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"Muslimische Migranten sind integrationsunwillig. Dummheit ist vererbbar." Das ist die Kurzaussage von Thilo Sarrazins Buch, über das heftig gestritten wird. Die emotional geführte Debatte zeigt: Um Integration geht es in der Diskussion schon lange nicht mehr.
Das größte Problem an der Diskussion über Thilo Sarrazin ist für SWR-Hauptstadt-Korrespondent Mark Kleber, dass es eine Debatte über Thilo Sarrazin ist. "Mit Integration hat der ganze Zirkus kaum mehr etwas zu tun. Sarrazin ist es gelungen, mit schrägen Thesen und fragwürdigen Statistiken zu Muslimen das gesamte Thema Integration zu besetzen und zu vernebeln". Ein Beispiel: Auch die nach Deutschland eingewanderten Iraner sind Muslime. Sie gehören aber hierzulande zur Bildungselite. Durch diese muslimischen Zuwanderer wird Deutschland nicht dümmer.
Zuwanderer aus dem Irak, Iran und Afghanistan haben einen Bildungsgrad, der über dem Durchschnitt liegt. Jeder dritte hat Abitur. 15 Prozent haben einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Zum Vergleich: Bei der Gesamtbevölkerung sind es nur 11 Prozent. (Quelle: tagesschau.de)
Der "Problem-Fall Sarrazin" könnte mit einem Ausschluss aus der SPD gelöst sein, hoffen viele Politiker. "Unausweichlich, konsequent, richtig", lauteten deshalb auch die ersten Reaktionen auf diese Entscheidung. Mark Kleber ist jedoch skeptisch, dass sich die Wogen jetzt glätten werden: "Wer Sarrazin so abfertigt, schaufelt nur Wasser auf seine Mühlen. In den Augen vieler dürfte der Rauswurf ein weiterer Beweis dafür sein, dass hier jemand bestraft wird, weil er unbequeme Wahrheiten ausspricht." Dabei wird verkannt, dass Leute wie die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig bereits in der Vergangenheit die Probleme beim Namen genannt haben. "Sie haben es nur weniger medienwirksam, weniger provokativ und weniger populistisch getan", resümiert der SWR-Hauptstadt-Korrespondent.
Möglicherweise hat die Debatte auch etwas Positives, wenn jetzt noch einmal genau auf die Fakten geschaut wird. Und das ist dringend notwendig, sagt Mark Kleber: "Union und SPD haben das Thema Integration über Jahrzehnte nur mit ideologischen Scheuklappen betrachtet. Deshalb haben es die beiden große Volksparteien versäumt, die Weichen zu stellen. Das rächt sich jetzt." Zur Integration gebe es aber keine Alternative, so der SWR-Hauptstadt-Korrespondent. Seine Forderung lautet: "Schärfen wir den Blick, reden wir über Integration, aber dann richtig. Gegen Sarrazins bequeme Halbwahrheiten hilft kein Rauswurf, auch nicht aus der SPD, dagegen helfen nur gute Argumente."
Andreas Böhnisch, Mark Kleber
Letzte Änderung am: 03.09.2010, 12.50 Uhr