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Bachelor als Regelabschluss Die Angst vor dem "Schmalspurjuristen"

Der Bachelor soll zur "Grundausbildung" für Rechtswissenschaftler werden. Mit diesem Vorschlag will der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Studenten neue Chancen eröffnen. Viele Juristen sind entsetzt. Sie befürchten eine Abwertung des Berufsstands.

Der Stifterverband packt ein heißes Eisen an. Jura ist bisher pauschal von der Bologna-Reform ausgenommen worden. Und daran halten die eher konservativ eingestellten Standesorganisationen der Juristen auch fest. Der Präsident des Hochschulverbandes und Jurist, Bernhard Kempen, fordert im SWR, die Hände von einer so umfassenden Reform zu lassen: "Ich bin der Ansicht, dass die Juristenausbildung in Deutschland zu den besten weltweit gehört." Und diesen hohen Standard will der deutsche Hochschulverband mit dem Argument "Never touch a running system" konservieren.

Doch die Liste der Schwachpunkte in der Juristen-Ausbildung ist lang, findet Andreas Schlüter von der Expertenkommission des Stifterverbandes: "Zur Zeit arbeitet nur jeder 20. Absolvent in dem Beruf, für den er ausgebildet wird, nämlich Richter, Rechtsanwalt, Staatsanwalt". Praxisbezug und Berufsorientierung seien derzeit völlig unzureichend. Schlüter sollte es wissen, schließlich ist der Generalsekretär des Verbandes selbst ausgebildeter Jurist.

Bachelor eröffnet viele neue Berufschancen

Der Vorschlag des Stifterverbandes: Die Uni-Laufbahn beginnt grundsätzlich mit einem dreijährigen Bachelor-Studiengang. Der Absolvent hat dann drei Optionen: Er wählt einen nicht-juristischen Master-Studiengang, einen Juristen-Master-Studiengang (z.B. für den Bereich Steuer- und Finanzrecht) oder das klassische Erste und Zweite Staatsexamen (z.B. für den klassischen Richterberuf). [zum Vorschlag des Stifterverbandes]

Die Quote der Studienabbrecher ist bei Juristen derzeit sehr hoch - daran kann niemand Interesse haben. Genau hier soll der Bachelor Abhilfe schaffen, findet Schlüter. Wer nach dieser "Grundausbildung" kein Interesse am Anwalts- oder Richterberuf hat, kann in einem anderen, erfolgsversprechenden Fach weiter studieren. Außerdem suchen immer mehr Unternehmen spezialisierte Juristen, die Fachwissen mitbringen sollen - aber nicht unbedingt ein Staatsexamen. So gibt es an der Uni Mannheim seit dem Wintersemester 2008 einen Bachelor für Unternehmensrecht. Gegen heftigen Widerstand anderer Jura-Fakultäten, aber offenbar mit gutem Erfolg. Studiendekan Björn Burkhart sagte dem SWR: "Die Wirtschaft fragt Absolventen nach, die eine juristische Ausbildung und eine wirtschaftswissenschaftliche Zusatzqualifikation haben". Die gibt es bei der klassischen einheitsjuristischen Ausbildung nicht.

Angst vor "Zweite-Klasse-Juristen" ist unbegründet

Andreas Schlüter sieht weitere spannende Einsatzmöglichkeiten für die künftigen Bachelor-Juristen, zum Beispiel "das große Feld der gemeinnützigen Einrichtungen im Gesundheitswesen. Es kommt im juristischen Studium so gut wie gar nicht vor, hat aber einen großen Anwendungsbereich in der Praxis."
Doch viele Juristen halten nichts von dieser "Revolution" ihres Berufsstandes. Bernhard Kempen vom Hochschulverband befürchtet, dass "Zweite-Klasse-Juristen" ins Berufsleben drängen, die nicht das "Rüstzeug" haben, Richtern oder Anwälten "auf Augenhöhe" zu begegnen. Doch Andreas Schlüter vom Stifterverband sieht vor allem Chancen für die neue Ausbildung. Die Studenten würden flexibler und könnten sich stärker ihren persönlichen Interessen entsprechend ausrichten. Nicht jeder, der als Jurist arbeite, benötige die spezielle, umfassende Ausbildung, die mit einem Staatsexamen verbunden ist.

Die Zeit spricht für den Bachelor

Auch wenn sich die konservativen Standesorganisationen der Juristen quer stellen: Am Ende wird sich das Bachelor-Modell wohl doch durchsetzen, glaubt der Mannheimer Studiendekan Björn Burkart. Er geht davon aus, dass bis zu 50 Prozent der angehenden Unternehmensjuristen in Mannheim nach dem Bachelor von der Uni in den Beruf wechseln werden. Seine Prognose: Unser Modell wird dazu führen, dass ein gewisser Druck auf andere Fakultäten entsteht, auch solche Bachelor anzubieten."


Anja Braun, Andreas Braun

Letzte Änderung am: 26.03.2010, 10.12 Uhr