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Es ist der Kampf um Lebensmittel. Es ist die Angst vor dem Hungertod. Diese Eindrücke hat SWR-Hörfunkjournalist Uwe Lueb auf seiner Reise durch Haiti gewonnen. Es sind Erlebnisse, die den ARD-Krisenreporter nachhaltig berührt haben.
Knapp zwei Wochen ist ARD-Krisenreporter Uwe Lueb in Haiti unterwegs gewesen. Die Menschen leben von der Hand in den Mund. Denn die Hilfstransporte haben noch immer nicht alle Teile des Landes erreicht. Und Uwe Lueb hat erfahren, dass die Haitianer deshalb bereit sind, für etwas zu essen und zu trinken bis zum Äußersten zu gehen. "Da wurde ein Reislaster geplündert. Und als der erste Sack rausgerissen wurde, stürzten hunderte Menschen schreiend und johlend hinterher. Die wollten alle auch etwas abhaben."
Uwe Lueb, Jahrgang 1964, hat nach dem Abitur in Kiel und Berlin studiert. 1989 machte er sein Diplom als Politikwissenschaftler. Seit 1998 ist er beim SWR. Als Aktuell-Redakteur informiert er die Hörer über die Topthemen aus dem Sendegebiet, aus Deutschland und der Welt. Uwe Lueb verstärkt immer wieder das Team im Hauptstadtstudio. Außerdem ist er weltweit als ARD-Krisenreporter im Einsatz.
In solchen Situationen hat das Wachpersonal keine Chance. Die Menge lässt sich auch von Warnschüssen nicht abhalten. Uwe Lueb hat miterlebt, dass der Laster komplett leer geräumt worden ist. "Da waren schätzungsweise ein paar hundert Säcke drauf, aber es waren tausende Menschen, die Lebensmittel haben wollten. Da habe ich Kämpfe gesehen, wie an den Enden des Sackes zwei Leute zerrten. Diese Verzweiflung in den Gesichtern, dieser Kampf ums Essen - das fand ich schon sehr bewegend."
Etliche Stadtteile von Port-au-Prince existieren seit dem Erdbeben vom 12. Januar nicht mehr. Tausende Häuser sind samt Untergrund abgerutscht. Auch kleinere Städte in Haiti sind fast völlig zerstört. Die Überlebenden sind zusammengepfercht in Flüchtlingscamps. Dort vegetieren sie unter menschenunwürdigen Bedingungen. Das sind Bilder, die einen begleiten, sagt Uwe Lueb: "Die Menschen haben Planen als Schattenspender und ansonsten sitzen sie buchstäblich im Dreck und haben nur noch das, was sie am Leib tragen. Es hat die Armen getroffen, die noch ärmer als arm sind, wenn man das überhaupt steigern kann."
"Es gab immer wieder Situationen, die hätten gefährlich werden können", sagt Uwe Lueb. Aber der ARD-Krisenreporter ist in Haiti nie allein unterwegs gewesen. Auch wenn er relativ problemlos mit den Menschen reden konnte, hat er eines beobachtet: Die Stimmung in der Bevölkerung hat sich während seines Aufenthaltes verändert. "Zwei Wochen nach dem Beben war ein Punkt erreicht, wo sich die Überlebenden in den Lagern vorkamen wie im Zoo. Es gab zunehmend Menschen, die wollten nicht mehr mit weißen Journalisten reden. Denen wäre es lieber gewesen, man hätte ihnen etwas zu essen und zu trinken mitgebracht."
Rebecca Müller, Andreas Böhnisch, Uwe Lueb
Letzte Änderung am: 12.02.2010, 10.42 Uhr