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Sie hängen ihre Botschaften an Atomkraftwerke oder zwingen einen Ölmulti wie Shell in die Knie. Mit spektakulären Aktionen machen die Aktivisten der Organisation Greenpeace seit Jahrzehnten auf Umweltprobleme aufmerksam. Greenpeace Deutschland feiert jetzt 30-jähriges Jubiläum.
"Wenn es Greenpeace nicht geben würde, man hätte die Umweltschutzorganisation erfinden müssen", sagt SWR-Umweltredakteur Axel Weiss. In ihrem Kampf gegen die "bösen" Chemie- oder Atomkonzerne verstanden es die Aktivisten von Anfang an, die Medien geschickt für ihre Aktionen zu nutzen. Nachdem Greenpeace Deutschland 1980 gegründet worden war, tat die Organisation fast alles, um in die Schlagzeilen zu kommen: "Abseilen, anketten, anprangern" war das Motto. Und die Aktionen waren spektakulär - egal ob Aktivisten auf Schornsteine kletterten oder mit Schlauchbooten Giftschiffe am Auslaufen hinderten. "Das Konzept von Greenpeace ging auf", resümiert Axel Weiss. "Greenpeace sind die Guten. Wer gegen die Organisation anstinkt, hat leicht den Schwarzen Peter an der eigenen Backe und das schlechte Image weg."
Dünnsäureverklappung
Die Dünnsäureverklappung war in den 1980er Jahren eine gängige und legale Methode, um giftige Abfälle aus der Chemieindustrie in der Nordsee billig zu entsorgen. Dünnsäure ist unter anderem mit den giftigen Metallen Arsen, Blei, Cadmium und Chrom verunreinigt. Greenpeace protestierte immer wieder gegen die Verklappung. 1990 hatte die Umweltschutzorganisation schließlich Erfolg. Das Entsorgen der giftigen Chemikalien in der Nordsee wurde gesetzlich verboten.
Gründungsmitglied von Greenpeace Deutschland ist Harald Zindler. Der Hamburger kommt aus der Anti-Atomkraftbewegung. Gegen diese seiner Meinung nach gefährliche Technologie wollte er mobil machen. Aber es gab noch weitere Gründe für das Engagement bei Greenpeace: "Ich habe den Fischern bei ihrem Kampf gegen die Umweltverschmutzung geholfen. Jeden Tag fuhr ein Schiff in die Nordsee hinaus. Zehn Kilometer von Helgoland entfernt pumpte es eine ganze Schiffsladung Dünnsäure ins Meer. Wir von Greenpeace haben Vorbereitungen getroffen, so dass dieses Schiff vier Tage lang den Hafen nicht verlassen konnte."
Inzwischen ist Greenpeace in 28 Ländern vertreten. Die Aktionen werden generalstabsmäßig geplant und umgesetzt. Das führt zu Reibungsverlusten - vor allem bei den Beschäftigten. An diesem Punkt setzt die Kritik von SWR-Umweltredakteur Axel Weiss an: "Die Personalfluktuation innerhalb dieser straff hierarchisch geführten Organisation war zumindest zeitweise legendär. Das Motto lautete: Mitbestimmung, nein Danke. Ein paar Strippenzieher bestimmten den Kurs, und der war knallhart am zu erwartenden PR-Ertrag ausgerichtet." Greenpeace-Gründungsmitglied Harald Zindler verteidigt im SWR-Interview dieses Vorgehen: "Wenn man alle Ideen basisdemokratisch diskutierte, würde man nur Zeit verschwenden. Intern wird um die beste Lösung gerungen. Nur wenn es zur Umsetzung kommt und sich die Leute immer noch nicht einig sind, muss einer sagen, wie es weiter geht."
Seit 30 Jahren kämpft Harald Zindler bei Greenpeace für eine bessere Welt - und der Kampf hat etwas gebracht: "Ich glaube, dass die Leute viel mehr darauf achten, was sie tun und wie sie es tun. Das merken wir daran, wie sie auf uns reagieren. Immerhin unterstützen Greenpeace hier in Deutschland 560.000 Förderer. Das macht uns unabhängig von Firmen und Staat." Diese Unabhängigkeit muss sich Greenpeace bewahren, um glaubwürdig zu bleiben, fordert Axel Weiss. Interessenskonflikte könnte es geben, da Greenpeace inzwischen selbst zum Konzern geworden ist. Die Umweltschutzorganisation bietet seit zehn Jahren Ökostrom an. "Das birgt die Gefahr, selbst zum Lobbyisten zu werden", mahnt der SWR-Umweltredakteur. "Dennoch: Bisher hat sich die Organisation immer wieder neu erfinden können und ist ihrem Kernanliegen, der Nachhaltigkeit, treu geblieben."
Andreas Böhnisch, Axel Weiss
Letzte Änderung am: 27.08.2010, 14.31 Uhr