsweise, Erstsemester-Vorlesungen notfalls mit Liveübertragungen auf zusätzlichen Hörsälen auszuweiten. Die Universität Landau habe bereits im vergangenen Jahr Schulräume angemietet, weil Seminarräume fehlten, sagt Anja Braun.

Wohnen im Altenheim

In Mannheim hat das Studentenwerk Altenheim-Wohnungen für Studierende umgebaut - und kommt damit nach eigenen Angaben an die Grenzen des finanziell Möglichen. Das Studentenwerk hat die Landesregierung deshalb aufgefordert, ein Sonderprogramm für mehr Wohnheimplätze aufzulegen. "Bisher gibt es darauf aber noch keine Reaktion, in den Wissenschaftsministerien herrscht auch in dieser Frage noch große Entspannung", sagt SWR-Bildungsexpertin Anja Braun. Andere Länder haben auf den sich abzeichnenden Mangel an Wohnheimplätzen bereits reagiert: In Münster beispielsweise werden Studenten in angemieteten Hotelzimmern untergebracht.


Online-Redaktion: Dagmar Freudenreich

Letzte Änderung am: 15.08.2011, 09.56 Uhr