Seite vorlesen:
Bei den Teenies von heute dreht sich alles nur um Sex? Falsch! Laut einer aktuellen Studie lassen sich Jugendliche mehr Zeit mit dem ersten Mal als früher. Und sie sind wesentlich vernünftiger als ihre Eltern damals, auch bei der Verhütung. Der Grund: Sex ist kein Tabuthema mehr.

Sex kann warten
"Jugendliche sind besser aufgeklärt. Das zeigt sich auch daran, dass sie besser verhüten als jemals zuvor", sagt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die aktuelle Studie der Bundeszentrale widerlegt so manches Vorurteil: Deutsche Jungen und Mädchen haben später Sex; rund ein Drittel der 17-Jährigen hatte noch gar keinen Geschlechtsverkehr.
Und: Die meisten Jugendlichen erleben ihr erstes Mal in einer festen Beziehung. "Sie legen Wert drauf, dass sie ihren Partner gut kennen, mit dem sie intim sind." Die Ergebnisse erfreuen die Direktorin: "Das lässt darauf schließen, dass unsere Strategien aufgehen. Wir sagen den jungen Menschen: 'Überlegt Euch gut, wann und mit wem ihr euren ersten Sex haben wollt. Lasst Euch nicht von anderen unter Druck setzen.' Es scheint, dass diese bewusste Entscheidung inzwischen eine große Rolle spielt."
Studie "Jugendsexualität 2010": Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) untersucht seit 1980 regelmäßig Einstellung und Verhalten von 14- bis 17-Jährigen zu Aufklärung, Sexualität und Verhütung. Für die aktuelle Studie sind insgesamt 3.542 Jugendliche befragt worden.

Aufklärung ist für Elisabeth Pott das wichtigste Stichwort. Dabei kommt dem Internet immer mehr Bedeutung zu: "Jugendliche sind viel im Netz unterwegs. Gerade junge Männer können darüber gut mit Aufklärungsbotschaften erreicht werden, während Mädchen eher Aufklärungsbroschüren bevorzugen."
Das Wichtigste sei die Kombination aus Aufklärungsmedien und persönlichem Gespräch. Vor allem Eltern sind hier gefragt. Inzwischen sprechen immer mehr Jugendliche mit Mutter und Vater über Sex, Aufklärung und Verhütung. Das Verhältnis von Eltern und Jugendlichen habe sich sehr zum Positiven gewandelt, so Elisabeth Pott: "Früher war eher DAS Aufklärungsgespräch angesagt, das häufig von beiden Seiten als peinlich empfunden wurde. Heute sprechen Eltern kontinuierlich mit Kindern und Jugendlichen über diese Themen."
![]()
Prof. Dr. Elisabeth Pott
Sexualaufklärung ist eine Aufgabe, die von Anfang an altersgerecht stattfinden muss. Davon ist Elisabeth Pott überzeugt: "Die Aufklärung beginnt mit dem Kennenlernen des eigenen Körpers, einem guten Körpergefühl und der Stärkung und Entwicklung der Persönlichkeit. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche dafür eine Vertrauensperson haben, mit der sie über Fragen und Probleme sprechen können."
Solveig Merkel
Letzte Änderung am: 02.09.2010, 10.59 Uhr