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SWR cont.ra Thema München ist Olympiakandidat

Die bayerische Landeshauptstadt ist nun offizieller Kandidat für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2018. Neben München kämpfen Pyeongchang in Südkorea und Annecy in Frankreich um die Gunst des IOC.

Die Kosten für die Ausrichtung der Winterspiele sind - neben ökologischen Bedenken - einer der Punkte, an denen sich die Geister bei Münchens Bewerbung scheiden. Auf 3,1 Milliarden Euro haben die Münchner Olympiamacher die Gesamtkosten beziffert.

Olympiamacher versprechen Gewinn

Und "unterm Strich" will der Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft, Bernhard Schwank, sogar einen Gewinn machen. Daran glaubt außer ihm aber vermutlich niemand, denn die Erfahrung lehrt anderes. Bei den Winterspielen 2006 musste die Stadt Turin ein Defizit von 31 Millionen US-Dollar übernehmen und die anstehende Bilanz für Vancouver 2010 verheißt nichts Gutes.

Verluste trägt der Steuerzahler

Helmut Dietl Uni Zürich

Für den Wirtschaftswissenschaftler Helmut Dietl (re.) von der Universität Zürich ist das Gewinnziel der Münchner Bewerbergesellschaft denn auch eher ein frommer Wunsch. Mit olympischen Spielen einen Gewinn erwirtschaften zu wollen, hält der Wissenschaftler für vermessen. "Meist bleibt am Ende erfahrungsgemäß ein Verlust". Die Frage ist, wer diesen trägt. "Meist der Steuerzahler und in der Regel nicht das Organisationskomitee", sagt Dietl.

Wenig Begeisterung in Garmisch

Derlei Befürchtungen gehen auch in den Gemeinden um, die 2018 neben als Wettkampfort vorgesehen sind: Oberammergau, Schönau am Königssee und Garmisch-Partenkirchen. Dort hält sich die Begeisterung für die Olympiabewerbung 2018 denn auch in Grenzen. Nur jeder Zweite in Garmisch steht hinter der Bewerbung, mehr als ein Viertel ist in Umfragen strikt dagegen. Aber der bayerische Ministerpräsident Seehofer hat bereits Beruhigungspillen verteilt und vor wenigen Tagen großzügig zugesichert, dass der Freistaat, die Bundesregierung und die Stadt München für ein mögliches Defizit 2018 aufkommen.

Die Allgemeinheit wird’s also im Zweifelsfall wieder richten, aber sie profitiert auch von solch einem Ereignis, wird in einschlägigen Werbebroschüren für sportliche Großveranstaltungen gerne argumentiert. Ein Argument, das Helmut Dietl zumindest nicht für falsch hält. Es werde in Sportstätten investiert, der Tourismus angekurbelt und das Image verbessert, sagt der in Zürich lehrende Wirtschaftswissenschaftler. "Davon profitiert die austragende Region, sofern ein Großteil der Kosten vom gesamten Land getragen wird".

Olympiagegner planen Bürgerbegehren

Dietl schätzt die Leidensbereitschaft des Steuerzahlers in diesem Zusammenhang ohnehin nicht gering ein. "Ein schönes Erlebnis, ein Gemeinsamkeitsgefühl und die Möglichkeit, der Jugend eine Vorbildfunktion geben zu können", würden viele Menschen ausreichend entschädigen. Nicht so die Kritiker des Olympia-Projekts: Das Netzwerk "NOlympia 2018" will seinen Widerstand intensivieren und in Kürze ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen. Wehren will man sich gegen "explodierenden Kosten, größenwahnsinnige Straßenbauprojekte und Knebelungsverträgen für die austragenden Orte", hieß es auf einer Protestveranstaltung in Garmisch-Partenkirchen.


Letzte Änderung am: 23.06.2010, 14.10 Uhr