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Was war das jetzt? Ein Truppenbesuch, ein Familienausflug, ein Termin für eine Fernsehshow? Verteidigungsminister Guttenberg steht wegen seiner Afghanistanreise in der Kritik. Er wurde dabei von seiner Frau und dem Fernsehmoderator Johannes B. Kerner begleitet. Der Besuch war kontraproduktiv und Guttenberg neigt zur Überinszenierung, sagt der PR-Berater und Medienexperte Michael Spreng.

Guttenbergs in Afghanistan
Im Vordergrund sollten die Soldaten stehen, sie sind in Afghanistan im Einsatz. Die Afghanistanreise sollte die Aufmerksamkeit auf die Soldaten richten, das hat Verteidigungsminister Guttenberg (CSU) gesagt. Das Ergebnis aber ist ein anderes: Die Medien in Deutschland haben den Fokus auf seine Frau gerichtet, sagt der PR-Berater Michael Spreng. Die öffentliche Aufmerksamkeit hat jetzt Frau Guttenberg - und nicht die Soldaten. Die Bilanz von Michael Spreng: "Die Reise war kontraproduktiv und ein medialer Rohrkrepierer".
Ein Weihnachtswunsch der Ehefrau?
Die Frage ist natürlich: Was hat sich der Verteidigungsminister von dieser Reise und besonders von seinen Reisebegleitern versprochen? Sowas macht man ja nicht spontan. Aber: Vielleicht hat Guttenberg gar nicht so viel darüber nachgedacht, vermutet Spreng. Seine Frau wollte wohl schon lange mal mitkommen. Dies sei für den Einsatz in Krisengebieten zwar kein Kriterium. Aber wer weiß: "Vielleicht wollte er seiner Frau einen Weihnachtswunsch erfüllen."
Auch Frau Guttenberg muss das richtige Maß für solche Inszenierungen finden. Ihre Autorität und Prominenz ist von ihrem Mann entliehen, so Michael Spreng im SWR. Er ist der gewählte Mandatsträger. Sie ist "nur" seine Ehefrau. Und die Menschen haben ein Gespür dafür, wer gewählt ist und wer nicht. "Sie muss aufpassen, dass sie nicht den Eindruck erweckt, als sei sie auch mit einem politischen Mandat ausgestattet."
Neue Qualität: "Embedded Talkshow"
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist deshalb kein schlechterer Politiker, meint Spreng. Aber Guttenbergs PR-Talent sei so ausgeprägt, dass er gelegentlich zu kräftig in die Tasten des Medienklaviers haut. Und das war auch diesmal so. Das Problem dabei: Von mal zu mal steigt die mediale Fallhöhe von der er abstürzen kann. Und es gibt immer mehr Fälle, in denen man sich dann fragt: Steht jetzt die Sache im Vordergrund oder die Inszenierung des Ministers.
Um was geht es also, wenn nicht nur die Ehefrau, sondern auch noch ein Talkshow-Moderator in ein Kriegsgebiet eingeflogen wird? Aus dem Irakkrieg kennt man den Begriff des "embedded journalism". Journalisten waren eingebettet in eine Militäreinheit. In Afghanistan war jetzt der Talkshow-Moderator Johannes B. Kerner dabei. Er zeichnete dort eine Talk-Sendung mit dem Verteidigungsminister auf.
Dass es in Deutschland jetzt offenbar so etwas wie "embedded Talkshows" gibt, bezeichnet Michael Spreng als eine neue Qualität. Auch das verstärkt den Eindruck der medialen Überinszenierung. "Traumatisierte deutsche Soldaten hätte Herr Kerner auch in Deutschland interviewen können", kritisiert Spreng.
Christine Werner
Letzte Änderung am: 14.12.2010, 12.43 Uhr