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Im Wintersport wird gedopt. Auch deutsche Athleten sollen illegale Substanzen genommen haben. Im ARD-Film "Geheimsache Doping: Eiskalter Betrug" gehen die Ermittler eiskalt mit dem Wintersport ins Gericht. Die Funktionäre reagieren unterkühlt.
Eine Garantie für dopingfreie Winterspieler in Vancouver gibt es längst nicht mehr, sagt SWR-Sportreporter Holger Kühner. Denn zu viel ist in der Vergangenheit bereits vorgefallen. Bei Olympia 2006 in Turin wurden österreichische Langläufer und Biathleten wegen Dopings von der Polizei abgeführt. Die Wiener Blutbank "Humanplasma" steht seitdem im Fadenkreuz der Ermittlungen. Immer wieder werden Anschuldigungen gegen deutsche Wintersportler laut. "Mehr als zwei Jahre wird darüber spekuliert, dass deutsche Wintersportler zur Dopingkur nach Wien gefahren sind. Manches deutet darauf hin", sagt Holger Kühner. "Namen gibt es aber keine."
"Humanplasma" in Wien war möglicherweise Anlaufstelle für Blutdoping im Wintersport. Auch 20 deutsche Biathleten und Skilangläufer sollen dort ihr Blut zur Leistungssteigerung aufgefrischt haben. ARD-Recherchen hatten im Winter 2007/2008 die Vorwürfe publik gemacht. "Humanplasma" wehrte sich zum wiederholten Mal, in systematisches Doping involviert gewesen zu sein. "Bluttests von Sportlern sind lediglich im Labor aufbewahrt worden. Es hat aber keine Transfusionen gegeben."
Als Kronzeuge sagt Arnold Riebenbauer im ARD-Film aus. Als früherer Vorsitzender des Disziplinar-Ausschusses des österreichischen Ski-Verbandes war er mit dem Dopingskandal in seinem Land nach den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin betraut. Im Rahmen seiner Ermittlungen habe er Hinweise auf Verstrickungen deutscher Biathleten und Skilangläufer in Doping-Machenschaften bei "Humanplasma" in Wien erhalten. Namen nannte Riebenbauer in der Sendung nicht. Die Quelle seiner Informationen sei seriös, betonte Riebenbauer. Die Angaben stammten aus dem österreichischen Wintersport.
Ein ehemaliger nordischer Skisportler aus Mitteleuropa bekräftigt die Doping-Vorwürfe. In dem ARD-Film gibt er zu, selber gedopt zu haben und schildert anonym seine Erfahrungen aus der Wintersport-Szene: "Vor allem im Skilanglauf habe ich mitbekommen, dass in der Weltspitze massiv gedopt wird. Gerade auf den längeren Distanzen ist es unmöglich ohne Epo oder Blutdoping irgendwo vorne mitzulaufen. Genommen wird vorwiegend Epo. Wachstumshormon wird auch genommen und Anabolika." Sein Fazit ist düster: Die Doping-Situation im nordischen Skisport sei vergleichbar mit der im Radsport.
Die Doping-Enthüllungen vor den Olympischen Winterspielen von Vancouver passen nicht in das Bild vom sauberen Sport. Stellungnahmen der Funktionäre ließen deshalb nicht lange auf sich warten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wiegelt ab. Sein Präsident Thomas Bach erklärte: "Wenn es Vorwürfe gibt, dann sollten da Ross und Reiter genannt werden und dann wird der DOSB mit null Toleranz dagegen vorgehen. Aber einfach pauschal unsere Athleten hier einem Verdacht auszusetzen, das ist so nicht hinnehmbar."
Erschreckende Details liefert der ARD-Film über ein neues Präparat. Es heißt S107. Die Substanz wird seit ein paar Jahren zur Behandlung von Herzleiden eingesetzt. Das Mittel soll massiv die Muskelermüdung des Sportlers reduzieren. So kann der Athlet seine Leistung um bis zu 20 Prozent steigern. S107 steht noch nicht auf der Doping-Liste. In Vancouver werden die Sportler also auch nicht darauf getestet. Im Internet kann das Präparat ohne Probleme bestellt werden. Ob das Internationale Olympische Komitee auf diese Entwicklung reagiert, ist offen. Bislang wurden 200 Doping-Proben genommen, die allesamt negativ ausgefallen sind. Bis zum Ende der Winterspiele sollen 2.000 Sportler getestet werden.
Andreas Böhnisch, Holger Kühner
Letzte Änderung am: 09.02.2010, 11.37 Uhr