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Michael Ballack und nicht Philipp Lahm. Bundestrainer Joachim Löw hat in der Kapitänsfrage entschieden, doch leider falsch. Denn ein DFB-Spielführer hat Aufgaben zu erfüllen, denen Ballack womöglich nicht mehr gewachsen ist.

SWR-Sportredakteur Holger Kühner bedauert Löws Entscheidung: "Philipp Lahm würde besser als Kapitän passen. Er steht für die neue Generation von Fußballnationalspielern, die uns bei der WM in Südafrika so viel Freude gemacht hat." In der Nationalmannschaft herrsche inzwischen eine ganz andere Kultur. "Die Spieler treten lässiger auf als Michael Ballack. Und Ballack gilt nicht gerade als pflegeleicht. Es hat in seiner Rolle als Kapitän schon für Konflikte innerhalb der Nationalmannschaft gesorgt."
Und genau wegen dieses Konfliktpotentials könnte es schwer werden für Michael Ballack. Denn die Aufgabe des Kapitäns ist es vor allem, Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft zu sein. Auf dem Platz muss er das Spiel führen, weshalb die offizielle Bezeichnung des Deutschen Fußballbundes noch immer "Spielführer" lautet. "Er ist vor allem für heikle Situationen da", erklärt Sportredakteur Kühner: "Wenn die Mannschaft zurückliegt, muss er sie antreiben wie kein anderer."
Diese Funktion hat beispielsweise Oliver Kahn als Kapitän sehr gut ausgefüllt. Holger Kühner: "Kahn hat so laut geschrien, dass ihn selbst der Stürmer 100 Meter weiter vorn gehört hat. Er war eine Respektsperson in der Nationalmannschaft."
Der Kapitän ist außerdem der Ansprechpartner des Schiedsrichters. Er ist für das Benehmen seiner Mannschaft verantwortlich, genießt aber keine Sonderrechte. Holger Kühner findet, dass die Rolle des Kapitäns in diesem Zusammenhang noch gestärkt werden müsste: "Im Eishockey darf nur der Kapitän mit dem Schiedsrichter reden. Im Fußball kann jeder Spieler auf den Schiedsrichter losgehen und mit ihm diskutieren. Das finde ich eine absolute Unart."
Vor 60 Jahren war vieles anders:
"Als Fritz Walter Kapitän war, gab es keine Prämienverhandlungen wie heute. Außerdem hat Walter Trainer Sepp Herberger gesiezt und umgekehrt genauso." (Holger Kühner)
Auch abseits des Platzes ist der Kapitän ein wichtiger Ansprechpartner, dann vor allem für Spieler und Trainer. Gemeinsam mit dem Spielerrat handelt er zudem die Siegesprämien für die Spiele aus. Für das Engagement bekommt der Kapitän viel Ehre: Er darf bei einem Spiel als erster auf den Platz laufen, steht bei der Aufstellung an der Spitze der Nationalmannschaft und darf bei einem Titelgewinn als erster den Pokal in die Hand nehmen.

Holger Kühner
Wer Kapitän wird, bestimmt der Trainer; die Spieler haben kein Mitspracherecht. "Und das ist auch gut so", sagt SWR Sportredakteur Holger Kühner: "Der Trainer braucht einen Mann auf dem Feld, dem er vertrauen kann. Denn er hat ansonsten wenige Möglichkeiten, um in das Spiel einzugreifen."
Holger Kühner, Andreas Braun, Solveig Merkel
Letzte Änderung am: 01.09.2010, 13.49 Uhr