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Verteidigungsminister zu Guttenberg ist in der Defensive. Wie schlimm sind die Zustände in der Bundeswehr wirklich - angesichts immer neuer Berichte über Alkoholexzesse, Waffenspiele und demütigende Behandlungen von Soldaten?
Für Kapitänleutnant Jörg Wiebach sind die genannten Vorkommnisse eine Katastrophe. "Da bricht mir, wie es immer so schön in der Marine heißt, echt das Auge". Jörg Wiebach ist Sprecher des Arbeitskreises Darmstädter Signal. Ein Forum, das Entscheidungen in Politik und Bundeswehr kritisch hinterfragt und für mehr Demokratie in der Bundeswehr eintritt.
Der Geist der Bundeswehr ist anders
Guttenbergs Verteidigung:
"Wenn Fehler in der Bundeswehr passieren, dann bin ich bereit zu sagen, dafür ist die Bundeswehr verantwortlich". Das erklärte Guttenberg nach der Sitzung im Verteidigungsausschuss zu den Bundeswehr-Affären. Er betonte, dass er auf eine Bundeswehr mit Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen setzt und dass er sich gegen Pauschalverurteilungen wehrt.
Für Wiebach sind die jüngsten Skandale aber eben auch Einzelfälle, die immer wieder mal vorkommen. Den Geist der Bundeswehr spiegeln sie nicht wider, betont der Offizier. Für ihn ist wichtig, dass die Bundeswehr in die Vorgesetztenausbildung wieder mehr Zeit investiert. Zeit sei gerade für die Schulung sehr junger Menschen ein wertvolles Gut, "weil man Führung nicht nur theoretisch lernen kann, sondern auch erfahren muss", betont der Kapitänleutnant.
In manchem Unternehmen herrscht mehr Hierarchie
Die Strukturen in der Bundeswehr sind für Wiebach "okay". Er glaubt sogar, dass manches Unternehmen hierarchischer aufgebaut ist. Für den Anspruch, Staatsbürger in Uniform zu sein, leiste sich die Bundeswehr "ein Soldatenbeteiligungsgesetz, ein Personalvertretungsgesetz und eine gute Führungsphilosophie, die im Zentrum für innere Führung in Koblenz gebündelt ist". Bei Einsätzen müsse aber auch die Hierarchie funktionieren: "Sie können ja die Leute nicht nebeneinander stellen und dann erst mal diskutieren, wie's gemacht wird", so der Kapitänleutnant.
Einzelfälle nie ganz zu vermeiden
Dass man skandalöse Vorfälle in der Bundeswehr ganz und gar ausschalten kann, hält Wiebach für unmöglich in einer Organisation mit jetzt 240.000 Menschen. Später werden es 185.000 sein. Und die kommen aus allen Teilen der Gesellschaft. Besonders dann, wenn Alkohol im Spiel ist, wenn die Hemmungen fallen, "dann gehen eben viele Dinge einfach verloren", so Wiebach. Sein Fazit: "Wir können Fehlverhalten minimieren, aber ganz verhindern können wir es nicht".
Silke Wolfgramm-Dürr
Letzte Änderung am: 26.01.2011, 14.16 Uhr