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"Kaffee entzieht dem Körper Wasser". "Kaffee ist schlecht für den Magen". "Kaffee treibt den Blutdruck in die Höhe". Kaum ein Getränk ist mit so vielen Klischees behaftet und wird trotzdem von den Deutschen so sehr geliebt wie der Kaffee. Hier erfahren Sie die Wahrheit über das Kultgetränk.
Die Amerikaner trinken morgens, mittags und abends Kaffee. Im typischen Schnellrestaurant, dem Diner, bekommt man als erstes eine Tasse Kaffee serviert - das Nachschenken ist umsonst. Ist Kaffee also ein Durstlöscher? "Er ist zumindest kein 'Wasserräuber', was man in der Vergangenheit immer angenommen hat", sagt SWR-Ernährungsexperte Werner Eckert. "Denn Kaffee besteht fast ausschließlich aus Wasser. Das braucht der Körper und das bekommt er mit Kaffee auch." Kaffee kann deshalb grundsätzlich voll auf die Flüssigkeitsmenge angerechnet werden, die man pro Tag zu sich nehmen soll. Allerdings raten Mediziner davon ab, ausschließlich Kaffee zu trinken. "Wer viel Sport treibt, verliert viele Nährstoffe und die kommen im Kaffee zu kurz", so Werner Eckert.
Die Kaffeekultur ist vielfältig
Deutschland brüht zum Frühstück. Denn Filterkaffee wird am meisten getrunken. Weiter auf dem Vormarsch sind Latte Macchiato oder Capuccino. Diese Kaffeevarianten werden aus Espresso gemacht. Der ist klein, schwarz und hat es in sich. Beim Espresso wird heißer Dampf durch das Kaffeemehl gepresst und löst mehr Inhaltsstoffe. Deshalb hat der Espresso mehr Geschmack und enthält bei gleicher Menge doppelt so viel Koffein wie Filterkaffee.
Kaffee ist mehr als eine "braune Brühe". Die geröstete Kaffeebohne hat's in sich. Sie enthält Kohlenhydrate, Fett- und Eiweißstoffe, Koffein, Mineral- und Aromastoffe sowie pflanzliche Säuren. Diese können manchmal sauer aufstoßen. "Denn Kaffee regt die Magensäureproduktion an", erklärt SWR-Ernährungsexperte Werner Eckert. "Das vertragen viele Menschen nicht, sie bekommen Sodbrennen." Abhilfe schafft die Tradition aus Südeuropa, ein Glas Wasser zum Kaffee zu trinken. "Denn ein Schwall kaltes Wasser zwischendurch bremst die Produktion von Magensäure."
Kaffee ist ein Muntermacher. Er ist ein Turbo für Herz, Kreislauf und Blutdruck. "Das liegt an den Bitterstoffen", erklärt SWR-Ernährungsredakteur Werner Eckert. "Es handelt sich um hochpotente Wirkstoffe für die Gesundheit. Diese Polyphenole im Kaffee erweitern offenbar die Gefäße. Das haben japanische Wissenschaftler erforscht. Und damit sinkt der Blutdruck." Deshalb ist Kaffee auch nicht unbedingt verantwortlich für das Krankheitsbild der Hypertonie, also den dauerhaften Bluthochdruck. Die Harvard School of Public Health in Boston hat 150 Frauen zwölf Jahre lang untersucht. Das Ergebnis: Die meisten hatten trotz eines Kaffeekonsums von mehr als vier Tassen pro Tag keinen Bluthochdruck. Der Ursache sind Forscher an der Universität im kanadischen Toronto auf der Spur. Sie haben herausgefunden, dass es zwei Typen von Menschen gibt: Die einen bauen Koffein schnell ab, bei den anderen dauert es länger. Für Schnell-Koffeinabbauer ist Kaffee gesund - die zweite Gruppe hat Probleme. Auch Cola enthält Koffein; doch Koffein in der Cola scheint durchweg schlecht für den Blutdruck zu sein. Werner Eckert hat dafür auch eine plausible Erklärung: "Dafür ist der hohe Zuckergehalt verantwortlich".
Kaffee erhöht den Blutzuckerspiegel bei Diabetikern. Das haben Untersuchungen belegt. Wer allerdings nicht zuckerkrank ist, für den kann sich Kaffeekonsum positiv auswirken. "Starke Kaffeetrinker erkranken nur halb so oft an Diabetes wie andere Menschen", sagt Werner Eckert. "Zu diesem Ergebnis kommen zwei groß angelegte Studien aus den Niederlanden und aus Finnland", so der SWR-Ernährungsexperte. "Über die Gründe wissen die Forscher noch relativ wenig. Die meisten Mediziner gehen allerdings davon aus, dass Kaffee gut zur Vorbeugung gegen Diabetes ist."
Andreas Böhnisch, Werner Eckert, Susanne Henn, Sabine Gronau
Letzte Änderung am: 23.09.2010, 10.57 Uhr