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Nahost-Friedensgespräche Staatenbund als Lösung?

Israel muss die Grenzen öffnen

Anfang September hieß es: Israelis und Palästinenser sprechen wieder direkt miteinander. Nun wurde der Siedlungsstopp im Westjordanland aber nicht verlängert, umgehend geraten die Gespräche ins Stocken. Aber gibt es überhaupt die Chance auf eine Einigung? Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung glaubt: Nein. In SWR cont.ra Nachgefragt erklärt er, warum.

Galtung hält Israel vor, dass es keine Gespräche führe, sondern ein Manöver abhalte. Israel führe die Verhandlungen in der Hoffnung, dass die Palästinenser alle Vorschläge ablehnten. Israel wolle also der Welt zeigen, dass die Palästinenser überhaupt nicht zu einem Frieden bereit seien. Dann könne man die Schuld den Arabern geben und mit der israelischen Politik fortfahren wie bisher.

Staatenbund statt Zwei-Staat-Lösung

Der norwegische Friedensforscher zeigt in dem Interview einen Lösungsansatz auf. Er spricht sich für einen Staatenbund aus. Ihm sollen Israel, Palästina, Libanon, Syrien und Ägypten angehören. Das ist nach Worten von Galtung innerhalb von zehn Jahren umzusetzen. Voraussetzung sei aber, dass sich Israel grundsätzlich ändere. Die zentrale zionistische Idee sei, das Staatsgebiet auszudehnen, um genügend Raum für alle gut 13 Millionen Juden auf der Welt zu haben. Das sei auch die Idee von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Deshalb müssten vor allem die Hardliner abtreten.

An Europa orientieren

Die ursprüngliche Idee von zwei Staaten, Israel und Palästina, stamme aus dem 19. Jahrhundert und sei sehr altmodisch. Heute denke man eher an Gemeinschaftsstaaten, an einen Staatenbund. In Europa habe man das ganz gut umgesetzt. Deshalb könne man sich bei der Bildung eines solchen Staatenbundes in Nahost ruhig an der Europäischen Union orientieren. Dort gebe es eine Menge von Leuten, die in den anderen Ländern lebten. Galtung fordert, sich die Erfahrungen in Europa zu Nutze zu machen und deshalb die Verhandlungen der Europäischen Union zu überlassen und nicht - wie bisher - den USA. Warum? Washington stehe zu sehr auf der israelischen Seite.

Das Problem sitzt tiefer

Nach seinen Worten geht es im Kern auch nicht um einen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Diese Formel sei falsch. Der Konflikt bestehe vielmehr zwischen Israel und den arabischen Staaten und teilweise auch zwischen Israel und dem Islam.

Ziel müsse sein, die Grenzen zu öffnen. Dazu müssten sich sowohl die Israelis als auch die Palästinenser bewegen. Galtung, er gilt als einer der Gründungsväter der Friedensbewegung, hat die Vision, dass eines Tages Juden in den arabischen Ländern des Staatenbundes leben, und Araber auch in Israel. Damit erreiche man Frieden, sagt er. Und mit Frieden erreiche man Sicherheit.


Ullrich Reuter

Letzte Änderung am: 03.09.2010, 14.55 Uhr

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