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Warum werden manche Menschen uralt und bleiben fit, obwohl sie Zeit ihres Lebens ungesund gelebt haben? Diesem Geheimnis wollten amerikanische Forscher auf den Grund gehen. Sie haben herausgefunden: Es sind bestimmte Gene, die für ein langes Leben sorgen.
Antisa Khvichava ist alt. Ziemlich alt sogar. Fast 130 Jahre, behauptet das georgische Justizministerium und beruft sich auf Unterlagen, nach denen sie am 8. Juli 1880 geboren wurde. Vor ein paar Wochen klagte Antissa Chwitschawa darüber, daß sie leider nicht mehr arbeiten könne – sie sei nun doch etwas zu gebrechlich. Aber bis auf schlechter funktionierende Augen und Ohren ist Khvichava für ihr Alter erstaunlich gesund. Das Rezept der Georgierin für ein langes Leben: ab und zu ein Wodka und eine Partie Backgammon. Dass Menschen heute immer älter werden, ist bekannt. Doch warum manche ein Rekord-Alter erreichen und dabei geistig und körperlich so fit bleiben, gab den Forschern lange Zeit Rätsel auf.
Die Suche hat sich gelohnt
Nun haben Forscher vom Boston Medical Center in der bislang weltweit umfangreichsten Studie herausgefunden: Im Erbgut der untersuchten über 100-Jährigen gibt es übereinstimmende Faktoren, die für ein langes Leben ausschlaggebend sind. Mehr noch: "Ihnen gelingt es, erste größere Verschleißerscheinungen über die späten 90er-Jahre ihres Lebens hinauszuschieben", sagt der Mediziner und Leiter der Studie Professor Thomas Perls. Seine Kollegin Paola Sebastiani hat ein statistisches Modell entwickelt, das zeigt, wie diese genetischen Marker zusammenwirken. Die Genauigkeit dieses Modells liegt bei 77 Prozent.
Alters-Gene haben das Sagen
Das verblüffende Ergebnis der Gen-Analyse: Im Erbgut der 1600 Probanden waren genau so viele krankmachende Genvarianten wie in der Kontrollgruppe. Dafür fanden die Forscher aber mehr Gene, die das Älterwerden fördern: "Diese löschen die Effekte der genetischen Krankheitsvarianten aus", erklärt Sebastiani. Alzheimer, Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall, Bluthochdruck und Krebs machten sich im Vergleich zur Normalbevölkerung bei alten Menschen mit diesem genetischen Hintergrund sehr viel später bemerkbar oder traten gar nicht auf. In 19 Gruppen konnten die Wissenschaftler die Senioren auf Grund ihrer Erkenntnisse einteilen. Die Gruppe der "Super-Hunderjährigen", also der Personen im Alter von mindestens 110 Jahren, wies dabei die meisten Genvarianten für Langlebigkeit auf.
Fundiert, aber nicht eindeutig
Doch lässt sich mit diesen Erkenntnissen nun ein langes Leben sicher voraussagen oder gar genetisch "programmieren"? "Wir haben nun genetische Marker für das Altern identifiziert, kennen aber noch nicht deren genaue Funktion und wissen nicht, welche biologischen Phänomene das Altern bewirken", sagt Statistikerin Sebastiani. Die Forscher vergleichen die Wahrscheinlichkeit der Prognose mit einem fundierten Wetterbericht. Der könne eintreten, müsse aber nicht.
Ein wichtiger Schritt, aber erst der Anfang
Es sind rund 150 Gene, die an der vererbbaren Langlebigkeit des Menschen beteiligt sind. Und in Kombination miteinander ergeben sich daraus schier unendliche Möglichkeiten. Man sei schon froh, wenn man vorhersagen könne, dass ein Mensch wahrscheinlich 100 oder 110 Jahre alt werde, sagt Thomas Perls. Und: "Geräte für Gentests, die bereits auf dem Markt sind und nach genetischen Krankheitssignaturen suchen, können wohl kaum eine auch nur annähernd akkurate Prognose liefern", fügt er hinzu. Es bestehe noch viel Forschungsbedarf. Die Forscher müssen und wollen die Genauigkeit der Ergebnisse noch verbessern. Aber eines kann Perls schon jetzt definitiv sagen: alt werden bedeutet nicht automatisch Krankheit und Siechtum.
Simone Lafos, Klaus Herbst
Letzte Änderung am: 02.07.2010, 11.06 Uhr